Kommentar 04.08.2006, 16:15 Uhr

Das Freitagsbit: Katatonie

Die WWKolumne
Maria liebt Kataloge. Sie liebt sie so sehr, dass sie immer wieder Bestellungen tätigt. Natürlich eröffnet sie jedesmal ein neues Konto, um von den Prämien für Freundschaftswerbung zu profitieren. Und ihr Freundeskreis ist so gross wie mein Telefonbuch dick ist.
Da steh ich auch mit drin. Nicht im Telefonbuch, aber in ihrem Freundeskreis. Das verschafft mir regelmässig Einblicke in unbekannte Welten. Etwa in Mode für mollige Damen. Oder heisse Unterwäsche für Traumfrauen. Ich lerne dank Maria, dass Tübchen und Sälbchen zwar nicht das Leben verlängern, einen aber trotzdem verjüngen.
Die Kataloge behalte ich, die Produkte schick ich zurück. Das ist weniger anstrengend als mit Maria zu verhandeln. Genauso gut könnte ich einen Mac-Freak bekehren. Also lass ichs.
Zwar behaupten die Firmen, es sei nicht möglich, auf einen fremden Namen ein Konto zu eröffnen. Ich weiss es besser. Ich müsste den ganzen Block mieten für all die Leute, die angeblich an meiner Adresse zu finden sind. Die IT-Systeme der Firmen sind zu dumm, um zu merken, dass es sich um unterschiedliche Schreibweisen meines Namens handelt. Tippfehler oder Hörfehler - Maria nuschelt nämlich ziemlich.
Letzhin habe ich wieder mal eine Katalogfirma angerufen und das Konto löschen lassen. "Wird gemacht, kein Problem", sagt das fröhliche Fräulein im Call Center. Das liegt wohl in der Wüste Gobi und die Flaschenpost ist immer noch unterwegs. Denn die Kataloge und netten Briefchen mit netten Angeboten für "besonders treue Kunden" erhalte ich immer noch.
Schlaff die Menschen, starr die IT - und Maria glaubt immer noch an die Zauberkraft der Mittelchen. Aber vielleicht passen Maria und die netten Menschen vom Kundendienst doch ganz gut zusammen.



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