Test: MacBook Air (Late 2018)

Ein leichter Laptop mit einem schweren Stand.

von Luca Diggelmann 16.01.2019

Mit dem ersten MacBook Air hat Apple den Markt verändert. Es war einer der ersten Laptops, der gleichzeitig portabel, schön und dennoch genug leistungsfähig war. Eine ähnliche Revolution darf man vom MacBook Air von Ende 2018 nicht erwarten. Vielmehr liegt der Fokus auf einer stetigen Weiterentwicklung des bekannten Schemas. Also raus aus den Luftschlössern und rein in den Test.

Die dünne Keilform ist das Markenzeichen des MacBook Air Die dünne Keilform ist das Markenzeichen des MacBook Air Zoom© Apple

Äusseres

Optisch gibt es die übliche Kost von Apple: ein Unibody aus Aluminium im gewohnten Keildesign. Das neue Modell ist rund 10 Prozent dünner als der Vorgänger. Allerdings darf man dabei auch nicht vergessen, dass die neusten MacBook-Pro-Modelle ebenfalls deutlich kompakter geworden sind. So ist das MacBook Air an seiner dicksten Stelle sogar leicht dicker als das MacBook Pro. Auch beim Gewicht ist der Unterschied kleiner geworden. Die 13-Zoll-Variante des MacBook Pro wiegt gerade einmal 120 Gramm mehr als das MacBook Air. Zwar sind die 1,25 kg Gesamtgewicht des Air in der Tat luftig leicht, die Konkurrenz aber auch.

Ausser der Keilform unterscheidet kaum etwas das MacBook Air vom Pro. Beide bieten ein gleich grosses Display mit gleich viel Rahmen und einer gleich grossen Fläche. Optisch gibt es höchstens mit der rosé Farbvariante ein Unterscheidungsmerkmal. Das ist auch weiter nicht nötig, denn die MacBooks sehen schon seit Jahren ausgezeichnet aus. Auch das neue Air ist eine Schönheit. Nicht nur rein optisch, sondern auch in Sachen Verarbeitung. Wie von Apple gewohnt, fühlt sich das MacBook Air wertig an. Nichts lottert, nichts wackelt. Alles wirkt korrekt platziert und solide verarbeitet.

Das Display gehört zu den grössten Upgrades im Vergleich zum Vorgänger Das Display gehört zu den grössten Upgrades im Vergleich zum Vorgänger Zoom© Apple

Display

Den grössten Fortschritt im Vergleich zum Vorgängermodell macht das MacBook Air von Ende 2018 beim Display. Es ist das erste MacBook Air mit einem Retina-Display, was auch dringend nötig war. Das 13,3-Zoll-Display zeigt eine Auflösung von 2560 × 1600 Pixeln an, was 227 Pixeln pro Zoll entspricht. Auch qualitativ wurde der Bildschirm des Air klar verbessert. Ein IPS-Panel sorgt nicht nur für klar verbesserte Blickwinkeltreue, sondern auch für eine hundertprozentige Abdeckung des sRGB-Spektrums. In dieser Kategorie lässt das MacBook Air seine Konkurrenz klar hinter sich, und auch der internen Konkurrenz des MacBook Pro ist man nicht mehr weit hinterher. Nur noch die Unterstützung des P3-Farbraums fehlt dem kleineren Modell, was aber aufgrund der angesprochenen Zielgruppen eher wenig Sinn machen würde.

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Hardware

Nach all diesen Premium-Features muss man sich bei der Hardware wieder bewusst machen, dass es sich beim MacBook Air nicht um ein High-End-Gerät handelt. High End ist das Air höchstens innerhalb seiner eigenen Preisklasse. Aber das genau zu definieren wäre schwierig.

Bei der CPU hat man keine Wahl: Es gibt einen Intel-Taktgeber, genau genommen den Intel Core i5-8210Y. Dabei handelt es sich um einen Zweikernprozessor mit 1,6 GHz. Die kleinere Kernzahl bemerkt man hauptsächlich beim Multitasking. Sobald diverse Apps gleichzeitig offen sind, fühlt sich das MacBook Air deutlich langsamer an als das Pro. Für einfachere Arbeiten mit zwei bis drei Applikationen funktioniert noch alles einwandfrei. Nicht ganz so rasant wie beim Pro, aber durchaus noch flott.

