Samsung oder LG: Gibt es sonst nichts Neues?

Korea dominiert den Mobile World Congress. Wer nicht Samsung oder LG heisst, geht unter. Gibt es auf dem Smartphone-Markt wirklich nichts anderes, das neu ist?

von Luca Diggelmann 24.02.2016 (Letztes Update: 25.02.2016)

Doch, gibt es! Auch wenn vieles in der Masse an Informationen rund um das Galaxy S7 und das G5 versinkt, bieten auch andere Hersteller neue Geräte an, darunter auch einige äusserst interessante Modelle. Wir haben uns einige davon angeschaut.

Sony (Xperia X)

Eigentlich ist es erstaunlich, dass Sony seine neuen Xperia-Geräte nicht im grösseren Stil präsentiert hat. Schliesslich stehen das Xperia X, X Performance und XA den neuen Flaggschiffen von Samsung und LG kaum in etwas nach. Zugegeben: Es fehlt den Xperias an der grossen Neuheit wie der Dual-Pixel-Kamera oder dem modularen System, um das Publikum zu beeindrucken. Allerdings könnte sich Sonys Strategie, bereits kurz nach dem Z5 ein weiteres Quasi-Flaggschiff herauszubringen, für richtig erweisen. Floppt LG mit seinen Modulen oder zeigen die neuen Galaxys Kinderkrankheiten mit der neuen Technologie, steht Sony mit einem bewährten Konzept und gleichwertig hochstehendem Design in den Startlöchern, um abzuräumen.

Auch ohne grosse Präsentation schön: das Sony Xperia X Auch ohne grosse Präsentation schön: das Sony Xperia X Zoom© ldig / PCtipp

Von den drei Modellen ist das X Performance das stärkste. Das Xperia XA stellt eine Art Mittelklasse auf Steroiden dar und das X liegt irgendwo dazwischen. Äusserlich sieht man den drei Geräten nur wenige Unterschiede an. Dem XA fehlt der Fingerabdrucksensor und die Farbauswahl ist etwas anders. Ansonsten sieht man dem günstigeren Modell den kleineren Preis nicht an. Im Inneren stellt der Prozessor den grössten Unterschied dar. Das X Performance kommt wie Galaxy S7 und G5 mit einem Qualcomm Snapdragon 820. Das Xperia X bekommt den etwas langsameren Snapdragon 650 verbaut. Das XA verwendet den Mediatek MT6755.

In vielen Punkten ist das Xperia X näher am X Performance als am XA. Beispielsweise bekommen X und X Performance 3 GB RAM, das XA nur 2 GB. Auch bei der Kamera wird in den zwei teureren Modellen eine neue 23-Mpx-Kamera mit einem neu entwickelten Autofokus verbaut, während sich das XA mit einer herkömmlichen 13-Mpx-Kamera begnügen muss. Der Autofokus des X und X Performance ist besonders interessant: Die Kameras-Software soll Objekte verfolgen und den gewünschten Fokuspunkt korrekt voraussehen, bevor das Foto geschossen wird. Damit soll der Fokussierungsvorgang generell beschleunigt werden.

Die günstigere Variante: Xperia XA Die günstigere Variante: Xperia XA Zoom© ldig / PCtipp

Die neuen Xperia-X-Modelle haben es auf jeden Fall in sich. Nicht zuletzt wegen ihres hochwertigen Designs, das einer Flaggschiff-Serie absolut würdig ist. Sony hat sich neben der eigenen Xperia-Z-Serie auch ein wenig von Apple inspirieren lassen und verwendet die gleiche Glasbeschichtung auf der Vorderseite, wie sie das iPhone seit einiger Zeit verwendet. Besonders bei der goldfarbenen Version des Xperia X sieht das äusserst edel aus.

Update: Sony hat die Releasetermine und Preise für die neuen Xperia-Geräte bekanntgegeben.

