Stadt Zug: Test mit eigenem E-Voting auf Blockchain-Basis ist geglückt

Im Sommer testete die Stadt Zug bei einer Konsultativabstimmung ihr eigenes E-Voting-System. Nun haben die Entwickler Bilanz zum Probelauf mit der Blockchain-basierten Lösung gezogen und einen Erfolg vermeldet.

von Luca Perler 03.12.2018

Vom 25. Juni bis am 1. Juli konnten Inhaberinnen und Inhaber einer Blockchain-basierten E-ID der Stadt Zug an einer ersten Konsultativabstimmung teilnehmen. Beim Testlauf ging es darum, die E-Voting-Lösung auf Blockchain-Basis unter realistischen Bedingungen zu testen. Nun werteten die Beteiligten, also die Stadt Zug, die Blockchain-Firma Luxoft sowie das Blockchain Lab der Hochschule Luzern (HSLU), den Test aus – just zu dem Zeitpunkt, zu dem der Kanton Genf die Weiterentwicklung der eigenen Lösung einstellt (PCtipp berichtete).

Der erste Probelauf wird in der Auswertung als «Erfolg» bezeichnet. Seitens der Kooperationspartner heisst es: «Sämtliche technischen Erwartungen wurden erfüllt und die Teilnehmenden empfanden den Abstimmungsprozess einfach und verständlich». Es hätten zudem wertvolle Erkenntnisse gesammelt werden können, die zu weiteren Verbesserungen führen sollen. 72 Personen machten insgesamt von der Möglichkeit Gebrauch, am Test mit dem Blockchain-basierten E-Voting-System teilzunehmen.

Dezentralisiert statt zentralisiert

Hauptmerkmal der dezentralen Zuger Lösung ist laut Angaben im Bericht, dass sie auf unabhängigen Instanzen beruht, wobei keine davon die volle Kontrolle über das System hat. Der gesamte Ablauf, inklusive Rechenleistung und Datensicherung, werde dabei auf verschiedene Knoten («Nodes») verteilt. Traditionelle Abstimmungsverfahren mit dem Stimmzettel sowie die meisten E-Voting-Mechanismen seien hingegen als zentralisiert einzustufen, da die Entscheidungen schlussendlich nach wie vor in zentralisierter Form getroffen würden.

Die dezentralisierte Lösung verfügt gemäss dem Bericht trotz anderem Ansatz über die Vorteile eines Online-Abstimmungsverfahrens, da es für Wählerinnen und Wähler bei der Stimmabgabe keine geographischen Einschränkungen gibt. 

Sicherheit als Unique Selling Point

Den Hauptvorteil der Lösung sehen die Stadt Zug, Luxoft und die HSLU in der Sicherheit. Diese wurde etwa beim System des Kantons Genf vom Chaos Computer Club erst kürzlich scharf kritisiert. Bei der Zuger Lösung soll die Echtheit der Daten während dem Wahlverfahren erstens durch eine «effektive Identitätsfeststellung» garantiert werden. Diese solle es Hackern verunmöglichen, sich als Wähler auszugeben. Zweitens kommt die Technik digitaler Unterschriften zum Einsatz, die die Korrektheit der Daten gewährleistet und sicherstellt, sodass beim Datentransfer keine betrügerischen Veränderungen vorgenommen werden können. Und drittens setzen die Entwickler auf das Blockchainsystem, womit die Unveränderbarkeit der abgegebenen Stimmen sichergestellt werden soll. Vor dem Test wurden zudem Hacker dazu eingeladen, die Lösung auf Herz und Nieren zu testen und allfällige Schwachstellen zu identifizieren.

Zu den weiteren Vorteilen zählen die Entwickler unter anderem die Stabilität. Die Betriebsbelastung könne über die dezentralisierten Rechner verteilt und Prozesse von überlasteten Nodes auf solche mit freier Kapazität verschoben werden. So gewährleiste das System, dass es bei einem Ausfall eines Knotens nicht gleich zu einem Systemausfall komme. Die Speicherung der Daten auf verschiedenen «Nodes» solle ausserdem eine böswillige Zerstörung oder Löschung der Daten verunmöglichen. Gemäss Bericht selbst dann, wenn einer oder mehrere dieser Knoten gehackt werden sollte.

Code wird veröffentlicht

Der Code der Blockchain-basierten E-Voting-Lösung wollen die Entwickler nun öffentlich zugänglich machen. Ein Link werde hierzu beispielsweise auf den Websites der Stadt Zug, des Blockchain Labs der HSLU und der Firma Luxoft platziert. Sämtliche Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer würden so dazu beitragen, die E-Voting-Lösung weiter zu verbessern, zusätzliche Anwendungsbereiche zu finden und die Ergebnisse mit der Gemeinschaft zu teilen, heisst es abschliessend.

Ursprünglich wurde die digitale ID in der Stadt Zug im November 2017 eingeführt, in der Testphase befindet sie sich nach wie vor. Im Oktober wurde sie in ein zusätzliches Pilotprojekt mit dem Free-Floating-Veloverleih Airbie integriert, wo die E-ID nun bei der Registration des Benutzerkontos genutzt wird. Gemäss der Stadt Zug soll sie bald auch als Bibliotheksausweis eingesetzt werden können.

Weitere Informationen zur Funktionsweise und den technischen Details können Sie im Abschlussbericht nachlesen.


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