Das schmale Gehäuse ist nicht ideal für Power. Das MacBook Air trägt aber genug davon in sich Das schmale Gehäuse ist nicht ideal für Power. Das MacBook Air trägt aber genug davon in sich Zoom© Apple

Als Grafikeinheit kommt die Onboard-Lösung Intel UHD Graphics 617 zum Zug. Diese reicht aus für üblichen Videokonsum und einfache grafische Arbeiten in Photoshop oder iMovie. Wer intensivere grafische Arbeiten durchführen möchte, ist mit einem MacBook Pro oder einem Laptop mit dedizierter Grafikkarte klar besser bedient.

Beim Arbeitsspeicher gibt es erstmals Auswahl für den Nutzer. 8 GB ist die Standardkonfiguration, die bei der Bestellung auf 16 GB erweitert werden kann. Der Aufpreis dafür liegt bei rund 220 Franken. In beiden Fällen verbaut Apple den stromsparenden, aber etwas weniger rasanten LPDDR3-Speicher mit 2133 MHz. Eine sinnvolle Entscheidung für das MacBook Air.

Etwas strittiger dürfte der Nutzspeicher sein. In der Standardkonfiguration gibt es beim MacBook Air gerade einmal 128 GB Speicher. Für Nutzer mit permanenter Internetverbindung oder wenigen Daten ist das kein Problem, solange nicht allzu viel zusätzliche Software benötigt wird. Wer seine Fotos und Videos aber gerne lokal speichert, kann sich gleich eine externe Festplatte mitbestellen.

Mehr Speicher ist möglich, aber eher kostspielig. Pro GB verrechnet Apple etwa 1 Franken. Das Upgrade auf 256 GB kostet 250 Franken, 512 GB schlagen mit 500 Franken zu Buche und der grosse Boost auf 1,5 TB ist mit 1500 Franken teurer als der Basispreis des Laptops. Bedenkt man die Qualität der verbauten SSDs sind die Preise nicht ganz so extrem, aber doch eher an der oberen Grenze.

Bei der Akkulaufzeit gibt sich das MacBook Air keine Blösse. In unserem Test (verschiedene Büroarbeiten und YouTube-Videos) hielt das Air fast exakt 10 Stunden durch.

Ausstattung

Kompakte Notebooks lassen meistens in zwei Kategorien Federn: Leistung und Ausstattung. Weniger Fläche heisst nun mal auch weniger Platz für Hardware und Kleinigkeiten. Das MacBook Air gehört hier ebenfalls dazu. Zwei USB-C-Anschlüsse und ein 3,5-mm-Audioanschluss sind alles. Dass einer der C-Stecker zum Aufladen gebraucht werden muss, macht die Situation nicht besser. Wer ein MacBook Air als Alltagsrechner verwenden will, muss sich vorgängig gut überlegen, wie viele USB-Ports man regelmässig benötigt. Je nachdem braucht man schnell eine Hub.

Abgesehen von den Anschlüssen kann das MacBook Air grösstenteils punkten. Neu gibt es auch beim kleineren Modell TouchID zum Einloggen, Bezahlen und andere Dinge, bei denen man seine Identität authentifizieren muss. Äusserst praktisch, wenn auch in der Praxis noch nicht immer verfügbar. Der Sensor dafür ist elegant in den Ein-/Aus-Knopf oberhalb der Tastatur eingelassen.

Beim MacBook Air gibt es keine TouchBar, dafür die neue Tastatur und ein grösseres Touchpad Beim MacBook Air gibt es keine TouchBar, dafür die neue Tastatur und ein grösseres Touchpad Zoom© Apple

Tastatur und Touchpad wurden ebenfalls dem MacBook Pro angeglichen. Erstere verwendet den Schmetterlings-Switch der dritten Generation. Diese Technologie macht die Tastenanschläge deutlich kürzer, gibt aber noch genügend haptisches Feedback. Zu Beginn braucht es ein wenig, bis man sich an die unglaublich flachen Tasten gewöhnt hat, danach sind sie aber sehr angenehm zu bedienen. Das Touchpad wurde leicht vergrössert, was die Eingabe von Gesten vereinfachen soll. So oder so ist ein grösseres Touchpad immer angenehm. Und wie man sich das von einem MacBook gewöhnt ist, hängt das Touchpad die Konkurrenz nicht nur ab, sondern fliegt ihr meilenweit davon.

