WhatsApp will Nutzerdaten mit Facebook teilen

Verschiedene Nutzerdaten von WhatsApp sollen künftig auch Facebook zur Verfügung stehen. Die Motive scheinen etwas vorgeschoben.

von Florian Bodoky, Stefan Bordel, dpa 26.08.2016

Nahezu zwei Jahre nach der über 20 Milliarden US-Dollar teuren Übernahme von WhatsApp will Facebook die Dienste enger miteinander verzahnen. Künftig sollen die Telefonnummer des WhatsApp-Nutzers sowie Informationen dazu, wie häufig der Kurzmitteilungsdienst genutzt wird, an Facebook weitergegeben werden. Bestehende WhatsApp-Mitglieder könnten diese Änderung ablehnen und den Dienst weiterhin nutzen, erklärte das Unternehmen in einem Blog-Eintrag. An Facebook weitergegeben werde die Telefonnummer künftig aber in jedem Fall, wenn man die App weiternutzen wolle.

Zugleich betonte WhatsApp, dass Facebook auf keinen Fall Zugang zum Inhalt der Kurzmitteilungen bekommen werde. Mit der Einführung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Frühjahr seien sie ohnehin nur für die beteiligten Nutzer und nicht einmal für WhatsApp selbst einsehbar. Als Verschlüsselungstechnologie kommt dabei die Open-Source-Lösung von Open Whisper Systems zum Einsatz, die auch im Signal Messenger verwendet wird.

Mit dem Abgleich der Telefonnummer solle unter anderem relevantere Werbung bei Facebook angezeigt werden, hiess es weiter. Wenn zum Beispiel ein WhatsApp-Nutzer seine Handy-Nummer auch mit Händlern geteilt habe, die Anzeigen bei Facebook schalten und dafür ihre Datenbanken hochgeladen haben, könnten ihm durch den Abgleich Angebote des Geschäfts eingeblendet werden. In den neuen Nutzungsbedingungen geht es auch um die Pläne, WhatsApp für die Kommunikation zwischen Nutzern und Unternehmen einzusetzen. Ausserdem wolle der Konzern die Daten dazu nutzen, um besser gegen Spam auf WhatsApp vorzugehen.

Beta-Version deutete Datenaustausch an

Erste Hinweise auf den Datenaustausch waren bereits im Januar dieses Jahres in der Beta-Version von WhatsApp aufgetaucht. Damals hatte der Android-Entwickler Javier Santos eine versteckte Sharing-Funktion in der Messenger-App entdeckt, die sich über einen Konsolenbefehl freischalten liess.

Facebook hatte WhatsApp im Herbst 2014 für rund 22 Milliarden Dollar übernommen. Der Kurzmitteilungsdienst zählt inzwischen mehr als 1 Milliarde Nutzer.

Kommentare

  • flacocuchento 26.08.2016, 22.24 Uhr

    Wer glaubt dass Facebook 22 Milliarden investiert nur so zum Spass, glaubt an den Samichlaus. Es ist wohl (fast) Jedem klar, dass Facebook und Co. gierig nach unseren Daten lechzten. Wir haben ja keinen Schimmer wieviel diese Wert sind. Die Konzerne bereichern sich auf unsere Kosten Aber ganz klar: Daran sind wir alle selber Schuld. Oder habt ihr schon einmal die seitenlangen sog. Conditions gelesen? Vielleicht gelesen, aber verstanden? Kaum ein Spezialist der genau weiss was es für den Kun[...]

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