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Test: iPhone SE

Dieser Zwerg macht keine Gefangenen.

von Klaus Zellweger 07.04.2016

Die Anhänger des iPhones sind nicht dafür bekannt, dass sie sich gerne in technischen Details suhlen. Doch wenn es um die Display-Grösse geht, hört der Spass auf: Viele haben es bis heute nicht verkraftet, dass das Display mit dem Erscheinen des iPhone 6 von 4 Zoll auf 4.7 Zoll angewachsen ist.

Und diese Gruppe ist keine Randerscheinung: Gemäss Apple wurden 2015 über 30 Millionen iPhones mit 4-Zoll-Display verkauft; namentlich das iPhone 5s und das unterdessen eingestellte iPhone 5c. Und das, obwohl die Geräte längst nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik waren. Doch das ist Schnee von gestern: Das iPhone SE manifestiert sich zwar im Kleid eines iPhone 5s, doch im Inneren schlummert die Technik des topaktuellen iPhone 6s.

Neuzugang in Apples Oberliga Neuzugang in Apples Oberliga Zoom© Apple, Inc.

Die Form macht’s

Das Finish des iPhone SE weicht kaum sichtbar von der Vorlage ab. Die Satinierung der Oberfläche ist ein wenig stärker ausgeprägt, die Kanten nicht mehr auf Hochglanz poliert. Und das waren sie auch schon: subtile, aber gefällige Änderungen. Doch die «alte» Form bringt auch handfeste Vorzüge:

Massenhaft Zubehör. Gestandene iPhone-5-Anwender können alle Hüllen, Schutzgehäuse, Schlaufen usw. weiterverwenden. Und auf die Einsteiger wartet ab dem ersten Tag eine riesige Auswahl an Zubehör.

Hervorragende Ergonomie. Einige lieben das kantige Gehäuse, andere finden es ein wenig altbacken. Unbestritten ist jedoch die bessere Ergonomie, die beim iPhone 6s oft genug an eine nasse Seife erinnert. Das iPhone SE liegt hervorragend in der Hand – auch oder gerade dann, wenn das Gerät als Kamera bedient wird und der Lautstärkeregler zum Auslöser wird:

Die Ergonomie überzeugt auf der ganzen Linie Die Ergonomie überzeugt auf der ganzen Linie Zoom© ze / PCtipp

Die Welt ist mein Stativ. Apropos Kamera: Das kantige Gehäuse sorgt auch dafür, dass jede glatte Fläche zu einem Stativ wird. Wenn dann auch noch die Apple Watch als Fernauslöser mit Bildvorschau verwendet wird, kann die Selfie-Kamera auf der Vorderseite einpacken. Doch auf die Foto- und Videoqualitäten kommen wir später im Detail zu sprechen.

Das iPhone SE steht stramm, die Apple Watch löst aus Das iPhone SE steht stramm, die Apple Watch löst aus Zoom© ze / PCtipp

Vergleich mit dem iPhone 6s

Und wie schlägt sich das iPhone SE im Vergleich zu seinem direkten Konkurrenten, dem iPhone 6s? Die genauen Spezifikationen aller iPhones finden Sie hier im direkten Vergleich. In dieser Tabelle erfahren Sie zum Beispiel, dass dem iPhone SE der Barometer fehlt. (Falls Sie sich jetzt fragen: «Im 6s wurde ein Barometer verbaut!?», dann sind Sie mit dieser Verwunderung ganz bestimmt nicht allein.)

Der Unterschied liegt auf der Hand Der Unterschied liegt auf der Hand Zoom© ze / PCtipp

3D Touch. Das iPhone 6s bietet 3D Touch. So lassen sich mit stärkerem Druck auf das Display Voransichten von E-Mails anzeigen. Oder kontext-bezogene Befehle einblenden, sodass die Kamera-App direkt im Video-Modus startet. Und so weiter.

3D Touch bleibt dem iPhone 6s vorbehalten 3D Touch bleibt dem iPhone 6s vorbehalten Zoom

Auflösung. Die Auflösung des Displays ist beim iPhone 6s ein wenig höher (1334 × 750 Pixel gegen 1136 × 640 Pixel). Die Pixeldichte der beiden Geräte liegt jedoch bei exakt 326 ppi.

Touch ID und Apple Pay. Während das iPhone SE mit dem Fingerscanner der ersten Generation ausgestattet ist, kommt das iPhone 6s mit der deutlich schnelleren Touch ID 2. Apropos Fingerscan: Apples Bezahldienst Apple Pay wird auch vom iPhone SE unterstützt – falls er es irgendwann in die Schweiz schafft.

Wie wichtig sind diese Unterschiede?

