Fotografie: RAW-Format-Grundlagen mit Photoshop Elements

von Klaus Zellweger 29.05.2019

Bilder entrauschen

Unter «Rauschen» verstehen wir die typischen Bildstörungen bei Fotos, die bei schwachem Licht aufgenommen worden sind. Rauschen entsteht, wenn der Sensor das schwache Umgebungslicht künstlich verstärkt. Wie heftig dieses Rauschen ausfällt, hängt von der Kamera, dem verwendeten ISO-Wert und vor allem von der Sensorgrösse ab. Einige Kameras sind sehr gut darin, Bilder zu entrauschen, aber die Kontrolle über diesen delikaten Vorgang haben Sie nur bei RAW-Aufnahmen. Schalten Sie die Ansicht in der linken unteren Ecke auf 100 % um, nur so können Sie die Wirkung zuverlässig beurteilen, Bild 6 A.

Bild 6: Die Reduktion des Rauschens hat viel mit Ermessenssache zu tun; weniger ist oft mehr Bild 6: Die Reduktion des Rauschens hat viel mit Ermessenssache zu tun; weniger ist oft mehr Zoom© PCtipp

Klicken Sie auf den Reiter Details B. Bei RAW-Aufnahmen haben Sie es meistens mit Helligkeitsrauschen zu tun; schieben Sie deshalb den Regler Luminanz C behutsam nach rechts, bis Sie den gewünschten Kompromiss zwischen Rauschen und Details gefunden haben. Wenn das Bild hingegen von farbigen Störmustern übersäht ist, haben Sie es mit Farbrauschen zu tun; schieben Sie in diesem Fall den Regler Farbe D nach rechts.
Tipp: Wenn Sie das Rauschen lindern, verlieren Sie Details. So einfach ist das. Ob es das wert ist, liegt in Ihrem Ermessen. Viele Fotografen entrauschen die Bilder nur schwach oder überhaupt nicht – denn manchmal wirkt ein rauschendes Bild authentischer als eines, das mit Gewalt flachgebügelt wurde.

Foto im Editor öffnen

Wenn das Bild weitgehend Ihren Vorstellungen entspricht, könnten Sie am unteren Fensterrand auf die Schaltfläche Fertig klicken; nun werden alle Änderungen in die XMP-Datei geschrieben und die RAW-Datei geschlossen. Sobald Sie diese das nächste Mal öffnen, werden die Anpassungen erneut angewendet.
Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass Sie das Foto im Editor weiterbearbeiten möchten. Wählen Sie im Einblendmenü am unteren Fensterrand die Option 8 Bit/Kanal E. Diese Farbtiefe erlaubt maximal 16,8 Millionen Farbnuancen – das ist mehr als genug, wenn Sie die Lichter und Schatten in Camera RAW gewissenhaft korrigiert haben. Mit der Option 16 Bit/Kanal könnte das Bild theoretisch etwa 280 Billionen verschiedene Farbtöne aufweisen, was nicht den geringsten Nutzen bringt. Stattdessen werden viele Werkzeuge im Editor von PSE nicht mehr funktionieren.

Fehler korrigieren

Der Editor von Photoshop Elements ist gespickt mit Funktionen, die kein Ende nehmen wollen: Bilder lassen sich freistellen und neu zusammenfügen, geschlossene Augen werden geöffnet und Kinder in Rahmen gesteckt. Doch die Gründe für die RAW-Verarbeitung sind nicht solche Spielereien, sondern die Perfektionierung eines Fotos. Deshalb wollen wir zum Abschluss zwei Funktionen ansehen, die Sie bei fast jedem Ferienfoto brauchen. Diese erfüllen ihren Zweck auch dann, wenn Sie nicht im RAW-Format fotografiert haben.

