News 21.03.2014, 10:14 Uhr

Swatch-Chef: Smartwatches scheitern am Akku

Swatch-Chef Nick Hayek ist kein Fan von Smartwatches. Im Interview mit dem Tages-Anzeiger bemängelt der Uhrenpionier besonders deren schwache Akkulaufzeit.
Smartwatches sollen der nächste grosse Schritt in der Gadget-Welt werden. Samsung und Sony haben bereits Geräte auf dem Markt, mit noch mässigem Erfolg. Apple, LG und Motorola wollen nachziehen. Im Uhrenland Schweiz tut sich jedoch wenig. Swatch-Chef Nick Hayek hält nicht viel von den intelligenten Uhren.
«Die Konsumenten wollen ihre Uhr nicht aufladen müssen», so Hayek gegenüber dem Tages-Anzeiger. Laut Hayek sind sämtliche Smartwatch-Hersteller bei Swatch zu Besuch gewesen und haben die Uhrenpioniere um Rat gefragt. Der Smartwatch liege allerdings ein grundlegendes Verständnisproblem im Weg.
«Eine Uhr ist ein Schmuckstück», meint Hayek. Eine Smartwatch brauche hingegen ständig neue Software, und um dieser gerecht zu werden, neue Hardware. Auch mit Funktionen lässt sich Hayek nicht beeindrucken. Sämtliche Funktionen der aktuellen Smartwatches habe er auch auf seinem Smartphone. «Die Menschen kaufen Uhren nicht wegen Funktionen, sondern wegen Emotionen», so Hayek.

Swatch kommt Apple zuvor

In seiner Skepsis bezieht sich Hayek auch auf die Swatch Paparazzi, die Swatch 2004 zusammen mit Microsoft auf den Markt gebracht hatte. Die Internetuhr war ein kompletter Flop und verkaufte in einem Jahr so viele Exemplare wie Swatch sonst in zwei Tagen. Ganz aus dem Geschäft der vernetzten Geräte zieht sich Hayek jedoch nicht zurück. Die neue Swatch Touch Liquid Metal verfügt über Bluetooth und kann als Selbstauslöser für Smartphones verwendet werden.
Interessant dabei ist besonders das verwendete Material der Uhr. Das von der US-Firma Liquid Metal gefertigte Metall lässt Funksignale durch. Hier kam Swatch Apple zuvor. Für Uhren liegen die exklusiven Nutzungsrechte bei den Schweizern. Apple hat sich jedoch die Rechte für andere Produkte gesichert.



Kommentare
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Kovu
24.03.2014
^ ich weiss nicht ob es wirklich so einfach ist, Swissmac. Dass sich das Smartphone als Begleiter etablieren konnte leuchtet ein. Denn es hat ein Format, mit welchem sich praktisch alle Inhalte noch konsumieren und irgendwie auch bearbeiten lassen, und es kombiniert einen Computer mit etwas was ohnehin schon fast jeder mit sich herumträgt und regelmässig aufladen muss: das Handy. Ich weiss nicht ob es für den 0815-Uhrenträger wirklich praktikabel ist, seine Uhr alle 1 - 2 Tage aufzuladen. Die meisten wollen heute mit der Uhr nicht mehr viel zu tun haben, und kaufen sich entweder eine Quarzuhr oder einen Automaten. Der Automat läuft - sofern stetig getragen - immer, und eine gewöhnliche Quarzuhr läuft auch ihre 2 bis 4 Jahre, bis sie wieder einen Batteriewechsel benötigt. Und ob jeder so ohne weiteres bereit ist, ein Daten-Abo für seine Uhr zu kaufen, ist nochmals eine andere Frage (sofern das Gerät eigenständig ist und nicht an das Handy gekoppelt werden muss). Hinzu kommt, dass die Uhr heute eigentlich nur noch 'Schmuck' ist. Die wenigsten wünschen sich Multifunktionsuhren, ausser es ist für einen ganz bestimmten Zweck (wie Wandern, Tauchen, Puls abnehmen etc.). Somit bezweifle ich, dass die Smartwatch das Zukunftsprodukt der Elektronikindustrie sein wird. Sicherlich kann sie für den einen oder anderen nützlich sein, aber die breite Masse wird sich kaum dafür interessieren.

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gucky62
24.03.2014
Naja, ich denke dieses Gadget würde zu beginn vermutlich einige Kunden interessieren, aber ich erwarte eigentlich, dass eine Vielzahl der Leute davon nicht viel wissen wollen. Eine Uhr muss einfach funktionieren und keinen Aufwand machen. Wenn ich meine Uhr alle paar Tage laden müsste (egal wie) dann würde das Ding in den Müll wandern. Eine Uhr muss die Zeit und Datum möglichst genau anzeigen. Zusatzfunktionen, wie Stoppuhr, Timer, usw. können zwar manchmal nützlich sein, aber wirklich öfters benutzen tun die Leute diese Funktionen nicht. Darum bin ich schon vor langem wieder auf eine analoge Anzeige zurück. (Und nun auch zur Solar-Variante) In der Regel lege ich die Uhr höchstens alle paar Wochen mal ab. Auf dem relativ kleinen Uhren-Display kann man auch nicht wirklich was sinnvolles machen. Dafür ist es nun einmal viel zu klein. Selbst eine Agendafunktion ist wenig brauchbar, höchstens zum Alarmieren. Gruss Daniel

