Lenovo Legion Y44w-10 im Test

Für alle, die genug davon haben, ihren PC-Bildschirm in Zentimetern zu messen.

von Luca Diggelmann 16.12.2019
«Guten Tag, ich hätte gerne einen Meter Bildschirm» «Guten Tag, ich hätte gerne einen Meter Bildschirm» Zoom© Lenovo

Es ist nicht gerade alltäglich, dass wir beim PCtipp Geräte mit Metermassen auf dem Tisch stehen haben. Eigentlich fast ausschliesslich bei TVs. Mit einer Spannweite von rund 1,05 Metern hält der Lenovo Legion Y44w-10 jedoch direkt aus dem Karton einen Rekord: Er ist der breiteste Monitor, der je auf meinem Tisch stand. Nimmt man das Display in Betrieb, wird es sogar noch etwas extremer, da die gebogene Bauform (1800R) alles noch etwas grösser erscheinen lässt. In der Höhe gewinnt der Monitor jedoch keinen Blumenstrauss. Mit rund 36,5 cm ist der Legion Y44w-10 etwa gleich hoch wie übliche Widescreen-Monitore. Das ist auch das ganze Konzept von Lenovos Ultrawide-Modell: So hoch wie ein üblicher Monitor, aber so breit wie zwei davon. Beim Lenovo Legion Y44w-10 sind es etwa zwei 24-Zoll-Bildschirme im Format 16:9 nebeneinander, ohne den Rand dazwischen. Es entsteht ein 32:9-Display mit einer Auflösung von 3840 × 1200 Pixeln.

Design

Abgesehen von der imposanten Grösse ist der Legion Y44w-10 relativ dezent gehalten. An drei Seiten des Bildschirms sind lediglich ein Zentimeter Rand zu sehen. Das ist zwar mehr als die 3 mm abstehender Gehäuserand, was in einer schwarzen Fläche resultiert, aber dennoch sehr solid. Unter dem Display sind 2,5 cm Kunststoff angebracht, dafür nur 1 mm unbelichtete Fläche. Zentral ist ein vergleichsweise unauffälliges Legion-Logo angebracht und am unteren rechten Rand findet man die OSD-Knöpfe sowie die Power-LED.

Für einen Gaming-Monitor ist der Y44w-10 eher dezent gehalten Für einen Gaming-Monitor ist der Y44w-10 eher dezent gehalten Zoom© Lenovo

Die Rückseite des Y44w-10 ist grösstenteils funktional, ohne dabei schlecht auszusehen. Etwa die Hälfte des Monitors ist rund 2,5 cm dick und in glattem Anthrazit gehalten. Die restlichen 50 Prozent, etwa in Form eines kleineren 32:9-Monitors, steht zusätzliche 3,8 cm ab und ist zur Rückseite hin mit kleinen, runden Luftlöchern versehen. Diese helfen sowohl bei der Kühlung, sind aber auch ein auffälliges Design-Element. Am zentral über dem Ständer angebrachten Handgriff bringt ein schmaler, blauer Streifen ein kleines Stück Farbe ins Spiel. Das Branding ist ebenfalls einfach gehalten. Ein kleines Lenovo-Relief ist oben links (von der Rückseite aus gesehen) am Rand angebracht. Direkt rechts neben den Luftlöchern ist ein grösseres Legion-Logo platziert, glänzend schwarz auf mattem Anthrazit.

