Hat den Dreh raus: Samsung Gear S2 im Test

Nun hat auch Samsung eine runde Edel-Uhr mit seinem eigenen Betriebssystem im Angebot. Was die Gear S2 taugt, erfahren Sie in unserem ausführlichen Test.

von Simon Gröflin 18.02.2016

Zwei Dinge haben sich bei Smartwatches in letzter Zeit grundlegend gebessert: die Auswahl an Designs und die Akkulaufzeit. Darüber hinaus betreten mehr und mehr Anbieter das Eintrittspreissegment traditioneller Uhren. Auch Samsung verpasst seiner neuen Gear S2 einen rundlichen Edel-Look. Die Modelle reichen von einer Classic-Variante mit austauschbarem Echtlederarmband über eine Sport-Edition mit weichem Silikonarmband bis hin zu einer Premium-Version mit Platin-Farbgebung. Preislich erstreckt sich das Angebot von einem Bereich ab Fr. 289.- bis Fr. 529.-. Zum Redaktionszeitpunkt stand uns die Sport-Edition zur Verfügung. Die gibts z.B. bei Brack zu einem Strassenpreis von Fr. 319.-. Mit dabei ist ein magnetisches Ladedock, das über Micro-USB mit Strom gespiesen wird.

Samsungs Sport-Edition der Gear S2 mit Silikonarmband Samsungs Sport-Edition der Gear S2 mit Silikonarmband Zoom

Drehbare Lünette

Die Verarbeitung ist Samsung gelungen. Ein mattes Edelstahlgehäuse umrandet das rundliche Display, das durch ein kratzfestes Saphirglas geschützt wird. Die Uhr ist nach IP68-Zertifizierung staub- und wasserdicht. Letzteres bei mindestens 1 Meter unter Wasser. Angenehm leicht ist das smarte Schmuckstück mit knapp 50 Gramm auch. Vielseitig ist die Bedienung. Hier zeigen sich die echten Vorteile des Samsung-eigenen Betriebssystems Tizen OS. Während Android Wear in der Regel die Home-Funktion auf einen Hauptschalter legt, ermöglicht Samsungs smarte Uhr sogar eine Steuerung über die Lünette.

Die Verarbeitung stimmt bei der Gear S2 Die Verarbeitung stimmt bei der Gear S2 Zoom© sgr / NMGZ

Intuitives Bedienkonzept

Dreht man den Ring nach links, scrollt man durch die Push-Meldungen der News-Apps oder durch die eingetroffenen E-Mails. Dreht man nach rechts, gelangt man durch diverse Widgets wie Kalender, Pulsmesser und Alarm. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die zwei seitlichen Tasten. Neben einer Home-Taste gibt es hier einen Zurück-Button. Mit der Zurücktaste gelangt man immer zum vorherigen Bildschirm. Die Home-Taste übernimmt verschiedene Funktionen. Einerseits öffnet sie den Anwendungsbildschirm mit sämtlichen Icons wie Kalender, Telefon, Einstellungen, andererseits kann man über diese Taste die Uhr ein- und ausschalten.

Gut: Man blättert bei Samsung nicht ständig von oben nach unten durch zahlreiche Optionen Gut: Man blättert bei Samsung nicht ständig von oben nach unten durch zahlreiche Optionen Zoom© sgr / NMGZ

Präzise Lünette 

Intuitiv: Im Zusammenspiel mit der Lünette scrollt man galant durch sämtliche Apps des Hauptanwendungsbildschirms oder von dort durch weitere Widgets, die bei der Gesamtauswahl keinen Platz mehr finden. Die Feinmotorik des edel verarbeiteten Gehäuserings ermöglicht ein sehr flinkes Durchstöbern der Hauptanwendungen. Samsung mag hier bei Apple ein wenig über den Tellerrand geschielt haben; der agile Drehschalter ist aber besser greifbar als die kleine Seitenkrone der Apple Watch.

Der Drehring ist praktisch: Er bringt einen vom Hauptbildschirm zu zahlreichen weiteren Widgets Der Drehring ist praktisch: Er bringt einen vom Hauptbildschirm zu zahlreichen weiteren Widgets Zoom© sgr / NMGZ

Perfekte Touch- und Vibra-Technik

Die zahlreichen kleinen App-Symbole des Hauptbildschirms trifft man mit der Zeigefingerkuppe in der Regel immer. Ebenfalls gut: Der dumpfe Vibra-Alarm kitzelt das Handgelenk nicht mit einem hochfrequenten Ton, als würde der Vibrationsmotor gleich davonhüpfen. Dieser pulsiert mit einer sehr angenehmen, unterschwelligen Frequenz. Man merkt: Auch die in der Uhr werkelnden Komponenten haben die Südkoreaner mit viel Liebe zur Präzision eingepflanzt.

