Studis stellen neuen Lieferroboter an der ETH vor

Studierende der ETH Zürich und der ZHdK haben gemeinsam einen autonomen Lieferroboter entwickelt. Adero soll künftig im Shoppingcenter selbstständig Bestellungen ausliefern.

von Luca Perler 29.05.2019

Autonome Lieferroboter brachte die Post hierzulande zu Testzwecken bereits auf die Strasse respektive Trottoirs. Auch in Seattle wurden sie vom Tech-Giganten Amazon schon eingesetzt. Beide Unternehmen setzten dabei auf die sechsrädrigen Roboter des estnischen Marktpioniers Starship Technologies.

Adero ist ein gemeinsames Projekt von Studentinnen und Studenten der ETH Zürich und der ZHdK Adero ist ein gemeinsames Projekt von Studentinnen und Studenten der ETH Zürich und der ZHdK Zoom© Adero

Studentinnen und Studenten der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste haben eine Schweizer Alternative dazu entwickelt. Im Gegensatz zu seinen Artgenossen soll der selbstständige Lieferroboter namens Adero jedoch nicht auf Trottoirs unterwegs sein. Konzipiert ist er als Helfer beim Einkaufen im Shoppingcenter. Dort soll er Kundinnen und Kunden das Schleppen schwerer Taschen abnehmen. Und zwar bringt Adero Bestellungen aus dem Lager selbstständig zu einem Pick-up-Point. Dazu wird er zunächst von Mitarbeitenden beladen, am Pick-up-Point kann seine Ladeklappe danach  mittels QR-Code geöffnet werden.

Konzipiert und gebaut in neun Monaten

An der ETH Zürich stellten Franziska Eckert und Andreas Voigt, Mitglieder des Projektteams, Adero nun offiziell vor. Wie sie in ihrer Präsentation erklärten, entwickelten die Studierenden den Roboter in den letzten neun Monaten von Grund auf. «Wir haben uns dazu entschieden, einen zweirädrigen Roboter zu entwickeln, der sich selbst ausbalancieren muss», sagte Voigt. Diese Konstruktion biete eine hohe Agilität sowie eine lebendige Bewegungsweise. Das Skelett des Lieferroboters besteht laut Voigt aus Karbonröhren, die mit 3D-Druck-Teilen zusammengefügt werden. «Somit ist er sehr leicht und trotzdem stabil.» Auch die Karosserie kommt aus dem 3D-Drucker. Damit sich Adero zurechtfindet, wurde er mit verschiedenen Kamerasystemen ausgestattet. Weitere Sensoren sollen zusätzliche Sicherheit bieten. Insgesamt bietet der Roboter ein Ladevolumen von 75 Litern, die Belastungsgrenze liegt bei 10 Kilogramm.

Wie Franziska Eckert erklärte, wurden die Studierenden bei der Entwicklung von Adero vor diverse Herausforderungen gestellt. Ein Knackpunkt bei der Stabilisierung des zweirädrigen Roboters sei etwa das Ein- und Ausladen gewesen, da sich dabei jeweils der Schwerpunkt verändert. Wie die Studentin weiter erzählte, musste auch die Wahl und Platzierung der Sensoren gut überlegt sein. «Wir mussten darauf achten, dass Adero sämtliche Hindernisse sehen kann – auch Glas oder Absätze.» Die grösste Herausforderung sei letztlich die Integration sämtlicher Komponenten gewesen.

Adero ist eines von insgesamt sieben Fokus-Projekten. Diese entstehen im fünften und sechsten Semester des Bachelorstudiums, die Teams können dabei ihr erlerntes Wissen vertiefen und praktisch anwenden. Alle Projekte wurden am «Fokus-Roll-out» an der ETH Zürich der Öffentlichkeit vorgestellt.

Am Flughafen Zürich wurde Adero bereits getestet – sobald «The Circle» fertig gebaut ist, will Jelmoli den Lieferroboter dort einsetzen Am Flughafen Zürich wurde Adero bereits getestet – sobald «The Circle» fertig gebaut ist, will Jelmoli den Lieferroboter dort einsetzen Zoom© Adero

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Das Team will mit der Entwicklung von Adero laut eigenen Angaben auch aufzeigen, was möglich ist, wenn Leute aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten. So waren am Projekt Produktgestalter, Interaction Designer, Maschinenbauer und Elektrotechnikingenieure beteiligt. Ihren Angaben zufolge waren ETH-Studentinnen und -Studenten aus den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau für den zweirädrigen Aufbau und das elektronische Konzept zuständig. Letzteres umfasse auch den Code, dank dem Adero Hindernisse umfahren und sich orientieren kann. Zum Einsatz kommt hierbei ein kamerabasiertes System des ETH-Spin-offs Sevensense. Für das Äussere des Lieferroboters waren vier Studenten der ZHdK zuständig. Angehende Industriedesigner gaben Adero den sympathischen Look, ihre Kollegen aus der Vertiefung Interaction Design erarbeiteten das Licht- und Tonkonzept.

Jelmoli will Adero am Flughafen Zürich einsetzen

Als Wirtschaftspartner initiierte Jelmoli das Projekt mit dem autonomen Lieferroboter und unterstützte dieses auch finanziell. So ist auch bereits der erste Live-Test geplant. Mit der Filialexpansion im «Circle» am Flughafen Zürich will das Modegeschäft Kundinnen und Kunden angeblich ein neuartiges Shopping-Erlebnis anbieten. Wenn das Megaprojekt nächstes Jahr abgeschlossen und das Geschäft eröffnet ist, soll mit Adero dort ein autonomer Lieferservice zur Verfügung stehen.
Ob und in welcher Form das Projekt danach weitergeführt wird, darauf wollte sich Mirco Grob vom Adero-Team im Gespräch mit Computerworld noch nicht definitiv festlegen. Zuerst soll sich der Lieferroboter im Praxistest am Flughafen Zürich beweisen. Zu finden ist das Projektteam bei Instagram jedoch bereits unter «Adero Robotics». Den Namen sollte man sich – sofern das Projekt irgendwann in Form eines Start-ups weitergeführt wird – sicherlich vormerken.

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