Sprachaufenthalt in Wikipedia

Wikipedia existiert momentan in 285 verschiedenen Sprachen. Herausgeflogen ist Klingonisch, mit dabei sind dafür Rumantsch, Volapük und die Sprache der Amischen, die kein Internet wollen.

von David Lee 26.04.2012

Die Sprachenvielfalt der Menschheit (und ihr Wunsch, sich in der Muttersprache auszudrücken) spiegelt sich auf Wikipedia mit seinen gegenwärtig 285 Sprachfassungen wider. Zwischen der Anzahl Muttersprachler und der Anzahl Artikel besteht aber nur ein schwacher Zusammenhang. So hat zum Beispiel Spanisch weniger Einträge (885'000) als Polnisch (892'000), Italienisch (912'000) und Holländisch (1 Mio.). Chinesisch schafft es nicht einmal auf eine halbe Million. Unangefochten an der Spitze steht natürlich Englisch mit knapp 4 Millionen Artikeln. Dahinter kommt gleich Deutsch mit knapp 1,4 Millionen Beiträgen. Die drittgrösste Wikipedia-Sprachversion ist die französische mit über 1,2 Millionen Artikeln.

Unter dem Stichwort Computatrum erklärt Wikipedia den alten Römern, was ein Computer ist Unter dem Stichwort Computatrum erklärt Wikipedia den alten Römern, was ein Computer ist Zoom Unter den kleineren Sprachversionen lässt sich so manche Kuriosität entdecken. Beispielsweise liegt Wikipedia auch in Sprachen vor, die als Muttersprache gar nicht existieren, zum Beispiel in Latein oder in den Kunstsprachen Esperanto und Volapük. Die Anzahl der Artikel in diesen Sprachen ist mit 73'000, 163'000 und 120'000 erstaunlich hoch – höher jedenfalls als bei Hindi, das immerhin von etwa 500 Millionen Menschen gesprochen wird. Festplatte heisst auf Latein übrigens discus fixus, Internet nennt sich in Volapük Vüresod.

Die Fassung in der fiktiven Sprache Klingonisch (Star Trek) musste wieder geschlossen werden, lebt aber auf Wikia.com weiter.

Für Schweizer interessant ist Rumantsch (3300 Artikel) und Alemannisch (11'000 Artikel). Alemannisch gliedert sich wiederum in vier Dialekte: Schwyzerdütsch, Badisch, Elsassisch und Schwäbisch. Bei der schweizerdeutschen Variante fühlt sich der Verfasser dieses Artikels mit seiner «Zürischnure» allerdings nur in Ausnahmefällen sprachlich zu Hause.

Auch unsere südlichen Nachbarn versuchen sich an dialektalen Ausprägungen, zum Beispiel an Napolitanisch oder Sizilianisch. Letzteres wird von manchen (vor allem von Sizilianern) als eigene Sprache betrachtet, doch viele Wörter sind auch einfach Italienisch minus die Volake e und o. Aus ital. Tosse (Husten) wird dann logischerweise Tussi.

Deitsch ist tatsächlich eine Art Deutsch, und zwar von jenen Gruppierungen, die im 17. und 18. Jahrhuntert nach Pennsylvanien ausgewandert sind. Heute wird Deitsch – immer laut Wikipedia – praktisch nur noch von Amischen und konservativen Mennoniten gesprochen. Nun verweigern die Amischen sogar Elektrizität, von Internet ganz zu schweigen. Doch «alleweil henn mir 1.796 Ardickele in die Schprooch.»

Alle Informationen in diesem Text stammen (wie könnte es anders sein) aus Wikipedia. Bald werden die Angaben veraltet sein, doch es existiert dazu eine aktuell gehaltene Liste der Wikipedia-Sprachversionen.


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