Ständer und Standfuss werden jeweils einzeln angebracht. Der Ständer mit einer Platte, die in den Rücken des Displays eingeklickt wird, der Standfuss mittels einer Schraube mit Schnellverschluss (Bügel). Auf den ersten Blick wirkt der Ständer etwas billig, allerdings erweist sich die Konstruktion als äusserst stabil. Das Display wackelt kaum und hält auch beim Verstellen die Position gut, trotz des gigantischen Displays, das daran hängt. Der Standfuss lässt von Anfang an keine Zweifel offen. Falls es jemals ein Videogame gibt, in dem man in einem Cyberpunk-Australien Jagd auf wildgewordene Mecha-Känguruhs macht, MUSS der Standfuss des Legion Y44w-10 als Bumerang verfügbar sein. Nicht nur die Form stimmt dafür, sondern auch das Styling. Glattes Schwarz mit blauen Akzenten und aerodynamisch aussehenden Löchern machen diesen Standfuss zu einem Hingucker, ohne zu sehr ins Auge zu stechen. Zudem ist der Fuss grundsolid und hält den Y44w-10 fest auf dem Tisch. Wer seinen Monitor lieber an die Wand oder an eine eigene Halterung hängt, kann das dank VESA-100-mm-Befestigung tun. Das kann beim Y44w-10 durchaus ein Vorteil sein, da der Monitor einiges an Tiefe benötigt. Das unter anderem wegen der Biegung im Display, aber auch wegen des grossen Standfusses.

Die Kurve des Y44w-10 beträgt 1800R und braucht so schon ein wenig Platz Die Kurve des Y44w-10 beträgt 1800R und braucht so schon ein wenig Platz Zoom© Lenovo

Was die Ergonomie angeht, bietet der Y44w-10 alles, was man von einem Monitor dieser Kategorie erwarten kann. Das Display lässt sich neigen, um den Ständer drehen und in der Höhe verstellen. Nicht möglich ist eine Pivot-Drehung ins Hochformat, was bei einem Display dieser Grösse und dieses Formats jedoch wenig Sinn ergeben würde. Das gebogene Design bringt jedoch für gewisse Nutzer einen Nachteil mit sich: Die Form funktioniert dann am besten, wenn der Nutzer gerade und zentriert vor dem Bildschirm sitzt. Falls Sie regelmässig seitlich versetzt oder mit mehreren Personen am Bildschirm sitzen, kann ein gebogenes Display seine Stärken nicht optimal ausspielen. Das ist nicht spezifisch für dieses Lenovo-Modell so, sondern allgemeingültig. Durch die eher starke Biegung von 1800R ist das Problem bei diesem Monitor etwas ausgeprägter als bei anderen.

Auf der nächsten Seite: Display

Display

Ultrawide-Displays sind in verschiedenen Bereichen beliebt. Der Formfaktor kann sowohl fürs Gaming als auch für Business-Anwendungen Vorteile bringen. Wie es die «Legion»-Untermarke vermuten lässt, zielt der Y44w-10 hauptsächlich auf Gamer ab. In diesem Bereich bietet ein gebogener Ultrawide-Monitor mehr Immersion und ein breiteres Sichtfeld. Je nach Genre des Games kann das mehr oder weniger nützlich sein.

Die sRGB-Abdeckung reicht für die meisten Nutzer aus Die sRGB-Abdeckung reicht für die meisten Nutzer aus Zoom Besonders wichtig fürs Gaming ist die Geschwindigkeit des Displays. Sowohl in Sachen Reaktionsgeschwindigkeit als auch bei der Bildwiederholrate. In beiden Kategorien zeigt der Y44w-10 keine Mühe. Mit Boost-Modus schafft das Display Reaktionszeiten von 4 ms (GTG), was locker ausreicht. Schwächen zeigt das Display vor allem beim Wechsel von Schwarz zu Grau, was ein typisches Problem bei VA-Panels ist. Das führt dazu, dass dunkle Farbwechsel stellenweise bis zu 30 ms verzögert dargestellt werden und somit von Auge sichtbar sind. Das stört vor allem bei Games und Filmen, die viele dunkle Szenen beinhalten. Allerdings profitiert das VA-Panel dank seiner tiefen Schwarztöne und dem starken Kontrast wiederum optisch besonders stark in genau solchen Medien. Wer also gerne Horror-Games spielt, muss sich bewusst sein, dass Optik und Leistung hier einen Kompromiss eingehen müssen.

