Test: Nikon D5300

Eine Spiegelreflex-Kamera mit einem besseren Preis-/Leistungsverhältnis ist schwer zu finden.

von Klaus Zellweger 22.05.2014

Jede Spiegelreflex-Kamera (kurz «SLR») rechtfertigt ihre Existenz vor allem damit, dass sie sich in alle Richtungen ausbauen lässt: mit Objektiven à gogo, Blitzgeräten, Adapterringen und mehr. Das bedeutet aber auch, dass man sich in ein System hineinkauft. Und wer einmal drin steckt, muss bei einem späteren Wechsel mit finanziellen Konsequenzen rechnen, denn Objektive und Zubehör lassen sich nicht einfach an ein anderes System adaptieren.

Wer sich für oder gegen eine SLR entscheiden muss, könnte in der Nikon D5300 die perfekte Einsteiger-Kamera sehen. Sie bietet einen ausgewogenen Mix zwischen Leistung, Qualität und hilfreichen Funktionen – und das zu einem sehr attraktiven Preis. Darüber hinaus bietet die Kamera eine fast schon übertrieben hohe Auflösung von 24 Mpx. Doch der Reihe nach.

Der erste Eindruck

Wie jede andere SLR ist auch die D5300 viel zu gross für die Jackentasche. Allerdings fühlt sie sich mit einem Gewicht von gerade einmal 949 Gramm (Küchenwaage-Präzision) überraschend leicht an, ohne dabei billig zu wirken. Der Griffwulst liegt angenehm in der Hand, ist aber für grosse Hände eine Spur zu wenig ausgeprägt.

Nicht klein, aber erstaunlich leicht: Nikon D5300 Nicht klein, aber erstaunlich leicht: Nikon D5300 Zoom© ze / IDG

Das Gehäuse ist mit mehr als einem Dutzend Knöpfe übersäht. Da sie jedoch weit verstreut sind, wirkt die D5300 trotzdem relativ harmlos, was in Anbetracht der Zielgruppe keine schlechte Sache ist.

Die Rückseite (hier mit umgedrehtem Display) wirkt beruhigend unaufgeregt Die Rückseite (hier mit umgedrehtem Display) wirkt beruhigend unaufgeregt Zoom© ze / IDG

Trotzdem fehlen der Kamera Bedienungselemente, die bei den teureren Modellen die Regel sind. Dazu gehört vor allem das LC-Display auf der Oberseite und ein zweites Steuerrad, damit sich zum Beispiel Blende und Verschlusszeit bequemer steuern lassen.

Irgendwo hier wäre bei anderen Kameras das LC-Display Irgendwo hier wäre bei anderen Kameras das LC-Display Zoom© ze / IDG

Die «Fn»-Taste auf der Vorderseite kann zwar durch den Anwender belegt werden, aber nur in einem eng gesteckten Rahmen und nur für technische Funktionen wie den Weissabgleich, die Bildqualität usw. Wer damit lieber die Gesichtserkennung aktivieren oder ein Motivprogramm zuschalten möchte, hat Pech gehabt.

Speicherkarte und Akku lassen sich auch dann problemlos wechseln, wenn die Kamera auf einem Stativ steht: Das Kartenfach befindet sich auf der rechten Seite, während das Batteriefach weit genug vom Stativgewinde entfernt ist.

Das Objektiv

Unser Testgerät wurde mit dem Objektiv 18-105 mm (ƒ3.5-5.6) geliefert. Umgerechnet auf das Kleinbildformat beträgt die Brennweite 27-158 mm – ein ganz und gar durchschnittlicher, aber typischer Wert für ein universelles Kit-Zoom. Die Linse unterstützt die manuelle Fokussierung und ist zudem mit einem Bildstabilisator ausgestattet. Zum Lieferumfang gehören erfreulicherweise ein Objektivbeutel und eine Sonnenblende, was bei Kit-Objektiven leider nicht mehr selbstverständlich ist.

Darf nicht unterschätzt werden: das 18-105 mm Kit-Zoom Darf nicht unterschätzt werden: das 18-105 mm Kit-Zoom Zoom© ze / IDG

Display

Die Rückseite der Kamera wird vom grossen Display beherrscht, das sich kippen, schwenken und umgekehrt zuklappen lässt, damit es besser geschützt ist. Es reagiert allerdings nicht auf Berührungen. Das spielt in den meisten Fällen keine Rolle; bei Videoaufnahmen wäre es jedoch ein beachtlicher Vorteil, wenn der Fokus durch Tippen auf die gewünschte Stelle gelegt werden kann.

