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Test: Kindle Voyage

Amazons neuster E-Reader überzeugt. Doch wie behauptet er sich gegen Mini-Tablets?

von Klaus Zellweger 28.01.2015

Darstellung

Der Kindle Voyage kommt mit einem 6 Zoll grossen E-Ink-Display, das den Text mit 300 dpi auflöst. Beim E-Ink-Verfahren benötigt das Gerät kaum Strom für die Darstellung. Nur wenn der Inhalt beim Blättern ändert, wird mehr Energie benötigt. Dadurch hält der Kindle als E-Book-Reader mehrere Wochen durch, solange die Frontlicht-Beleuchtung nicht zu oft zum Einsatz kommt.

Eben diese Frontlicht-Beleuchtung trumpft mit Raffinesse, doch nichts anderes wird von einem E-Reader erwartet. Die Helligkeit lässt sich manuell regulieren oder wird über den lichtempfindlichen Sensor automatisch an das Umgebungslicht angepasst. Das geht sogar so weit, dass die optionale Funktion «Nachtlicht» die Helligkeit sanft, aber kontinuierlich reduziert, während sich die Augen in den ersten Minuten an das schwache Umgebungslicht gewöhnen.

Im Vergleich wirkt sogar ein mittleres Taschenbuch wie ein Klotz Im Vergleich wirkt sogar ein mittleres Taschenbuch wie ein Klotz Zoom© Amazon

Das E-Ink-Display stellt 16 Graustufen dar. Allerdings verdient das Schwarz diese Bezeichnung nicht; stattdessen läuft die Anzeige auf ein sehr dunkles Grau hinaus. Das tut der Qualität der Darstellung jedoch keinen Abbruch. Zusammen mit der hervorragenden, gleichmässigen Hintergrundbeleuchtung entsteht ein sehr angenehmes Schriftbild, das einem gedruckten Buch überlegen ist – auch deshalb, weil sich die Schriftart und -grösse an die eigenen Vorlieben anpassen lässt. Zum entspannten Lesen trägt aber auch die ausgezeichnete Entspiegelung bei, sodass sich die Darstellung im hellen Sonnenlicht sogar noch verbessert.

Doch die  aktuellen E-Ink-Displays haben nicht nur Vorteile. Sie reagieren viel träger als LCDs. Und so wird jeder Wechsel des Inhalts von einer kurzen Verzögerung und einem Flackern begleitet wird. Das nervt bei Bildern, doch beim textlastigen Seitenwechsel wirkt das Flackern nur noch wie ein billiger PowerPoint-Effekt aus den 90ern. Damit lässt sich gut leben.

Berührungen

Das Touch-Display reagiert auf Berührungen erfreulich präzise. Allerdings reicht die Reaktionsfreude nicht annähernd an ein modernes Tablet heran. Jede Aktion wird erst nach einer spürbaren Verzögerung ausgelöst. Trotzdem: Im direkten Vergleich mit dem Steuerkreuz der günstigeren Kindle-Modelle erweist sich das Touch-Display als Segen.

Das Touch-Display wird sowohl für die Menüführung, als auch für den Seitenwechsel verwendet. So blättert ein Tippen an den seitlichen Rändern vor und zurück, wobei alternativ auch der berührungsempfindliche Rahmen angetippt werden kann. Ein Tippen im obersten Bereich des Displays blendet wiederum das Menü ein. Und so weiter. Die Gesten gehen bereits nach kurzer Zeit in Fleisch und Blut über.

Spezialitäten

Ausserdem gilt es natürlich, aus dem Medium «Buch» die maximale Funktionalität herauszupressen. Unbekannte Begriffe werden mit einem Tippen durch den hinterlegten Duden erklärt – und wenn das nicht reicht, wird die passende Seite auf Wikipedia eingeblendet. Diese nachgefragten Begriffe werden automatisch an den Vokalbeltrainer übergeben und lassen sich dort üben, indem das bestens bewährte Karteikärtchen-System simuliert wird.