80 Prozent Adobe RGB sind vielleicht nicht für alle genug, reichen aber für die Hauptzielgruppe Gamer problemlos 80 Prozent Adobe RGB sind vielleicht nicht für alle genug, reichen aber für die Hauptzielgruppe Gamer problemlos Zoom Die Bildwiederholrate ist hingegen kein Problem. 144 Hz sind ein Standardwert für Gaming-Monitore und reichen sowohl für kompetitive Titel als auch gemächlichere Games locker aus. Dabei sollte man bedenken, dass der verbundene PC auch die entsprechende Leistung erbringen sollte, um den 144 Hz gerecht zu werden. Die Auflösung von 3840 × 1200 ist nicht ganz so anspruchsvoll wie UHD, braucht aber dennoch mehr Power als ein FHD-Display.

Wie die meisten VA-Panels kann auch der Legion Y44w-10 farblich überzeugen. Der Monitor deckt 98 % des sRGB-Spektrums und 80 % von Adobe RGB ab. Wahrscheinlich nicht genug für Grafikprofis, aber sehr schön für Gamer. Helligkeit und Kontrast sind ebenfalls sehr gut: Die Helligkeit reicht von 86 bis 474 cd/m2, während der Kontrast durchschnittlich bei 782:1 liegt, Tendenz steigend bei höherer Displayhelligkeit. Die Schwarztöne liegen zwischen 0,12 und 0,56 cd/m2. Der Monitor ist VESA-zertifiziert für DisplayHDR 400, was die Testergebnisse bestätigen.

Kontrast und Helligkeit sind beide bestens Kontrast und Helligkeit sind beide bestens Zoom© PCtipp Bei der Farbhomogenität erzielt der Y44w-10 ausgezeichnete Ergebnisse Bei der Farbhomogenität erzielt der Y44w-10 ausgezeichnete Ergebnisse Zoom© PCtipp

Auch bei der Farbhomogenität erzielt der Y44w-10 ausgezeichnete Ergebnisse. In fünf der neun Displaybereiche liegt der DeltaE-Wert bei 1 oder weniger (bei 67 % Helligkeit). Nur zwei Bereiche liegen bei 2,0 oder mehr, mit einem Maximalwert von 2,3 DeltaE. Werte unter 3 DeltaE gelten als gut. Die Luminanzhomogenität ist ein wenig schwächer, aber noch in Ordnung. Am oberen Rand sind die Messwerte ausgezeichnet, zwischen 0 und 3 %. In der mittleren Reihe steigen die Abweichungen jedoch bereits auf 4 % zentral, und 9 bis 12 % an den Rändern. Die untere Reihe weicht mit 10 bis 14 % noch etwas stärker vom Normalwert ab. Bei 100 % Helligkeit sind die Werte leicht besser, ansonsten etwa gleich.

Die Luminanzhomogenität überzeugt nicht komplett, ist aber immer noch gut Die Luminanzhomogenität überzeugt nicht komplett, ist aber immer noch gut Zoom© PCtipp

Auf der nächsten Seite: Ausstattung und Fazit

Ausstattung

Die wichtigsten Anschlüsse sind vorhanden Die wichtigsten Anschlüsse sind vorhanden Zoom© PCtipp

In Sachen Ausstattung muss sich der Y44w-10 vor niemandem verstecken. Der Monitor bietet die wichtigsten Anschlüsse und wartet mit einigen interessanten Extras auf. Angeschlossen wird das Display entweder per HDMI (2 × 2.0), DisplayPort 1.4 oder USB-C (1 × DP 1.4, 1 × DP 1.2). Dazu kommen vier USB-Downstreams (Type A, USB 3.1) und ein Audio-Ausgang. Interessant dabei ist das kleine Pop-out-Kästchen in der Mitte des unteren Randes. Zwei der USB-A-Anschlüsse und der Audio-Stecker sind in einer kleinen Box versteckt, die unten aus dem Display herausfährt. So erreicht man diese drei Steckplätze auch leicht von der Vorderseite, was durchaus nützlich ist. Gerade beispielsweise für Headsets oder USB-Speicher.

