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Forscher wollen SMS über die Haut empfangen

US-Forscher suchen derzeit nach einer effektiven haptischen Umsetzung für Nachrichten.

von pte (Pressetext), Thomas Pichler, fby 20.06.2018

Bald können Menschen SMS womöglich diskret über die Haut empfangen. Forscher an der Purdue University haben jedenfalls einen Ansatz entwickelt, der Nachrichten mithilfe einer speziellen Manschette am Arm fühlbar macht. Diese lässt die Phoneme, also bedeutungsunterscheidende Laute gesprochener Sprache, mithilfe unterschiedlicher haptischer Muster spürbar werden. Dem Team zufolge lernen Nutzer mit diesem Ansatz sehr schnell, die haptischen Nachrichten zu verstehen.

Wörter einfach spüren

«Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Sie eine Manschette tragen können, die über die Haut diskret Nachrichten an Sie übermittelt, wenn es unpraktisch wäre, eine Textnachricht anzusehen», sagt Hong Tan, Professorin für Elektro- und Computertechnik an der Purdue University. Eben darauf hat ihr Team gemeinsam mit Forschern am Massachusetts Institute of Technology und bei Facebook hingearbeitet. Technisches Kernstück des anlässlich der EuroHaptics 2018 vorgestellten Projekts ist eine Manschette mit 24 Fühlern, die Vibrationen auf die Haut bringen, die in Charakteristik und Position veränderlich sind.

Bestimmte Vibrationsmuster entsprechen dabei bestimmten Phonemen, den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Lauteinheiten der englischen Sprache. Davon gibt es zwar 39, also die Hälfte mehr als Buchstaben. Dennoch ist dieser Zugang Tan zufolge effizienter, da Wörter weniger Phoneme als Buchstaben haben. Konsonantische Laute hat das Team dabei als stationäre Reize in unterschiedlichen Bereichen umgesetzt, während Phoneme zu Vokalen in verschiedenen Mustern über den Arm wandern, wie das Team auch per Video erklärt.

Phonem-Lernerfolg

Da Nutzer erst lernen müssen, mit dieser Art von System umzugehen, hat sich das Team im Rahmen des Projekts auch damit befasst, wie das am besten zu bewerkstelligen ist. Dazu haben zwölf Testpersonen die haptischen Symbole mit einer phonemorientierten Methode gelernt, zwölf weitere mit einer wortorientierten. Dabei hat sich gezeigt, dass phonemorientiertes Lernen schneller zu einem besseren Verständnis führt. Nach nur 100 Trainingsminuten für 100 Wörter hat die Hälfte der entsprechenden Probanden 80 Prozent Genauigkeit erreicht, zwei sogar 90 Prozent.

Die Forscher haben für die Studie ein kompaktes Intensivtraining entwickelt, bei dem Nutzer rund zehn Minuten täglich lernen. «Das ist effizienter, als drei Stunden dazusitzen», erklärt Tan. «So lang kann man sich nicht gut konzentrieren.» Zudem sieht sie das als wichtig an, damit die Technologie eine Chance auf breite Akzeptanz hat. Denn wenngleich bestimmte Gruppen wie Hörbehinderte bereit sein mögen, täglich viel Zeit ins Erlernen der Phoneme zu investieren, muss es für die breite Masse auch mit wenig Aufwand gehen.


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