Technisch ist das iPhone SE also mit dem langsameren Fingerscanner bestückt und das druckempfindliche Display für 3D Touch fehlt. In der Praxis dürften beide Themen keine allzu grosse Rolle spielen, auch wenn das natürlich eine Sache der persönlichen Vorlieben ist.

Die Touch ID 2 des iPhone 6s ist zum Beispiel so schnell, dass ich mir bis heute nicht sicher bin, ob das überhaupt als Vorteil gewertet werden kann. Ich musste mir angewöhnen, für einen kurzen Blick auf den Sperrbildschirm den Standby-Schalter zu drücken, weil das Gerät über die Home-Taste sofort entsperrt wird – selbst, wenn das gar nicht in meiner Absicht lag.

3D Touch ist hingegen wirklich praktisch. Leider habe ich diese Technologie bis heute nicht ganz verinnerlicht: Bei einigen Drittanbieter-Apps funktioniert 3D Touch, bei anderen nicht. Ausserdem weiss man nie genau, was bei einem stärkeren Druck ausgelöst wird, denn die verschiedenen Apps verfolgen verschiedene Absichten. Kurz, ich verwende 3D Touch längst nicht so häufig, wie es diese raffinierte Technik verdient hätte – aber auch das ist lediglich eine persönliche Einschätzung.

Rechenleistung und Akku

Prozessor. Im Inneren verrichtet Apples eigener 64-Bit-Prozessor seinen Dienst, genauer: der brandaktuelle A9. Im direkten Leistungsvergleich mit Geekbench 3 bringt es das iPhone SE auf 4453 Punkte. Das iPhone 6s wiederum heimst sogar einige Punkte weniger ein: 4441, um genau zu sein. Doch das sind messbedingte Abweichungen. Es steht also unentschieden, so wie es die technischen Daten nicht anders vermuten lassen.

Schnell und kompakt. Aber vor allem schnell. Und so niedlich! Schnell und kompakt. Aber vor allem schnell. Und so niedlich! Zoom© ze / PCtipp

Einsatzgebiete. Die Leistung des A9 reicht aktuell für alles: für die 4K-Videoverarbeitung, die Bildverarbeitung, OCR-Vorgänge bei der Dokumentverwaltung und natürlich für aufwendige Spiele mit spektakulären Effekten. Letztere stützen sich auf Apples eigene Grafikumgebung Metal; sie erlaubt grafische Darstellungen, die das iPhone SE in die Nähe einer PS3 oder Xbox 360 rücken.

Der Apple A9 und die «Metal»-Architektur ermöglichen aufwendige Effekte Der Apple A9 und die «Metal»-Architektur ermöglichen aufwendige Effekte Zoom© Apple, Inc.

Akkuleistung. Wie immer ist die Akkuleistung schwer zu beziffern, weil die Nutzerprofile so unterschiedlich sind. Apple selbst attestiert dem iPhone SE etwa 50 Prozent mehr Leistung, als dem iPhone 5s. Bei unserem ausgewogenen Mix aus Spielen, Surfen und Internet-Tätigkeiten zeigte die Anzeige am Ende eines Tages immerhin noch 42 Prozent. Das iPhone SE führt also zuverlässig durch den Tag.

Preisvergleich

Und wo steht das iPhone SE preislich? Die direkte Konkurrenz erwächst durch das iPhone 6s, das technisch weitgehend identisch ist. Die Preise im Detail:

iPhone SE vs. iPhone 6s
iPhone 6s mit 16 GB: 759 Franken
iPhone SE mit 16 GB: 479 Franken

iPhone 6s mit 64 GB: 879 Franken
iPhone SE mit 64 GB: 599 Franken

Kurz, bei nahezu gleicher Leistung kostet das iPhone SE in jeder Konfiguration 280 Franken weniger – und das ist für Apples Verhältnisse eine dicke Ansage!

iPhone SE vs. iPhone 6

Der Vollständigkeit halber wollen wir noch den Preisvergleich mit dem iPhone 6 anstellen, das weiterhin im Sortiment bleibt:

iPhone 6 mit 16 GB: 639 Franken
iPhone SE mit 16 GB: 479 Franken

iPhone 6 mit 64 GB: 759 Franken
iPhone SE mit 64 GB: 599 Franken

Selbst in dieser Gegenüberstellung kostet das das iPhone SE ganze 160 Franken weniger, obwohl das iPhone 6 technisch unterlegen ist: beim Prozessor, bei der Kamera und bei zahlreichen internen Details.

Damit wird das iPhone SE gleich in zweifacher Hinsicht interessant: sowohl für die Anhänger kleiner Smartphones, als auch für jene Interessenten, die den preiswerten Einstieg in Apples Oberliga suchen.

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Tags: iPhone, Apple
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