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Test: SumUp-Terminal für Kreditkarten

«Nur Bares ist Wahres»: Wenn das ganz in Ihrem Sinn ist, gehen Sie bitte weiter. Es gibt hier nichts zu sehen.

von Klaus Zellweger 13.02.2020

«Geht Karte?» «Nur bar!» blafft es aus dem Glühweinstand entgegen. Nur Bargeld? Was für eine garstige Hundsverlochete läuft hier mitten in Zürich?! Wo soll ich am späten Nachmittag noch Bargeld auftreiben? Vermutlich gibt es im Umkreis von Hundert Metern irgendwo einen Automaten – aber warum muss sich ein potenzieller Kunde diesen Marsch für einen Becher dieser Plörre antun? Fragen über Fragen.

Langer Einstieg, kurzer Sinn: Ich freue mich nicht darüber, dass mit Kreditkarte bezahlt werden kann – ich erwarte es. Bargeld mag seine Vorzüge haben; aber es ist auch unpraktisch, nie in der passenden Menge vorhanden und vor allem unhygienisch: Jedes Mal, wenn ich die versifften Münzen und erst recht die Noten anfassen muss, möchte ich mir danach die Hände waschen. Bargeld ist die schmutzige kleine Schwester der Kreditkarte.

Allerdings benötigt der Verkäufer ein Terminal, damit Kunden damit bezahlen können. Das ist kompliziert und bestimmt so teuer, dass sich der Marroni-Stand, der Stoffladen, der Velomech und der Bratwurst-Dealer diese Anschaffung nicht leisten können – von der Vertragsbindung ganz zu schweigen.

Oder vielleicht handelt es sich nur um ein Missverständnis.

Das Ende aller Ausreden

Dass die Annahme von Kreditkarten ein Klacks ist, zeigt das mobile Terminal von SumUp. Es passt in eine Handfläche, läuft mit Batterien, kommt mit einer schicken App und versteht sich mit:

  • Mastercard
  • Visa
  • Maestro (früher: «EC-Karte»)
  • Vpay
  • American Express
  • Discover (fast nur in den USA üblich)


In allen Fällen wird kontaktloses Bezahlen via NFC unterstützt. Auch Apple Pay und Google Pay sind mit an Bord, sodass zum Beispiel auch das Bezahlen mit der Apple Watch kein Problem ist.

Eine App und ein Kästchen – und schon haben sich die Diskussionen um die Bezahlung mit Kreditkarte erledigt Eine App und ein Kästchen – und schon haben sich die Diskussionen um die Bezahlung mit Kreditkarte erledigt Zoom© PCtipp / ze

«Aber die Kosten, herrje …!»

Gemessen an seiner Bedeutung und seinen Möglichkeiten ist der Preis für das Terminal fast schon absurd tief. Bei brack.ch kostet es zum Beispiel einmalig 49 Franken; ich habe meins in einer Aktion für 29 Franken gesichert. Es gibt ausserdem keine Abo-Gebühren, keine Mindestlaufzeit, keine Knebelverträge, kein Was-auch-immer.

In der Schachtel befinden sich das Terminal, eine kurze gedruckte Anleitung sowie ein Kleber mit den Logos der verschiedenen Karten, die akzeptiert werden. (Der kommt bei uns an die Haustür; wer weiss, wozu es gut ist.) Viel wichtiger ist jedoch die App, die ab iOS 9 respektive Android 4.4 funktioniert. Die Einrichtung dauert keine zehn Minuten. Dabei werden Fragen zur Firma oder Person beantwortet. Diese Angaben erscheinen auch beim Kunden auf der Kreditkartenabrechnung. Dazu kommt die Bankverbindung, damit das Geld am richtigen Ort landet. Um die Herkunft zu verifizieren, werden Vorder- und Rückseite des Ausweises fotografiert und hochgeladen.

Die Einrichtung dauert nur ein paar Minuten Die Einrichtung dauert nur ein paar Minuten Zoom© PCtipp / ze

Und dann … dann ist alles erledigt und Zahlungen können sofort entgegengenommen werden. So geschehen am 25. Dezember im Jahre des Herrn, 2019. Die Einrichtung der App ist zwar denkbar unkompliziert, aber trotzdem ein wenig anstrengend. Das liegt nicht an der Prozedur an sich, sondern weil bei der iOS-Version die Eingabefelder nicht korrekt reagieren. Die Angaben mussten ein paar Mal gelöscht und neu eingegeben werden, bis alles an seinem Platz war. Ein kleines Ärgernis – aber auch die sind lästig. Die Android-Version wurde nicht getestet.

Das Terminal

In einem letzten Schritt wird das Terminal via Bluetooth mit dem Smartphone verbunden. Das Kästchen bietet sowohl einen Schlitz, falls mit Chip bezahlt wird; genauso kann aber auch kontaktlos via NFC bezahlt werden. Das Gehäuse ist relativ dick, die Auflösung des Displays eher gering und anstelle von gummierten Tasten sind die Sensortasten ein bisschen weniger gefühlsecht. Andererseits lässt sich das Gerät deshalb sehr einfach reinigen – und diese Punkte zählen doppelt.

Der Ablauf

Wenn jemand mit Kreditkarte bezahlen möchte, wird der Betrag in die App eingetippt, optional der Verwendungszweck erfasst und das Terminal dem Kunden überreicht. Dieser verwendet wiederum seine Kreditkarte, sein Smartphone oder die Apple Watch, gibt bei Bedarf die PIN ein und damit sind alle zufrieden. Wird kein Verwendungszweck angegeben, erscheint auf dem Beleg nur eine kryptische Zeichenfolge.

«Quittung?»

