Wenn sich das USB-Laufwerk nicht auswerfen lässt

Beim Versuch, einen USB-Stick oder eine USB-Festplatte sicher zu entfernen, meckert Windows, das «Gerät kann nicht gestoppt werden». Was jetzt?

von Gaby Salvisberg 27.07.2015

Dabei haben Sie es doch eigentlich richtig gemacht: Ein Klick aufs USB-Icon unten rechts im Systemtray, gefolgt vom Befehl zum sicheren Entfernen des Gerätes.

Nach ein paar Sekunden meldet aber Windows: «Das Gerät 'Standardvolume' kann nicht gestoppt werden, da ein Programm noch darauf zugreift. Schliessen Sie alle Programme, die möglicherweise das Gerät verwenden, und wiederholen Sie den Vorgang».

Fehlermeldung: USB-Gerät kann nicht gestoppt werden Fehlermeldung: USB-Gerät kann nicht gestoppt werden Zoom© pctipp.ch

Lösung: Windows' Vorschlag ist grundsätzlich nicht so falsch. Aber die Umsetzung ist in manchen Fällen etwas schwieriger als erhofft. Versuchen Sie die folgenden Tipps der Reihe nach:

Programm schliessen: Haben Sie vielleicht tatsächlich noch eine Datei ab Ihrem USB-Stick geöffnet? Beenden Sie alle Programme komplett, mit denen Sie bei dieser Arbeitssession auf den USB-Stick zugegriffen haben. Manchmal reicht ein noch geöffnetes Windows-Explorer-Fenster, um das sichere Aushängen des Sticks zu verhindern. Schliessen Sie diese also ebenfalls. 

Es ist übrigens auch denkbar, dass Ihr Virenscanner im Hintergrund gerade dabei ist, den Stick durchzuprüfen. Sind auf grossen Sticks oder Platten sehr viele Dateien gespeichert, kann das schon ein Weilchen gehen.

Ein paar Minuten warten: Manchmal muss Windows noch ein paar Daten fertig schreiben, manchmal ist es wie vorhin erwähnt der Virenscanner, der den Scan zu Ende führen muss – warten Sie mal einige Minuten. Versuchen Sie danach erneut, das USB-Laufwerk auszuwerfen. 

Sicherheitskopie: Falls die Daten sehr wichtig sind, kopieren Sie sie einmal kurz ab dem Stick, irgendwohin in einen separaten Ordner auf Ihrer internen Festplatte. Solange Sie den Stick nicht aushängen können, lässt er sich ja wenigstens (meistens) noch lesen. Sollte bei einem der nächsten Schritte etwas passieren, haben Sie wenigstens ein Backup.

Herunterfahren: Wollten Sie bald Feierabend machen? Normalerweise ist der Ablauf «erst Auswerfen, dann Herunterfahren». Aber in diesem Fall machen Sie es halt umgekehrt: Fahren Sie den Computer komplett herunter und lassen Sie ihn ausschalten. Von einem PC in heruntergefahrenem und ausgeschaltetem Zustand dürfen Sie einen USB-Stick auf jeden Fall einfach abziehen. Nur falls er sich im Schlafmodus («Hibernate») befände, könnte das Abziehen des Sticks eine schlechte Idee sein, je nach geöffneten Anwendungen und Dateien. Mit dem Herunterfahren gehen Sie aber auf Nummer sicher. 

Einfach trotzdem ausstöpseln? Bei USB-Festplatten sollten Sie das nicht tun. Bei billigen USB-Sticks, deren Daten Sie schon gesichert haben, kommen Sie vielleicht in der Eile nicht darum herum. Wenn ein vorgängiges Herunterfahren oder Abmelden aus welchen Gründen auch immer nicht in Frage kommt: Tun Sie es halt. In den meisten Fällen passiert nichts, sofern Sie die Daten korrekt gespeichert und die Anwendungen geschlossen haben. Aber ein Datenverlust oder Defekt des Sticks lässt sich leider auch nicht komplett ausschliessen.

Tipps für Nerds

Jetzt aber raus mit der Sprache! Wer oder was blockiert den Stick? Wenn Sie es wirklich wissen wollen, können Sie es mittels einem oder zwei Tools von Microsoft SysInternals versuchen. Beide richten sich an fortgeschrittene Nutzer und beides sind portable Programme, müssen also nur entzippt, aber nicht installiert zu werden. Sie brauchen mindestens den Process Explorer.

Nach dem Herunterladen der Datei klicken Sie mit rechts drauf, wählen etwas wie Entpacken nach oder Alle extrahieren und übernehmen den meist vorgeschlagenen Ordnernamen «ProcessExplorer». Öffnen Sie ihn und starten Sie das Programm «procexp.exe» per Doppelklick. Lassen Sie sich von den jetzt angezeigten komplizierten Informationen nicht erschlagen.

Im Menü Find gehts zu Find Handle or DLL. Tippen Sie da die Laufwerksbezeichnung ein, zum Beispiel E:\. Achten Sie darauf, dass Sie einen Grossbuchstaben verwenden. Klicken Sie auf Search, dann zeigt der Process Explorer alle auf dem betroffenen Laufwerk geöffneten Dateien oder Prozesse an. Aufgrund des Prozessnamens können Sie mit etwas Glück eruieren, wer sich derzeit auf Ihrem USB-Stick herumtreibt.

Klicken Sie auf einen Eintrag im Search-Fenster, dann wird sowohl im oberen als auch im unteren Teil des Process-Explorer-Hauptfensters die Anwendung in Dunkelgrau markiert (die anderen Farben können Sie derzeit ignorieren). Ein Rechtsklick darauf im oberen Teil erlaubt zum Beispiel den Befehl Window/Bring to front, um das Fenster in den Vordergrund zu holen. So können Sie die Anwendung vielleicht schliessen.

Wollen Sie den Prozess unbedingt «abwürgen», mit allen damit verbundenen Risiken? Klicken Sie im Search-Fenster auf den Prozess und diesmal im unteren Teil mit der rechten Maustaste auf die dunkelgrau markierte Zeile. Im Kontextmenü wählen Sie Close Handle

Wird der Process Explorer nicht fündig? Laufwerke tauchen hier nicht immer in Form eines klassischen Laufwerksbuchstaben wie E:\ auf. Es kann intern auch eine andere Volumenbezeichnung sein. Welche Ihrem Stick zugeordnet ist, finden Sie mit dem zweiten SysInternals-Tool heraus. Laden Sie WinObj herunter, entzippen Sie es, öffnen Sie den Ordner und doppelklicken Sie WinObj.exe. Klicken Sie im linken Teil auf GLOBAL??. In der rechten Fensterhälfte ist hinter dem Laufwerksbuchstaben (z.B. E:\) in der Spalte «SymLink» die Bezeichnung zu finden, zum Beispiel «\Device\HarddiskVolume5». 

Tippen Sie in diesem Fall diese Bezeichnung anstelle des Laufwerksbuchstabens im Process Explorer bei Find/Find Handle or DLL ein.

Tipp: Ist es der Windows Explorer (explorer.exe), und Sie können den Stick nach wie vor nicht aushängen, obwohl Sie alle Windows-Explorer-Fenster geschlossen haben? Schliessen Sie auch alle anderen Programme und melden Sie sich mindestens ab. Wenn Sie sich danach wieder anmelden, sollte das Aushängen funktionieren.


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