Schleichender Routerzwang bei Swisscom

Swisscom setzt bei der Voip-Telefonie offensichtlich auf die eigenen Router. Dies berichten Nutzer. Der Fernmelderiese führt Sicherheitsgründe ins Feld.

von Jens Stark 27.02.2015

Wer den Internet-Telefonie-Dienst «All IP» von Swisscom in Anspruch nehmen will, muss unweigerlich die Router des Schweizer Telekomriesen verwenden. Denn für die Konfiguration alternativer Geräte gebe Swisscom offenbar die Zugangsdaten, die sogenannten SIP Credentials (Session Initiation Protocol) nicht heraus, wurde PCtipp mitgeteilt. Dies scheint kein Einzelfall zu sein: So berichtet ein «Fabian» in einem Kommentar zu einem Artikel zum Routerzwang auf der Webseite von Rechtsanwalt Martin Steiger, steigerlegal.ch, er könne seinen bestehenden Router des Typs Fritzbox nicht mehr für den Dienst «All IP» verwenden. «Nur weil Swisscom die SIP nicht rausrückt, kann ich die Fritzbox und dessen Telefon nicht mehr weiter nutzen und werde gezwungen die Swisscom-Router zu verwenden», schreibt der erboste Anwender.

Für Swisscom All IP sollten Anwender einen Router des Fernmelderiesen verwenden Für Swisscom All IP sollten Anwender einen Router des Fernmelderiesen verwenden Zoom© pd

Martin Steiger nimmt denn im Namen der Digitalen Gesellschaft Schweiz auch gegenüber PCtipp klar Stellung: «Wir lehnen den faktischen Routerzwang bei Swisscom (und teilweise auch anderen Schweizer Internet Access Providern) ab». Der Routerzwang sei konsumentenfeindlich und nicht zeitgemäss, ist er überzeugt. «Konsumentinnen und Konsumenten sollten frei wählen können, welche 'digitale Haustür' sie verwenden», meint Steiger weiter. Bei VoIP sollten die Konsumenten selbst entscheiden können, wo und mit welchen Geräten sie telefonieren möchten.

Auslesen aus dem Centro-Grande-Router der Swisscom

Anscheinend gibt es eine Möglichkeit, die SIP-Informationen aus dem Centro-Grande-Router der Swisscom auszulesen. Wie das geht, ist hier beschrieben.

Doch damit nicht genug. Steiger sieht auch Sicherheitsprobleme. «Routerzwang bedeutet ausserdem auch, dass Swisscom jederzeit auf die Router daheim bei den Konsumenten zugreifen kann, weil sie die Zugangsdaten kennt», gibt er zu bedenken. Einen solchen Zugang könnten nämlich Kriminelle, aber auch Geheimdienste wie die amerikanische NSA zur Überwachung sowie für Cyber-Attacken nutzen, warnt der IT-Rechtsexperte folglich.

Nächste Seite: Swisscom nennt Sicherheitsgründe

Seite 1 von 2
       
       

    Kommentare

    • Maxtech 27.02.2015, 14.02 Uhr

      «Swisscom steht für einen erstklassigen Sprachdienst; nicht korrekt eingestellte und qualitativ minderwertige Geräte können zu Qualitätsverlusten führen» Erinnert an das frühere PTT Monopol. Es durften nur die von der PTT gemietenen Gerät ans öffnetlich Netz angeschlossen werden. Später auch Geräte mit PTT oder Bakom Prüfkleber. Sogenannte Exportgeräte funktionierten besser und waren erst noch ein schönes Stück günstiger. Die Geschichte wiederholt sich.

    • Ki2007 27.02.2015, 17.04 Uhr

      Da gibt es meiner Meinung nach nur eine mögliche Reaktion von Seiten der Kunden: Diesen Provider muss man boykottieren.

    • ipool 27.02.2015, 17.10 Uhr

      Ausgerechnet das Schlechteste von deren Produkt, wird noch obligatorisch. Korrigiert mich wenn ich falsch liege. Bis jetzt hat der Router kein Gigabit Ethernet, keine direkte DEC Verbindung, keine vernünftige Einstellmöglichkeit direkt am Router, so dass Swisscom immer Zugriff hat, all das ist bei der Mitgelieferten Fritzbox von Sunrise möglich. Die Sicherheit ist nur vorgeschoben, um die Kunden wie Kleinkinder zu behandeln dürfen. Dass es aber Leute gibt, die die heutige Technologie nutzen und[...]

    weitere Kommentare

    Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.