Das Xperia X Performance erscheint im Juli und wird rund 750 Franken kosten. Die beiden anderen Geräte erscheinen bereits im Juni und kosten rund Fr. 650.- (Xperia X) respektive Fr. 320.- (Xperia XA)

Auf der nächsten Seite: Ubuntu auf dem Smartphone

Meizu (Pro 5 Ubuntu)

Meizu gehört nicht zu den bekanntesten Markennamen in Westeuropa. Und eigentlich ist das Meizu Pro 5 auch nicht mehr ganz neu. Genau genommen wurde das Smartphone bereits 2015 vorgestellt. Damals allerdings in einer Android-Version. Das neue Meizu Pro 5 kommt nicht mehr mit Android, sondern mit dem Linux-OS Ubuntu. In Sachen Hardware ist das Pro 5 im Prinzip fast ein Galaxy S6 minus ein paar der ausgefallenen Funktionen, dafür mit USB-Typ-C-Anschluss.

Die mobile Variante von Ubuntu unterschiedet sich besonders in ihrem Umgang mit Apps von Android. Statt einzelne Apps zu verwenden, werden diverse Applikationen zu einzelnen «Scopes» zusammengefasst. Beispielsweise zeigt ein Scope alle nützlichen Informationen zum Hier und Jetzt an: Auf dem Bildschirm sehen Sie dann eine Sammlung an Daten wie aktuelle Termine, Wetter, Uhrzeit oder Ähnliches. Ein weiteres Scope bündelt hingegen Musikfunktionen zu einem Screen. Zwischen den Scopes wischt man einfach hin und her, wie das bei den Home Screens von Android und iOS üblich ist.

Tasten zur Navigation braucht Ubuntu nicht. Alles geschieht per Wischbewegung. Ein kurzer Wisch vom linken Rand her öffnet das Menü, das praktisch gleich aussieht wie bei der Desktop-Version von Ubuntu. Wischt man hingegen weiter nach innen, bringt einen Ubuntu zurück auf den Home Screen. Ähnlich sieht es von der rechten Seite aus: Die kurze Wischbewegung bewegt zwischen Scopes, eine längere Bewegung öffnet den Task-Manager. Das ganze Wischsystem ist äusserst Intuitiv und wäre mir persönlich auch unter anderen Betriebssystemen willkommen.

Noch wichtiger als die ausgezeichnete Bedienung ist aber die Sicherheit. Ubuntu lässt seine Applikationen komplett in einer Sandbox laufen. Das heisst, die Apps sind vom restlichen Betriebssystem abgeschottet. Malware und andere Angriffsmethoden haben so praktisch keine Chance.

Zudem wird die Privatsphäre stärker geschützt als bei anderen Betriebssystemen. Android, iOS und Windows geben Applikationen jeweils direkten Zugang auf Nutzerdaten, beispielsweise kann eine App mit Zugriff auf die Kontakte direkt in das Adressbuch des Nutzers eingreifen. Malware kann so beispielsweise leicht Originaldaten zerstören oder verschlüsseln. Ubuntu lässt dies nicht zu, sondern gibt den Apps die gewünschten Daten nur über eine Art Datenbank. Ein analoges Beispiel dazu: Statt dem App-Entwickler Ihr Original-Adressbuch in die Hand zu drücken, gibt Ubuntu eine separate Liste mit den nötigen Informationen raus. Erweist sich der Entwickler als Dieb, ist die Liste zwar weg, aber das Adressbuch unversehrt.

Ubuntu für Mobile wird es trotz grossartigem Bedienkonzept nicht leicht haben Ubuntu für Mobile wird es trotz grossartigem Bedienkonzept nicht leicht haben Zoom© ldig / PCtipp

Die grösste Hürde für Ubuntu wird der komplett andere Umgang mit Apps. Auch wenn die App-Stores von Apple, Google und Microsoft grösstenteils einer Abfallhalde gleichen, sind es doch die wenigen Goldnuggets, die immer wieder auftauchen und die Betriebssysteme relevant halten. Dienste wie Periscope oder Snapchat wären ohne das aktuelle App-System nie entstanden. Die Scopes von Ubuntu sind zwar äusserst praktisch, könnten aber komplexere Applikationen einschränken. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Entwicklergemeinde von Ubuntu gegenüber Android und iOS stark in Grenzen hält.