Kleine Fehler ausbügeln
Braucht es den Pickel auf der Nase der besseren Hälfte? Ganz bestimmt nicht! Wenn er entfernt wird, schadet das weder dem Bild noch seiner Aussage (es sei denn, dieser Pickel steht im Mittelpunkt der Fotogeschichte). Selbiges gilt für den Abfall am Boden oder das hässliche Schild auf der wunderschönen Haustüre. Und so weiter. Um solche und andere Fehler aus dem Foto zu tilgen, klicken Sie in der Werkzeugkiste des Editors auf den Bereichsreparatur-Pinsel, Bild 7 A.

Bild 7: Kleine Fehler lassen sich mit einem Klick ausbügeln – oder einem Pinselstrich Bild 7: Kleine Fehler lassen sich mit einem Klick ausbügeln – oder einem Pinselstrich Zoom© PCtipp

Wählen Sie ganz unten links eine angemessene Grösse B und malen Sie damit über die Unzulänglichkeit, bis die verschwindet C. Sogar die umgebende Struktur wird übernommen, damit das Resultat nahtlos wirkt.
Tipp: Manchmal ist es besser, über eine Stelle zu malen; doch für kleine Fehler reicht meistens ein einzelner Klick.

Bestimmt ist Ihnen aufgefallen, dass es zwei Werkzeuge gibt: den Bereichsreparatur-Pinsel und den Reparatur-Pinsel D. Mit Ersterem korrigieren Sie einfach drauflos und meistens ist er auch die bessere Wahl. Mit dem zweiten Pinsel kitten Sie hingegen grössere Gebiete, beispielsweise auf einer Wiese. Dazu müssen Sie zuerst mit gedrückter Alt-Taste auf eine Stelle in der Nähe klicken, damit die Struktur festgelegt wird, bevor Sie zu malen beginnen.
Tipp: Die Wirkung dieser Reparatur-Pinsel grenzt bei richtiger Verwendung fast schon an Magie. Klicken Sie auf das Fragezeichen und studieren Sie die eingeblendete Anleitung – es lohnt sich!

Stürzende Linien
Wenn Sie zum Beispiel ein Gebäude von unten fotografieren, verjüngt es sich gegen oben, und zwar immer. Diese stürzenden Linien lassen sich relativ einfach korrigieren. Dabei wird das Bild jedoch zwangsläufig beschnitten. Wenn Sie also vor einer Kirche stehen und wissen, dass Sie die Perspektive später zurechtrücken werden, lassen Sie dem Motiv genügend Raum nach oben.
Für die Korrektur wählen Sie im Menü Filter den Befehl Kameraverzerrung korrigieren. Wenn Sie die Aufnahme frontal vor dem Motiv geschossen haben, nehmen Sie den Regler Vertikale Perspektive. Wurde das Motiv von der Seite her aufgenommen, ist der Regler Horizontale Perspektive der richtige – natürlich können Sie auch beide kombinieren. Ein Raster hilft Ihnen bei der Orientierung.

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    Kommentare

    • Fido50 29.05.2019, 22.55 Uhr

      Wermutstropfen: Hatte Photo Shop Elements 2014 installiert. Nach Kauf einer neuen PANASONIC Lumix TZ-96 Kamera konnte ich die RAW Dateien (RW2) mit Camera RAW nicht mehr öffnen. Ein Update war nicht mehr möglich. Habe mir somit vor zwei Wochen den neusten Photo Shop Elements 2019 gekauft. Den kann man aber nur auf Camera RAW 11.1.0 updaten. Die RAW Bilder der neuen Kamera benötigen aber Camera RAW 11.2. Die neuste Version von Photo Shop Elements kann also die RAW Dateien ebenfalls nicht öffnen. [...]

    • WAM_UW 12.06.2019, 07.47 Uhr

      Bei Adobe gibt es den DNG-Converter gratis zum runterladen. Der wandelt alle proprietären RAW-Formate in DNG um. Auch DNG ist ein RAW-File. Photoshop kann dann dieses DNG-Format lesen. Ein kleiner Umweg, aber erspart immer die neueste Software kaufen zu müssen. https://helpx.adobe.com/de/photoshop/using/adobe-dng-converter.html

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