Diese Steckplätze lassen sich im Gehäuse versenken (siehe Video) Diese Steckplätze lassen sich im Gehäuse versenken (siehe Video) Zoom© PCtipp

Im Lieferumfang enthalten ist zudem ein externer Lautsprecher von Harman Kardon. Dieser wird standardmässig auf den Ständer des Monitors gesteckt, kann aber auch extern verwendet werden. Bedenken Sie dabei, dass zur Montage des Lautsprechers der Standfuss abgeschraubt werden muss, was den regelmässigen Wechsel eher umständlich macht. Zudem verwendet der Lautsprecher zwei der vier USB-A-Stecker. In Sachen Sound ist der externe Lautsprecher in Ordnung. Für Fans von gutem Audio reicht das kleine Böxli wohl nicht aus. Im Vergleich zu sonst üblichen eingebauten Bildschirmlautsprechern ist er aber ein klares Upgrade. Wer es mag, kann die Box zudem in verschiedenen Farben beleuchten.

Ein abnehmbarer Lautsprecher ist im Lieferumfang enthalten Ein abnehmbarer Lautsprecher ist im Lieferumfang enthalten Zoom© PCtipp

In vielerlei Hinsicht ist ein grosser Bildschirm praktischer als zwei kleinere. Es gibt jedoch auch einen entscheidenden Nachteil: Die Flexibilität, den zweiten Bildschirm für andere Geräte zu verwenden, entfällt. Lenovo löst das mit einem PiP/PbP-Modul. So können zwei Video-Inputs entweder übereinander (Picture in Picture/PiP) oder nebeneinander (Picture by Picture/PbP) dargestellt werden. So können Sie beispielsweise Ihren Game-Guide vom Laptop über das Gameplay der Konsole legen oder neben der Partie FIFA noch die Champions League verfolgen.

Endlich mal wieder richtige Tasten für das OSD Endlich mal wieder richtige Tasten für das OSD Zoom© PCtipp

Die Steuerung des PiP/PbP-Modus ist dank des klar strukturierten OSD einfach und leicht zu verstehen. So oder so verdient Lenovo hier Lob: Das OSD und die dafür vorgesehenen Buttons sind sehr angenehm zu bedienen. Das beginnt nur schon dabei, dass Lenovo seine Buttons gut sichtbar auf der Front platziert und für alle Handgrössen gross genug gestaltet hat. Keine Touch-Steuerung, die man aus Versehen drückt und keine Buttons auf der Rückseite, die man kaum findet. Die wichtigsten Funktionen wie Helligkeit oder Signalquelle sind zudem per Shortcut leichter zugänglich gemacht.

Fazit

Für Lenovo ist «wide» nicht genug. Es muss schon «ultrawide» sein und das gelingt dem chinesischen Hersteller ausgezeichnet. Das Display des Y44w-10 ist nicht nur in seiner Grösse imposant, sondern liefert auch ein beeindruckendes Bild mit genug Tempo für fast jeden Gamer. Die grösste Schwäche liegt beim VA-typischen Schwarz-zu-Grau-Wechsel, der auch beim Y44w-10 sehr langsam ist und stellenweise für dunkle Schlieren sorgen kann. Das Gesamtpaket überzeugt jedoch und kann mit gutem Gewissen empfohlen werden.

Seite 1 von 3
       
       

Kommentare

  • kek-kex 16.12.2019, 19.04 Uhr

    hmmm. würde ich glücklich bei einem Pixelabstand von 0.27 mm? Das haben meine über 12 Jahre alten Monitore auch schon, und diese bieten ebenfalls je eine Auflösung von 1920 x 1200. Also würde alles in etwa beim gleichen bleiben, nur etwas schöner. So etwas müsste man zu Hause erst testen können...

weitere Kommentare

Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.