Spannend ist das Betriebssystem jedoch allemal. Wer sowieso schon nicht viel mit zusätzlichen Apps anfangen kann und lieber etwas mehr Sicherheit hat, findet das mit Ubuntu allemal. Probieren Sie allerdings das Interface erst einmal aus, da es doch sehr anders ist und prüfen Sie, ob Sie Ihre wichtigsten Apps adäquat ersetzen können. Bei der Hardware können Sie mit dem Meizu Pro 5 nicht viel falsch machen.

Zurzeit ist das Meizu Pro 5 Ubuntu nicht offiziell in der Schweiz erhältlich, kann aber beispielsweise aus Frankreich importiert werden. Preislich liegt das Gerät, je nach Variante, zwischen 500 und 600 Franken.

Auf der nächsten Seite: Schon wieder Neues von Wiko

Wiko (U Feel)

Wiko kann es nicht lassen: Auch 2016 präsentieren die Franzosen Smartphone um Smartphone. Das Wiko U Feel ist der neuste Wurf des Herstellers. Für ein Smartphone, das rund 260 Franken kosten soll, hat das U Feel keine schlechten Spezifikationen. Besonders ins Auge stechen der Fingerabdrucksensor im Samsung-Stil und die grosszügigen 3 GB RAM. Etwas schwächer ist dafür der Taktgeber: ein Vierkernprozessor mit 1,3 GHz.

Wiko U Feel Wiko U Feel Zoom© ldig / PCtipp

Ebenfalls speziell: Die Rückseite des U Feel ist Steinen nachempfunden. Das Smartphone liegt entsprechend griffig in der Hand und fühlt sich erstaunlich angenehm an. Auf der Front kommt das aktuell beliebte 2,5-D-Glas zum Einsatz. Bei den restlichen Daten hält sich Wiko in etwa an die gängigen Standards. Mit 5 Zoll ist das Display handlich und liegt auch in kleineren Händen noch bequem. Die Auflösung von 1920 x 1080 reicht für 5 Zoll locker aus. Etwas knapp bemessen sind die 16 GB interner Speicher, der sich allerdings erweitern lässt.

Im Gegensatz zu vielen Billigherstellern setzt Wiko beim U Feel bereits auf Android 6.0. Das Wiko-eigene Interface hält sich grob an das Google-Original, verwendet aber eigene Icons und Stylings. Insgesamt ist das U Feel ein typisches Wiko-Phone, also solide Mittelklasse.

Auch das U Feel Lite kommt mit Fingerabdrucksensor Auch das U Feel Lite kommt mit Fingerabdrucksensor Zoom© ldig / PCtipp

Als noch günstigere Variante gibt es das Wiko U Feel Lite. Zu grossen Teilen sind sich die beiden Modelle identisch. Die Lite-Version verfügt jedoch über nur 2 GB RAM und eine schwächere Hauptkamera. Diese löst mit 8 statt 13 Mpx auf. Die schicke Steinoberfläche fehlt dem U Feel Lite leider auch. Dafür bekommt man für rund 220 Franken ein Smartphone mit Fingerabdrucksensor. Keine schlechte Leistung. Wer die schwache Kamera und die eher billig wirkende Schale verkraften kann, fährt hiermit wahrscheinlich nicht schlecht.

Auf der nächsten Seite: ZTE packt die Klinge aus

ZTE (Blade V7)

Ein vergleichbares Gerät gibt es von ZTE. Der chinesische Hersteller setzt mit dem Blade V7 und dem Blade V7 Lite (ja, gleich wie Wiko) auf Alu-Bodies und Glasfront. Der Einfluss von Apple auf das Design von Smartphones ist immer noch gross. Während sich das Blade V7 äusserlich stark von der Konkurrenz wie Wiko oder Acer abhebt, sind die Innereien grösstenteils vergleichbar. Eine 13-Mpx-Hauptkamera und eine 5-Mpx-Frontkamera, dazu eine Achtkern-CPU von Mediatek und 2 GB RAM gibt es für die Standardversion. Auch beim internen Speicher gibt es etwa Business as usual: 16 GB, dafür aber erweiterbar.