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Viel Technik in einem kleinen Gerät

In technischer Hinsicht ist die Gear S2 nicht von schlechten Eltern. Das wasserfeste Chassis ummantelt ein 1,2-Zoll-OLED-Display mit einer Auflösung von 360 x 360 Pixeln. Der Umgebungslichtsensor rückt besonders die dunklen Zifferblätter immer ins rechte Licht. Der daraus resultierende Blickwinkel verleiht den Watch Faces mit Zeigern einen sehr authentischen Look. Der Dual-Core-Prozessor taktet mit 1 Gigahertz und wird von 512 MB RAM unterstützt. 

Der Vibra-Motor ist bei dieser Smartwatch perfekt integriert Der Vibra-Motor ist bei dieser Smartwatch perfekt integriert Zoom© Samsung

Das schlanke Samsung-Betriebssystem kommt damit jedenfalls sehr gut klar. Man blättert sehr zügig durch die Anwendungen, die sich stets butterweich öffnen. Davon könnten sich andere Hersteller sogar ein Scheibchen abschneiden. Kommuniziert wird über NFC, Bluetooth 4.1 und WLAN-N. Der interne Speicher fasst 4 Gigabyte. Nebst Bewegungs- und Lagesensoren ist ein recht genauer Pulsmesser vorhanden.

Gute Akkuleistung - je nach Einstellungen

Der 250-mAh-Akku ist nicht schlecht. Die Gear S2 hält damit im Schnitt länger als viele Rivalen durch, überbietet aber die Huawei Watch nicht ganz. Zumindest nicht, wenn man den Always-On-Betrieb wählt. Dafür hat Samsung bei den Einstellungen gute Arbeit geleistet: Der Bildschirm erlaubt insgesamt zehn Helligkeitsstufen. Es lohnt sich, bei der Helligkeitsanzeige stark zurückzudrehen, sodass mindestens die zweitniedrigste Stufe eingestellt ist. Dann reicht der Akku locker für mehr als 18 Stunden am Tag. Selbst nach einem langen Tag bleiben so noch mindestens 30 bis 40 Prozent Restladung übrig. Für zwei Tage reicht das nicht ganz.

Ein Pulsmesser ist ebenfalls vorhanden, sogar ein Watch Face mit periodischer Messfunktion Ein Pulsmesser ist ebenfalls vorhanden, sogar ein Watch Face mit periodischer Messfunktion Zoom© sgr / NMGZ

Vorteile des Tizen-Betriebssystems

Der Funktionsumfang von Tizen ähnelt stark dem System von Android Wear. Nahezu gleichermassen geht auch die Installation vonstatten, aber leicht umständlicher. Zur Ersteinrichtung installiert man die Samsung-Gear-App auf dem Smartphone. Ein wenig nervig: Die Gear-App fragt bei Ersteinrichtung nach einer weiteren Installations-App und zuguter Letzt nach einem Samsung-Konto. Das ist aber ein Detail, das Samsung mit wenig Aufwand vereinfachen könnte. Hat die Installation einmal geklappt, geht die Einrichtung jedoch sehr schnell vonstatten. Das System liefert eine reiche Auswahl an Zifferblättern mit, knapp 20 haben wir gezählt.

Auch Samsungs Gear S2 liefert eine Wagenladung eigener Zifferblätter mit Auch Samsungs Gear S2 liefert eine Wagenladung eigener Zifferblätter mit Zoom© Screenshot / NMGZ

Fehlende Alleinstellungsmerkmale

Die Benachrichtigungen (E-Mails, WhatsApp, Twitter) zeigt die Gear S2 wie die Android-Uhren an. Dass Samsungs Tizen bislang noch nicht mit vielen Eigenentwicklungen auftrumpft, ist auf die immer noch junge Entwicklung von Tizen OS zurückzuführen. Es soll bisweilen schon mehr als 1000 eigene Apps geben, doch wirklich viele sinnvolle Apps mit Alleinstellungsmerkmalen finden wir nicht. Zu diesen zählen vor allem die vielen Watch Faces, ein paar Mini-Spiele sowie ein eigener Newsreader und natürlich die vorinstallierten Tools wie der leicht zugängliche Schrittzähler. Der genaue Pulsmesser erhöht zum Beispiel über sein eigenes Watch Face automatisch das Messintervall, wenn man länger sitzen bleibt.

Alles, was man laut Samsung für die Gear S2 braucht, ist ein Android-Handy mit mindestens Android 4.4. Wir haben die Uhr mit einem LG G4 getestet. Erst kürzlich hat Samsung iOS-Kompatibilität angekündigt. Zu welchem Funktionsumfang und wann das genau in diesem Jahr der Fall sein wird, steht aber noch nicht fest.

Fazit

Samsungs Gear S2 ist eine echte Alternative zur Apple Watch. Hardware, Display und Bedienung überzeugen auf hohem Niveau. Jetzt muss Samsung nur noch mehr ambitionierte Tizen-Entwickler finden.

Tags: Samsung, Tizen
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