Kaufen und Synchronisieren

Und dann sind da all jene Funktionen, die den Kindle als E-Reader gross gemacht haben: Das bequeme Einkaufen im Kindle-Shop oder die sofortige Auslieferung der Bücher, die am PC gekauft werden. Dazu wird eine Verbindung über WLAN nach dem Standard 802.11n verwendet. Da die meisten Bücher zwischen einigen hundert Kilobytes und etwa drei Megabytes wiegen, geht der Einkauf in wenigen Sekunden über die Bühne.

Zu guter Letzt muss die unschlagbare Synchronisierung zwischen allen verbundenen Plattformen und Geräten erwähnt werden: Die aktuelle Buchposition wird fliessend zwischen dem Kindle, der Kindle-App auf dem Mobilgerät oder dem PC synchron gehalten.

Spezialisierung hält Tablets auf Abstand

An Vorzügen herrscht also kein Mangel. Doch wie schlägt sich der Kindle gegen die günstigen Tablets? Der Kindle wiegt 180 Gramm, ein iPad Mini 2 etwa 331 Gramm. Diesen Unterschied erfährt man nach der stundenlangen Lektüre am eigenen Leib, etwa auf einem Transatlantik-Flug. Ein klarer Punkt für das Amazon-Gerät.

Mini-Tablets sind der grösste Feind des Kindle Voyage Mini-Tablets sind der grösste Feind des Kindle Voyage Zoom© ze / IDG

Den Kindle gibt es für 239 Franken, das iPad Mini 2 für 329 Franken. Für rund 90 Franken mehr gibt es also immerhin die 16-GB-Version eines topmodernen Tablets, das neben der Kindle-App auch noch Spiele, prächtige Farben, Videos, Musik und mehr bietet. Allerdings geht diese Überlegenheit als Unterhaltungsmaschine zu Lasten der Batterie. Und so liest der Kindle-Besitzer auch dann weiter, wenn auf dem iPad längst die Lichter ausgegangen sind.

Durch diese Konkurrenzsituation wird bei den Käufern die Spreu vom Weizen getrennt. Gelegenheitsleser greifen besser zu iPad & Co., Leseratten werden am Kindle Voyage ihre helle Freude haben. Das Display erinnert wesentlich stärker an ein konventionelles Buch und die Akku-Laufzeit kann gar nicht genug gelobt werden. Im Dämmerlicht schrauben zwar auch Tablets die Helligkeit herunter, aber das Lesen mit dem Kindle fühlt sich deutlich besser an – trotz oder gerade wegen des geringeren Kontrasts.

Fazit: Der Kindle Voyage überzeugt als E-Reader auf der ganzen Linie. Allerdings muss man sich wirklich zu den Viellesern zählen. Wer nur sporadisch die Nase in ein virtuelles Buch steckt, ist mit einem Tablet besser bedient.

Das Testgerät wurde uns freundlicherweise von Digitec zur Verfügung gestellt. Hier geht es direkt zur Produktseite.

  • Kindle Voyage

    Positiv:
    Ergonomie, Grösse, Batterielaufzeit, Synchronisierung
    Negativ:
    Flackern beim Umblättern, langsame Reaktion bei Touch-Eingaben
    Details:
    6-Zoll-Display mit 300 dpi, 4 GB Speicher, intelligente Display-Beleuchtung, WLAN nach 802.11n, 180 Gramm
    Strassenpreis:
    239 Franken
    Info:
    www.digitec.ch
    PCtipp-Bewertung:
    4 Sterne

    Leserwertung

    76%
    16%
    8%

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    Kommentare

    • mariol 28.01.2015, 17.11 Uhr

      Es kostet genau doppel wie ein Kindle Paperwhite und bringt absolut nichts neues. Finger weg!

    • Xpert 29.01.2015, 01.22 Uhr

      Nur eine winzige Korrektur zu "Eben diese Hintergrund-Beleuchtung trumpft mit Raffinesse" E Ink Reader haben kein Backlight, weil diese nicht wie ein LCD funktionieren. In diesem Fall ist ein Frontlight installiert.

    • Klaus Zellweger 29.01.2015, 10.11 Uhr

      Nur eine winzige Korrektur zu E Ink Reader haben kein Backlight, weil diese nicht wie ein LCD funktionieren. In diesem Fall ist ein Frontlight installiert. Yep, ist korrigiert. Besten Dank für den Hinweis! :)

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