Ricardo-Betrug aufgedeckt

Wir berichteten kürzlich von einem grösseren Betrugsfall auf ricardo.ch. Bestellt wurden Artikel im Wert von bis zu 100'000 Franken. Der Bericht löste grosse Reaktionen unter unsern Lesern aus. Wir suchen Antworten.

von Simon Gröflin 12.08.2013
Wird bei ricardo.ch zu lange gewartet, wenn Missbräuche passieren? Wird bei ricardo.ch zu lange gewartet, wenn Missbräuche passieren? Zoom Wir berichteten kürzlich von einem grösseren Betrugsfall auf ricardo.ch. Ein Leser schickte uns einen aufwendig protokollierten Bericht, wonach der vermeintliche Verkäufer bis zu 100'000 Franken eingesackt haben könnte. Die Bewertungen über den Verkäufer seien nun mal so gut gewesen, dass kein Zweifel aufkommen konnte und viele bereitwillig zahlende Käufer in die Falle getappt sind. Unser Berichterstatter hat beim ersten Aufkommen des Verdachts nicht nur die Polizei, sondern auch die Internetplattform informiert.

Was unserem Leser besonders sauer aufgestossen ist, war die Tatsache, dass der Anbieter nach eigenen Aussagen erst ca. 30 Tage nach Bekanntwerden der Masche gesperrt und gelöscht wurde. Während dieses Zeitraums konnte der Anbieter hunderte Artikel anbieten und von gutgläubigen Opfern Geld einziehen. Obwohl wir eigentlich zunächst nur einen Beitrag über allgemeine Maschen auf Auktionsplattformen verfassen wollten, sorgte unser Bericht zum «ricardo.ch»-Vorfall für eine breite Resonanz. Eines gleich vorweg: Die Titelüberschrift «Nie im Voraus bezahlen» mag, wie ein paar Leser meinen, natürlich für ricardo.ch generell so nicht zutreffen. (Bei der Anlegung des Artikels war zunächst auch die ImmoScout-Plattform ein Thema, wo diese Titel-Aussage eher zutrifft.)

Ist ja nichts Neues...

Einige Leser argumentieren damit, dass es ja «nichts Neues» sei, dass ein zu grosszügiges Vorauszahlen auf solchen Plattformen fahrlässig sei und solche User nicht zu bemitleiden seien. Wie dieses Beispiel zeigte, kann ein solches Szenario nicht nur dem «Ottonormalanwender» widerfahren. (M.K. ist, soweit uns bekannt, sehr gebildet, beruflich sogar Informatiker.) Zudem werden Plattformen wie ricardo.ch und ebay.ch auch geschäftlich genutzt, um – eben – beispielsweise Liquidationsverkäufe vieler Artikel einfacher abzuwickeln. Wie User R.Meier ausführt, ist «Nie im Voraus» sogar für ricardo.ch völlig unrealistisch. Schliesslich ist es gerade allgemein im Onlinegeschäft gang und gäbe, mit Ware gegen Vorauszahlung zu handeln (zumindest für Erstkunden). Seiner Auffassung nach könne man ricardo.ch nicht zumuten, X-Auktionen permanent auf möglichen Betrug oder Fälschung zu überwachen. Jedoch verärgert auch R. Meier aufgrund seiner Erfahrungen, dass das Auktionshaus bei vorgängiger Meldung und Abmahnung aus seiner Sicht «grobfahrlässig» handle und es sogar systematisch «darauf ankommen lasse», da es ricardo.ch «schlussendlich nur darum ginge, die Provisionen einzusacken».

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    Kommentare

    • Morrismoon 12.08.2013, 17.04 Uhr

      Habe vor ein paar selber unliebsame Erfahrung auf Ricardo gemacht, mit einer Anzeige auf der Polizei und viel Glück als einer der wenigen mein Geld zurückbekommen. Die Gesamtdeliktsumme belief sich insgesamt auf 60000.- Sfr, es gab etwa 40 Gläubiger die nie ihr Geld nie wiedersahen. Der 'falsche' Verkäufer hatte auf Ricardo eine gute Benotung, was darauf hinweist wie leicht es offensichtlich ist, dieses System auszuhebeln. Der Täter wurde später gefasst. Ricardo hat keinen Finger krumm gemacht u[...]

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