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swissmac
25.03.2014
Wer keine hat ... ... nun, ich gehe jetzt mal zu 99,99% davon aus, dass Ihr noch nie eine Smart-Watch hattet oder auch nur schon aus der Nähe gesehen habt und was man (noch) nicht hat, das kann ja auch nichts taugen ... klar ... Ich spreche jetzt nicht mal von Neid und Eifersucht ... All die von euch angesprochenen Probleme sind ja locker lösbar: Daten-Abo? Brauche ich nicht. Mit einer aktuellen Prepay-Simkarte habe ich keine Fixkosten und benutze in der Regel einfach Telefon-Funktion und SMS. Wenn ich dann in seltenen Fällen mal Daten brauche, schaltet ich die für 1.-/Tag ein ... Problem gelöst. Ich kenne nicht all zu viele Menschen, die ihre Uhr auch nachts tragen, denn das ist schon ziemlich unbequem und stört im Schlaf. Wenn man die Uhr also in der Nacht aufs 'Nachttischli' oder im Badezimmer (ab)legt, dann wieso nicht auf eine Induktionsmatte? Am Morgen ist die Uhr automatisch geladen und gut ist. Kauft euch mal so eine Uhr zum Spass (ist ja für ca. 200.- zu haben) und mit der Absicht die sofort wieder zu verkaufen und ich garantiere euch, ihr werdet sie behalten! Nicht als Handy-Ersatz, aber als Ergänzung für Freizeit, Sport usw. Das ist DIE nächste grosse Geschichte - sobald genügend Leute die haben (oder eine gewisse Marke ... das auch auf den Markt bringt) wird es plötzlich zum MUST - garantiert!

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Kovu
25.03.2014
^ ja, ich bin Uhrmacher, und hatte solche Dinger schon selber in der Hand. Im übrigen auch die Generation 3 von Aerowatch, welche letztes Jahr schon vorgestellt wurde (und ein Produkt der schweizer Uhrenindustrie ist). Als Uhrmacher kann ich dir auch versichern, dass es etwa die Hälfte meiner Kundschaft ausmacht, die ihre Uhren entgegen meinem Rat auch nachts tragen ;) Ein alter IWC-Automat mit Pellaton-Aufzug macht mir im übrigen schon Spass genug, einfach aus Freude an der Mechanik und klassischem design ;) Ich habe sie weder als Handy-Ersatz, noch als Ergänzung für die Freizeit, Sport, sie macht einfach Spass, schmückt mich und zeigt die Zeit an (und das alles erledigt sie bei weitem besser als ein Computer am Handgelenk). Klar, wer auch schon heute Multifunktionsuhren (Casio, Polar etc) trägt und einen Grund dafür hat (z.B. Sport), wird seinen Nutzen aus der Smartwatch ziehen und umsteigen, bzw, ich bin mir sicher dass auch die traditionellen Hersteller solcher Uhren beispielsweise auf Android Wear umsteigen werden... aber... es gibt ehrlich gesagt wenig Anzeichen dafür, dass dieses Produkt bombenmässig einschlagen wird. Vielmehr wird es den Markt ergänzen.

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swissmac
26.03.2014
Tja, ist doch wie beim Auto ... ... es wird auch hier immer Oldtimer-Fans geben, aber trotz grosser Freude an der Technik und antikem Design - besser brachten die uns nicht ans Ziel ...

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Kovu
26.03.2014
...und die Smartwatch zeigt die Zeit genau so nicht besser an als eine klassische Uhr. Im übrigen - es ist fraglich, ob uns ein modernes Auto besser ans Ziel bringt als ein Oldtimer. Früher ist man ins Auto eingestiegen, hat den Motor angelassen und ist losgefahren, den Weg hatte man im Kopf. Heute steigt man ein, hofft dass der Bordcomputer die Codierung des elektronischen Schlüssels erkennt und den Motor startet, 'programmiert' das Navi (was bei manchem Bordcomputer alles andere als bedienerfreundlich gestaltet ist), fährt ab und wird bei veraltetem Kartenmaterial fehlgeleitet. Kürzlich hatte ich bei meinem Auto das System und Navi upzudaten... dauerte 5 Stunden bei laufendem Motor (und laut meinem Garagisten ist die Überbrückung der Batterie dabei aus was für Gründen auch immer nicht möglich)... frei nach dem Motto "Programmierst du noch oder fährst du schon?". Ich sehne mich seither ehrlich gesagt nach einem Auto, dass über keinen Bordcomputer verfügt und von Hand geschaltet und gekuppelt wird, ein Gramin Nüvi kann ich dann ja immernoch montieren, wenn ich will ;) (Hmm... so ein Caterham-7-Bausatz wäre ein tolles Projekt, ein Auto heute noch so aktuell wie vor einem halben Jahrhundert)