Nicht in das neue MacBook Air geschafft hat es die TouchBar. Stattdessen gibt es eine übliche Reihe mit Funktionstasten und den darunterliegenden F-Tasten. Ob das ein Vor- oder Nachteil ist, darüber werden sich die Nutzer streiten. Beide Varianten haben Stärken und Schwächen, was die Präferenz am Ende sehr individuell macht.

Die letzte Neuerung am MacBook Air sind die Lautsprecher. Wie beim MacBook Pro sind diese auf der Front direkt neben der Tastatur angebracht. Einen Audiophilenpreis gewinnen die Böxchen sicher nicht, aber für einen Laptop im Format des MacBook Air sind die Lautsprecher durchaus imposant. Für ein wenig Netflix im Bett reichen sie auf jeden Fall aus.

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Kaufberatung

Das MacBook Air gibt es in zwei vorgefertigten Konfigurationen, wobei die teurere Variante einfach ein Speicher-Upgrade auf 256 GB darstellt. Wir gehen daher von der günstigeren Option aus und rechnen von dort.

Der Startpreis liegt bei 1399 Franken. Dafür bekommt man ein 128-GB-SSD und 8 GB RAM. Eine Konfiguration, die für enthusiastische Cloud-Nutzer keine schlechte Wahl ist, solange sich die Arbeit grösstenteils auf Dokumente und leichte Grafiken beschränkt. Anspruchsvollere Arbeiten wie Bildbearbeitung mit grossen Dateien oder Videoschnitt profitieren stark von einem RAM-Upgrade. Dieses gibt es für rund 220 Franken. Legt man dazu noch das Speicher-Upgrade auf 256 GB drauf, kommt man auf einen Gesamtpreis von etwa 1870 Franken.

Und genau hier liegt die Schwäche des MacBook Air. Die interne Konkurrenz von iPad Pro und MacBook Pro ist dem Lebensraum des Air gefährlich nahe gekommen. Ein 12,9-Zoll-iPad Pro mit 256 GB Speicherplatz kostet inklusive Tastaturfolio etwa 1540 Franken. Ist man also nicht zwingend auf mehr externen Speicher und Desktop-Applikationen angewiesen, fährt man mit einem iPad nicht nur günstiger, sondern auch noch leichter.

Zwei USB-C-Anschlüsse, einer davon zum Aufladen, und ein Kopfhörer-Port sind für den Preis etwas sehr knapp bemessen Zwei USB-C-Anschlüsse, einer davon zum Aufladen, und ein Kopfhörer-Port sind für den Preis etwas sehr knapp bemessen Zoom© Apple

Auf der anderen Seite bekommt man ein 13,3-Zoll-MacBook Pro mit 256 GB Speicherplatz und 16 GB RAM für rund 1945 Franken. Dafür gibt es aber eine schnellere CPU und GPU. Oder man spart noch ein wenig mehr und wählt das MacBook Pro mit Vierkernprozessor, noch besserer GPU und vier USB-Anschlüssen für rund 2220 Franken.

Das lässt dem MacBook Air eine etwas schmale potenzielle Nutzerbasis: Der Käufer benötigt ein möglichst günstiges und kompaktes Gerät mit Unterstützung für Desktop-Apps und externe Geräte per Kabel. Für diesen Nutzer ist das MacBook Air nahezu perfekt. Ist der Preis nicht ganz so prioritär, macht das MacBook Pro schnell mehr Sinn. Kann man auf Desktop-Apps verzichten, ist das iPad Pro die bessere Wahl.

Fazit

Das MacBook Air ist auch in seiner 2018er-Ausführung ein klassenführender Laptop. Allerdings ist die Klasse deutlich kleiner geworden. Der leichte Preisanstieg und die Einführung des iPad Pro machen es dem MacBook Air nicht einfach, einen Platz auf dem Markt zu finden. Eines ist aber sicher: Wer zur optimalen Nutzerbeschreibung des MacBook Air passt, wird damit sicher glücklich werden.

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