Damit ist die Transaktion abgeschlossen – und nur die Transaktion. Wenn Sie dem Kunden eine schriftliche Quittung aushändigen möchten, müssen Sie das anderweitig erledigen, etwa mit einem Drucker in der Nähe. SumUp bietet zum Beispiel den optionalen Belegdrucker Bixolon für 349 Franken, aber der gehört hier nicht zum Test. In der App lässt sich auch ein anderer Drucker über Bluetooth oder Wi-Fi hinzuziehen. Das hat leider nicht funktioniert, obwohl beide Drucker im selben WLAN verbunden waren. Dabei handelte es sich um zwei Canon-Modelle des gleichen Typs. Vielleicht haben Sie mit Ihren Druckern mehr Glück.

Alternativ lässt sich die Quittung aus der App heraus via E-Mail oder als Link via SMS verschicken, damit der Empfänger diese selber ausdrucken oder ablegen kann.

Der Kreislauf des Geldes

Eine Bezahlung mit Kreditkarte kostet immer Gebühren – und diese bleiben auf jeden Fall am Verkäufer hängen. Sie richten sich nach der Art der Karte und der Summe. Bei der Maestro-Karte werden 1,5 Prozent fällig, bei den Kreditkarten sind es 2,5 Prozent. Diese Gebühren werden automatisch von SumUp abgezogen. Sie werden also nie eine Rechnung für ausstehende Gebühren erhalten, was den Prozess schlank hält und Mahnungen ausschliesst.

Nach der Bezahlung wird der restliche Betrag dem Konto Ihrer Wahl gutgeschrieben. Das dauert zwei bis vier Werktage bei inländischen Kreditkarten und weitere zwei bis vier Werktage bei ausländischen Karten. In unserem Test landete das Geld fast immer nach zwei Werktagen auf dem Konto. Das Standard-Intervall für die Auszahlung ist «täglich», kann aber auch geändert werden. Genauso ist es möglich, Geld zurückzuschicken, weil das Produkt zum Beispiel retourniert wurde.

Ein einfacher Report, wie er per  E-Mail geliefert wird Ein einfacher Report, wie er per E-Mail geliefert wird Zoom© PCtipp / ze

Feinheiten

Zwei weitere praktische Eigenschaften runden den Funktionsumfang ab. Die eine erlaubt die Erfassung mehrerer Mitarbeiter, sodass sich jemand das Terminal schnappen und den Umsatz auf sein persönliches SumUp-Konto gutschreiben kann. Die zweite Funktion erlaubt das Anlegen von «Katalogen»: Dabei werden Warengruppen erstellt und die Artikel oder Dienstleistungen einmalig erfasst. Dabei kann es sich um verschiedene Artikel handeln oder um denselben in verschiedenen Grössen, Farben oder etwas in der Art. Anschliessend werden diese Produkte mit minimalem Aufwand in einen Warenkorb getippt und dem Kunden die Gesamtrechnung präsentiert. Das funktioniert sehr angenehm und schnell.

Von links nach rechts: Der Betrag vor einer Bezahlung, die Einrichtung der Mitarbeiter und ein Kauf, der mit dem Lager zusammengetippt wurde Von links nach rechts: Der Betrag vor einer Bezahlung, die Einrichtung der Mitarbeiter und ein Kauf, der mit dem Lager zusammengetippt wurde Zoom© PCtipp / ze

Und noch ein Wort zum Tempo: Wenn das SumUp-Kästchen ausgeschaltet ist, dauert es rund 30 Sekunden, um die App zu starten und die Verbindung aufzubauen.

Nächste Seite: Zusammenfassung und Fazit

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    Kommentare

    • hpe05 13.02.2020, 14.44 Uhr

      Hurra Herr Zellweger Schön, dass Sie mit Ihrer Erwartungshaltung am Grab des Bargeldes mitschaufeln. Haben Sie auch mit einem gesprochen, der dieses elektronische Zahlungszeugs anbieten muss - eben wegen der Erwartungshaltung gewisser Kunden? Was wäre, wenn ich Ihnen jedesmal 2.5% vom Kaufbetrag (EC-Karte) draufschlage (bei V-Pay und Kreditkarten sind es noch wesentlich mehr)? Und wenn Sie Kunde von Postfinance sind - nein, die machen da bei Sum>Up und Co nicht mit. Soviel mal dazu. Und[...]

    • Klaus Zellweger 13.02.2020, 15.19 Uhr

      Haben Sie auch mit einem gesprochen, der dieses elektronische Zahlungszeugs anbieten muss - eben wegen der Erwartungshaltung gewisser Kunden? Wenn ein Anbieter Kreditkarten wegen der Gebühren meidet, dann kann er nicht rechnen – was eine ganz schlechte Voraussetzung ist, um ein Geschäft zu betreiben. Wenn er jedoch «einfach nicht will», sagt das viel über den Kundenservice aus. Die richtigen Schlüsse muss dann jeder Kunde selber ziehen. Denn Bargeld ist teuer. Es muss beschafft, gezählt un[...]

    • hpe05 13.02.2020, 18.28 Uhr

      Nebenbei: Wie erwähnt, werden 1,5% für VPay und Maestro fällig, sowie 2,5% für Mastercard, Visa, American Express, Diners Club, Discovers oder Union Pay. Das stimmt so nicht ganz. VPay wird von SumUp wie eine Kreditkarte behandelt, was die Gebühren angeht. Das sehe ich ja auf der Abrechnung. Und darum akzepiere ich nur EC-Karten. Und ja - ich kann rechnen. Als kleiner Dienstleister ist das Zahlen mit Karte ein reiner Dienst am Kunden. Umsätze generiere ich keine zusätzlichen. Also ist diese[...]

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