Swisstopo veröffentlicht historische Luftaufnamen der Schweiz

1946 überflogen US-Bomber mit Schweizer Genehmigung und nur mit Kameras «bewaffnet» unser Land. Die daraus resultierenden, qualitativ hochstehenden Luftaufnahmen können nun über das Swisstopo-Kartenportal online betrachtet werden.

von Jens Stark 22.05.2019

US-Amerikaner und Briten wollten 1946 eine Luftkarte von Nachkriegseuropa erstellen. Dafür waren präzise Luftbilder vonnöten, die mit 66 B-17-Bombern erstellt werden sollten. Aus diesen wurden die Waffen entfernt, deren Plätze danach jeweils zwei Fotoapparate pro Flugzeug einnahmen.

Als die US-Bomber im Jahr 1946 Luftaufnahmen der Schweiz machten, war der Flughafen Zürich noch nicht gebaut Als die US-Bomber im Jahr 1946 Luftaufnahmen der Schweiz machten, war der Flughafen Zürich noch nicht gebaut Zoom© PCtipp

Die amerikanischen Behörden wollten auch die Schweiz als neutrales Land abdecken und beantragten in der Folge eine Überflugsbewilligung. In dieser Aktion sah die Eidgenossenschaft einen technischen und politischen Vorteil zugunsten ihres Nachkriegs-Images – sie erlaubte die Flüge.

Operation «Casey Jones»

Vom 19. Mai bis zum 24. September 1946 wurden somit 64 Flüge über Schweizer Gebiet durchgeführt, bei denen 4200 Fotos entstanden. Die Flüge waren Teil der Operation «Casey Jones», die Europa von Island bis Nordafrika abdeckte und nach dem amerikanischen Luftfahrtpionier benannt war.

Zur damaligen Zeit war die Technik der Luftbilder, die den Amerikanern und Briten zur Verfügung standen, viel moderner als die Technik der Schweizer Dienste. Die Bilder wurden auf Fotofilme im Format 23 × 23 cm gemacht, während die Landestopografie noch mit Glasplatten arbeitete. Zudem ermöglichte die Amerikanerbefliegung innerhalb von vier Monaten ein komplettes Abbild des ganzen Landes, während normalerweise pro Jahr nur ein kleiner Teil der Schweiz erfasst werden konnte.

Jetzt online

Die Bilder wurden damals sehr gut dokumentiert, sodass sie nun, nach zahlreichen Jahren der Aufbewahrung, problemlos ins Register aufgenommen werden konnten. Sie wurden bis 2015 komplett restauriert und digital aufbereitet. Schliesslich wurden Tausende Einzelbilder bearbeitet und dann zu einem stufenlosen Bild der Schweiz zusammengefügt.

Das Ergebnis ist nun auch online abrufbar, und zwar unter der Bezeichnung SWISSIMAGE HIST 1946 unter dem Kartenportal des Bundes «map.geo.admin.ch». Dort lassen sich zudem die 1946er-Fotos mit aktuellen Satellitenbildern und Luftaufnahmen vergleichen.


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