Bewegungssteuerung Leap Motion im Fuchteltest

von Hannes Weber 15.08.2013

Leap Motion ist seiner Zeit voraus

Leap Motion, das ist also Licht und Schatten. Auf der einen Seite eine futuristisch anmutende und beeindruckend akkurate Technologie zu einem für jeden erschwinglichen Preis. Und ein Potenzial, das von einzelnen Apps und in bestimmten Anwendungsszenarien zumindest angedeutet wird.

Auf der anderen Seite aber auch die Erkenntnis, dass diese Art der Steuerung wohl zumindest mittelfristig weder Tastatur und Maus noch Touchscreens ersetzen wird. Dies hat einen einfachen Grund: Die dritte Dimension eröffnet zwar Leap Motion ganz neue Möglichkeiten, macht das Ausführen von gezielten Bewegungen aber auch wesentlich anspruchsvoller und anstrengender, zumal wir im leeren Raum keinerlei physischen Anhaltspunkte haben. Der Touchscreen aber ermöglicht es uns dank seiner physischen Oberfläche, viel direkter und unmittelbarer mit der Nutzeroberfläche zu interagieren. Diese Art der Bedienung erscheint uns deshalb grundsätzlich wesentlich intuitiver als das etwas orientierungslose Herumgefuchtel in der Luft.

Windows (und auch alle anderen gegenwärtigen Computerbetriebssysteme) basieren auf einer zweidimensionalen Benutzeroberfläche. Diese ist für den Einsatz von zweidimensionalen Eingabegeräten wie der Maus konzipiert. Wenn wir Windows mit Leap Motion steuern, versuchen wir eigentlich nichts anderes, als zweidimensionale Touch-Gesten in einem dreidimensionalen Raum auszuführen. Die zusätzliche Dimension kommt uns hier nicht entgegen, sondern erschwert im Gegenteil die Präzision. Um eine effiziente und komfortable Steuerung im dreidimensionalen Raum zu ermöglichen, müsste man ein Betriebssystem von Grund auf dafür konzipieren. Oder anders gesagt: Leap Motion ist seiner Zeit wohl einfach voraus.

Aus diesem Grund – und auch, weil momentan einfach noch zu wenig sinnvolle Apps und funktionierende Implementierungen existieren – ist Leap Motion im Moment nicht mehr als eine nette Spielerei, die uns einen Vorgeschmack darauf gibt, wie wir vielleicht dereinst mehrheitlich mit Computersystemen interagieren werden.

Fazit: Eine beeindruckende Technologie, der es aber noch an guter Software und sinnvollen Anwendungen fehlt. Es bleibt zudem die Erkenntnis, dass Windows und Co. für diese Art der Bedienung noch nicht reif sind. In seiner jetzigen Form kann Leap Motion weder Maus und Tastatur noch den Touchscreen ersetzen. Als witzige Ergänzung für experimentierfreudige Gadget-Freaks ist das Gerät dennoch eine Empfehlung wert, zumal es auch nicht die Welt kostet.

  • Leap Motion

    Positiv:
    Beeindruckende Technologie und Präzision, einfache Einrichtung, Preis
    Negativ:
    Anstrengende Bewegungssteuerung, wenig Apps, kann andere Eingabegeräte nicht ersetzen
    Details:
    Bewegungssteuerung mit Infrarotsensoren und Kameras, USB 2.0, inkl. zwei USB-Kabel, ab Windows 7 oder Mac OS X 10.7, ca. 80 x 30 x 12,7 mm, 32 g
    Strassenpreis:
    Fr. 129.-
    Info:
    www.leapmotion.com
    PCtipp-Bewertung:
    3 Sterne

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