ZTEs Blade V7, hier in der Lite-Version ZTEs Blade V7, hier in der Lite-Version Zoom© ldig / PCtipp

Wie auch Wiko gibt es bei ZTE Android 6 (Marshmallow) und LTE. Allerdings fehlt bei der teureren Variante der Fingerabdrucksensor. Diesen gibt es nur beim ZTE Blade V7 Lite. Bei der Lite-Version geht ZTE jedoch etwas gar stark an die Leistung. 1 GB RAM ist doch etwas knapp und besonders die 8 GB interner Speicher dürften beim aktuellen Datenhunger moderner Apps schnell voll sein. Da trösten auch der Fingerabdrucksensor und das hübsche Design nicht darüber hinweg.

Preise und Verfügbarkeit für die Schweiz sind leider noch nicht bekannt. In Deutschland wird das Gerät in den kommenden Monaten erscheinen und von dort möglicherweise den Sprung in die Schweiz schaffen. Viel mehr als 200 Franken sollte das reguläre Blade V7 nicht kosten. Das V7 Lite dürfte sogar leicht darunter liegen.

Auf der nächsten Seite: Acer geht in die Cloud

Acer (Liquid Jade 2)

Ein interessantes Modell präsentiert auch Acer am Mobile World Congress 2016. Das Acer Liquid Jade 2 ist für ein Acer-Phone erstaunlich leistungsfähig und bietet eine stärkere Cloud-Integration. Dabei hat Acer Cloud-Speicher direkt in die Benutzeroberfläche eingebaut und bietet so, neben 32 GB internen Speicher, 1 ganzes Terabyte an Cloud-Speicher an. Laut Acer soll der Speicher nahtlos im System integriert sein, was wir mit den vorhandenen Ausstellungsmodellen jedoch nicht ausreichend testen konnten. Der Cloud-Speicher ist sicher nicht jedermanns Sache und kann gerade in ländlichen Regionen mühsam werden. Wer damit kein Problem hat, kann mit dem Liquid Jade 2 jedoch auf einiges an zusätzlicher Kapazität zurückgreifen.

Das Acer Liquid Jade will Cloud-Speicher stärker integrieren Das Acer Liquid Jade will Cloud-Speicher stärker integrieren Zoom© ldig / PCtipp

Leistungsmässig liegt das Liquid J2 in der oberen Mittelklasse und damit über dem, was man bisher von Acer gewohnt war. Taktgeber ist ein Qualcomm Snapdragon 808, der beispielsweise auch im Nexus 5X verbaut ist. Dazu kommen 3 GB RAM und ein ansprechendes 5,5-Zoll-Display mit einer Auflösung von 1920 x 1080. Aktuelle Schnittstellen wie LTE sind ebenfalls vorhanden.

Leider wird die starke Leistung des Liquid Jade 2 vom eher mittelmässigen Äusseren im Stich gelassen. Die Plastikschale des Acer-Phones wirkt etwas gar dünn und billig. Auch bei den seitlich angebrachten Tasten erinnert das Jade 2 leider mehr an die Billiglinie von Acer als an ein hochwertiges Smartphone. Schade, denn rein innerlich betrachtet kann das Jade 2 gut mit der Konkurrenz mithalten.

Überzeugt der Acer-Cloud-Speicher auch im Praxistest, fehlt dem Acer Liquid Jade 2 nur noch etwas zum Erfolg: ein guter Preis. Hier bietet sich Acer die Chance, das billige Äussere mit einem entsprechenden Preis zu kompensieren. Kostet das Jade 2 deutlich weniger als beispielsweise ein Xperia XA oder ein Nexus 5X, hat Acer gute Argumente auf seiner Seite.

Fazit

Es gibt durchaus auch andere interessante Smartphones. Während es Ubuntu trotz grossartigem Interface schwer haben wird, sind gerade Geräte wie die neuen Sony Xperias und das Acer Jade 2 mit Cloud-Speicher interessant. Geräte wie das Nexus 5X haben längst bewiesen, dass es auch in günstigeren Preissegmenten ausgezeichnete Geräte gibt. Das dürfte auch 2016 so weitergehen.

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