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Spotify macht Druck auf iTunes

Seit dem Start des iTunes-Store 2003 wuchs die Zahl der verkauften Musikstücke stetig. 2013 war dies laut einer Schätzung von Nielsen erstmals nicht mehr der Fall. Mitverantwortlich sind wohl Streaming-Dienste wie Spotify.

von Luca Diggelmann 07.01.2014
Der iTunes-Store hat erstmals weniger verkauft als im Vorjahr Der iTunes-Store hat erstmals weniger verkauft als im Vorjahr Zoom Der iTunes-Store sollte zum grossen Retter der Musikindustrie werden. Er machte Musik günstiger und leichter erhältlich, eine veritable Konkurrenz für Filesharing-Dienste. Entsprechend boomte das Geschäft mit den digitalen Musikdownloads. Von 2003 bis 2012 stieg die Anzahle der Verkauften Tracks jährlich. 2013 nahm dieser Trend, Schätzungen zufolge, erstmals eine Wende. Wie Nielsen SoundScan berichtet wurden in den USA statt 1,34 Milliarden Tracks nur noch 1,26 Milliarden digitale Musikstücke verkauft, eine Abnahme von 5,7 Prozent. Noch geht es Marktführer iTunes und seinen Konkurrenten besser als den CD-Händler. Diese verloren ganze 14 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Der Hauptverantwortliche für die erstmalige Baisse digitaler Musikverkäufe ist schnell gefunden: Spotify. Der führende Streaming-Dienst steht für viele Experten, zusammen mit ähnlichen Diensten, stellvertretend für den kommenden Untergang des Kaufmodells für digitale Musik. Die Vorteile für den Konsumenten sind offensichtlich: Unbegrenztes Musikhören zum Preis eines digitalen Albums pro Monat kommt gut an. Noch besser laufen die durch Werbung finanzierten Gratismodelle.

Verändertes Konsumverhalten

In der Musikindustrie sind nicht alle erfreut. Die Erträge von Spotify und Co reichen nach Angaben von Künstlern wie Thom Yorke von Radiohead kaum zum Überleben, es sei denn, man gehöre zu den Top-Künstlern weltweit. Die Musikindustrie muss hier umdenken. Studio-Aufnahmen sind nicht mehr die grosse Geldkuh wie in der Blütezeit der CDs. Ladenpreise von 30 Franken für ein Album mit rund 12 Tracks sind nicht mehr zeitgemäss und werden von den Konsumenten nicht mehr akzeptiert. Die Verbreitung von mobilen Geräten wie Smartphones hat das Konsumverhalten einer gesamten Generation komplett verändert.

Der Durchschnittliche Musikhörer kauft sich nicht mehr ein bis zwei Alben pro Monat, die er sich dann zu Hause vor der Hi-Fi-Anlage anhört. Musik ist ein stetiges Grundrauschen geworden. Es wird deutlich mehr konsumiert als vor 15 Jahren bezahlt werden konnte. Fehlt das Geld, wechseln viele Musikfans in die Piraterie. Dienste wie Spotify oder Google Play Music bieten daher besonders starken Musikhörern ein gutes Angebot, das besser auf das moderne Konsumverhalten angepasst ist. Die Beliebtheit der Dienste ist daher kaum verwunderlich.

Bessere Chancen für Musiker

Über den Nutzen von Streaming-Diensten für Musiker scheiden sich die Geister. Einige sind begeistert darüber, ihre Musik einem breiteren Publikum bereitstellen zu können. Andere fürchten sich vor zu geringen Einnahmen. So müssen entweder Gewinne durch andere Methoden verbessert werden, oder alternative Einnahmequellen stärker genutzt werden. Durch das Internet gelingt es immer mehr Künstlern, sich selbst zu veröffentlichen. Physische Medien mit Produktionskosten werden weniger relevant, Crowdfunding liegt im Trend. Die grossen Label sind nicht mehr zwingend nötig, für den Künstler bleibt prozentual deutlich mehr Geld übrig.

Reich wird man mit Spotify und Co aber kaum. So war es aber auch schon bei den CDs. Nur die Spitzenreiter der Industrie konnten reich werden. Zu Zeiten der physischen Medien wegen der teuren CD-Verkäufe, Heute durch Konzerte und den Verkauf von Merchandise. War die Welttournee früher noch ein Mittel um den Tonträger zu bewerben, dient sie heute als grosse Einnahmequelle. Die Fans kommen ins Stadion weil sie die Songs von Spotify und YouTube kennen, nicht umgekehrt. Auch davon werden nur die Grössten der Grossen reich werden. Wenn mehr Künstler durch technologische Innovationen von den Verträgen der grossen Labels wegkommen, stehen die Chancen für künftige Musiker jedoch besser als je zuvor.

Auch wenn durch den Trend zur Selbstvermarktung der Arbeitsaufwand für die einzelnen Künstler grösser wird, bleibt doch der kreative Freiheit erhalten. Möglicherweise erhält sogar der eine oder andere Marketing-Guru eine Chance auf der Bühne. Autotune sei Dank.


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