Das Display lässt sich kippen und schwenken Das Display lässt sich kippen und schwenken Zoom© ze / IDG

Wie bei SLRs üblich, werden auf dem Display normalerweise nur das Menü, die Einstellungen oder die gemessene Belichtung angezeigt. Um wie bei einer Kompaktkamera das aktuelle Live-Bild zu betrachten, wird der «Lv»-Schalter neben den Belichtungsprogrammen verwendet. Er klappt den Spiegel hoch, damit der dahinterliegende Sensor das Licht direkt einfangen kann. In dieser Position werden zum Beispiel auch die Spezialeffekte live angezeigt.

Der Lv-Schalter klappt den Spiegel hoch, damit das Live-Bild auf dem Display angezeigt werden kann Der Lv-Schalter klappt den Spiegel hoch, damit das Live-Bild auf dem Display angezeigt werden kann Zoom© ze / IDG

Unmittelbar nach einer Aufnahme zeigt das Display die Anzeige zu den Kamera-Einstellungen, was sehr störend ist, wenn das Auge an der Kamera bleibt. Wird der Auslöser angetippt, verschwindet die Anzeige – aber nur, um unmittelbar nach der Aufnahme erneut zu nerven. Nach zehn Minuten steht man vor der Wahl, die Kamera entweder durchs geschlossene Fenster zu werfen oder in den Menüs die «Info-Automatik» abzuschalten. Es ist unverständlich, warum diese Nervensäge ab Werk aktiviert ist. Die ideale Lösung wäre jedoch ein Annäherungssensor am Okular, der das Display automatisch abschaltet.

Der Blitz

Der integrierte Blitz wird durch die Taste auf der linken Gehäuseseite ausgeworfen. Solange diese gedrückt wird, kann die gewünschte Blitzfunktion ausserdem über das Drehrad auf der Rückseite ausgewählt werden.

Der Blitz wird über die Taste darunter entriegelt und konfiguriert Der Blitz wird über die Taste darunter entriegelt und konfiguriert Zoom© ze / IDG

Wie praktisch alle SLRs von Nikon ist auch die D5300 mit dem «Creative Lighting System» kompatibel. Dabei können Nikon-Blitzgeräte in Gruppen zusammengefasst und über die Kamera ferngesteuert werden. Wer eine Kiste dieser preiswerten Blitzgeräte sein Eigen nennt, kann damit eine ganze Theaterbühne ausleuchten. Solche spektakuläre Aktionen sind auch das Steckenpferd von Nikons Vorzeigefotograf Joe McNally, der sich in unzähligen YouTube-Videos beweist – aber leider nur in Englisch. Das sieht dann etwa so aus, ab 1:50 beginnt der Aufbau:

Verständnisvolle Menüs

Die D5300 bietet für ihre Klasse ein gerüttelt Mass an Einstellungen, die in einem klassischen Menü in Listenform aufgerufen werden können. Die wichtigsten Funktionen, die man immer wieder benötigt, lassen sich in einem eigenen Menü zusammenfassen.

Das klassische Menü Das klassische Menü Zoom© ze / IDG

Noch mehr Übersicht bieten die Anzeigen auf dem Display. Sie visualisieren auf eine plakative Weise, welche Einstellungen gerade gewählt sind. Falls eine Einstellung geändert werden soll, reicht ein kurzer Druck auf die «i»-Taste.

Die Variante für Einsteiger Die Variante für Einsteiger Zoom© ze / IDG

Jede Einstellung wird ausserdem von einer kleinen Abbildung begleitet, mit der die Auswirkungen auf das Bild gezeigt werden. Und als ob das nicht genug wäre, blendet ein Druck auf die «?»-Taste erklärende Texte ein. Kein Anfänger wird zurückgelassen!

Beispiele zeigen, wie sich die Einstellungen auf das Bild auswirken Beispiele zeigen, wie sich die Einstellungen auf das Bild auswirken Zoom© ze / IDG

Wer sich dieser bildlichen Darstellung entledigen möchte, kann die Darstellung auf dem Display anpassen: Die niedlichen Grafiken machen den trockenen Werten Platz.

Trocken, aber informativ Trocken, aber informativ Zoom© ze / IDG

Es spielt also keine Rolle, ob man sich als Greenhorn oder als Fortgeschrittener fühlt: Die D5300 bietet für jedes Niveau eine übersichtliche, verständliche Darstellung.

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    Kommentare

    • multi-os 04.09.2014, 15.13 Uhr

      Guter Bericht. Allerdings sollte man den Modellbezogenen PreisLeistungsvorteil der D5300 etwas relativieren. Ich finde, die Hersteller nehmen sich hier bei den Ein-und-Auftseiger Modellen erstaunlich wenig. Unterscheiden tun sich oftmals die Schwerpunkte. Kabellose Übertragung (Bilder, Geodaten, Fernauslösung, Blitzen usw) gehören zushends zu den geforderten Feautures. Hierzu interessant ist aber auch, dass solche Funktionen gerade von Einsteigern kaum genutzt werden. Das stellte ich[...]

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