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Test: Fujifilm X100S

Die Fujifilm X100S setzt mit ihren Qualitäten eine neue Marke; und hat das Zeug zum Kultobjekt.

von Klaus Zellweger 25.03.2013

Die Philosophie der X-Serie lässt sich auf wenige Worte reduzieren: High-Tech, verpackt in attraktives Retro-Design. 2011 nahm diese Modellreihe mit der Fujifilm X100 ihren Anfang, gefolgt von der kleinen X20 und den grossen Brüdern, der X-Pro1 und der X-E1. Nun hat der Archetyp der Serie sein erstes Upgrade erfahren.

Äusserlich ist die X100S vom Vorgängermodell kaum zu unterscheiden. Das Design wirkt wie aus den späten 60-er Jahren. Das Magnesium-Gehäuse ist hochwertig verarbeitet und fühlt sich grundsolide an. Verschlusszeit, Blende und Belichtungskorrektur werden mechanisch verstellt – ein Geschenk des Himmels für alle, die winzige Tasten und Einstellungen am Display gründlich satt haben.

Unwiderstehlich: Mechanische Bedienelemente Unwiderstehlich: Mechanische Bedienelemente Zoom

Die Automatiken folgen einem einfachen Muster. Sowohl der Blendenring als auch das Verschlusszeitenrad sind mit der Stellung «A» ausgerüstet. Wenn beide «A»s aktiviert sind, gilt die Programmautomatik, ansonsten entweder Zeit- oder Blendenvorwahl. Wenn beide Automatiken ausgehebelt werden, erfolgt die Belichtung manuell. Alles ganz einfach.

X-Trans-Sensor der zweiten Generation

Den mechanischen Bedienelementen zum Trotz lauert im Inneren modernste Technik. Der Sensor im APS-C-Format löst mit 16 Megapixeln auf. Allerdings handelt es sich bei der Farbfilter-Anordnung nicht um das klassische Bayer-Muster, sondern um Fujifilms X-Trans-Sensor der zweiten Generation:

Links das klassische Bayer-Muster, rechts der X-Trans-Sensor der X100S Links das klassische Bayer-Muster, rechts der X-Trans-Sensor der X100S Zoom

Dieser wartet mit einer gänzlich anderen Farbfilter-Anordnung auf, eingeteilt in 6x6 Pixel grosse Einheiten. Dadurch sind in jeder Reihe des Sensors sämtliche RGB-Farbinformationen enthalten, was zu einer deutlich verbesserten Farbwiedergabe führt.

Diese Anordnung simuliert ausserdem das zufällig angeordnete Korn analoger Filme. Damit lässt sich die Bildung von Moirés verhindern, die zum Beispiel bei geometrischen Mustern auf Kleidungsstücken auftreten können. Als direkte Folge verzichteten die Ingenieure bei Fujifilm auf einen vorgeschalteten Tiefpassfilter, der durch eine leichte Unschärfe solche Interferenzen reduziert; als direkte Folge sind schärfere Bilder möglich.

Die Optik

Die X100S ist mit einem fest verbauten 35-mm-Objekt bestückt (bezogen auf KB). Die maximale Lichtstärke liegt bei f/2.0. Der mechanische Blendenring rastet in Drittelstufen ein. Gleich dahinter befindet sich der Ring für die manuelle Fokussierung. (Dazu später mehr.) Die Bewegung der Linsen ist keine direkte Folge der Drehbewegung am Fokussiering; stattdessen wird sie durch die Elektronik gesteuert. Allerdings ist dieser kleine Trick gefühlsmässig kaum von einem mechanischen Schneckengang zu unterscheiden.

Der mechanische Blendenring und der Fokussierring Der mechanische Blendenring und der Fokussierring Zoom

Das Objektiv kassiert denn auch die ersten Kritikpunkte. Im Lieferumfang ist keine Sonnenblende enthalten – bei einer Kamera in dieser Preisklasse eine schwere Unterlassungssünde. Ausserdem fehlt am Objektiv ein Filtergewinde. Wer beides will, muss tief in die Tasche greifen: Die Sonnenblende LH-X100 kostet rund 70 Franken. Mit dabei ist der Adapter, dessen Filtergewinde einen Durchmesser von 49 mm aufweist.

Der Sucher

Genau wie bei der alten X100 arbeitet das neue Modell mit einem hybriden Sucher. Dieser funktioniert je nach Anforderung analog oder komplett digital.

Digitale Informationen werden in den analogen Sucher eingespiegelt Digitale Informationen werden in den analogen Sucher eingespiegelt Zoom

Der digitale Sucher zeigt das Bild exakt so, wie es der Sensor aufzeichnen wird – inklusive Belichtung, Tiefenschärfe, Effekte und mehr. Durch das Betätigen des Hebels auf der Vorderseite schaltet die Kamera vom digitalen zum optischen Sucher um. Jetzt blickt der Fotograf einfach durch eine Stück Glas. Alte Schule vom Feinsten.

Der leicht zugängliche Sucherhebel schaltet zwischen den Darstellungen um Der leicht zugängliche Sucherhebel schaltet zwischen den Darstellungen um Zoom

Allerdings ist die Geschichte damit nicht zu Ende. Informationen zur Blende, Verschlusszeit und mehr werden beim optischen Sucher in das Sichtfeld gespiegelt. So geniesst man die Vorzuge aus beiden Welten.

Sucheranzeigen (Bild: Fujifilm) Sucheranzeigen (Bild: Fujifilm) Zoom

Die Anzeige lässt sich bis ins Detail konfigurieren, sodass der Fotograf genau jene Informationen zu sehen bekommt, die er als wichtig erachtet. Die Einstellungen für das Display werden wiederum separat vorgenommen, so dass jeder noch so individuelle Wunsch erfüllt wird.

Links vom Sucher befindet sich ein Drehrad, mit dem sich Sehschwächen zwischen ?2 und +1 Dioptrien korrigieren lassen. Leider weist dieses Rädchen überhaupt keine Markierungen auf und zeigt noch nicht einmal die Null-Stellung. Man muss sich also im wahrsten Sinn des Wortes an die optimale Korrektur herantasten. Rechts vom Sucher befinden sich die Annährungssensoren; sie schalten automatisch vom Display zum Sucher um, wenn die Kamera vors Gesicht gehalten wird.

Das Okular mit Dioptrienkorrektur und Sensoren Das Okular mit Dioptrienkorrektur und Sensoren Zoom

Der Blitz

Besonderes Augenmerk verdient der integrierte Blitz, der den Blitzschuh ergänzt. Die winzige Funzel befindet sich direkt über dem Objektiv. Mit ihren Abmessungen eignet sie sich nicht für die Ausleuchtung einer Szene, wohl aber zum Aufhellen von Schatten im grellen Sonnenlicht.

    Zoom

Der eingebaute Blitz ist auch deshalb eine hochwillkommene Ergänzung, weil er als Commander für eine Blitzanlage verwendet werden kann! Das Abfeuern des Blitzes löst also die Studioblitz-Anlage aus, ohne dass er selbst in die Belichtung pfuscht.

Die wichtigsten Bedienelemente

Die Bedienung hat gegenüber dem Vorgänger-Modell eine deutliche Verbesserung erfahren. Das Q-Menü der X-Pro1 und X-E1 hält nun auch bei der X100S Einzug. Es zeigt neben dem konventionellen Menü in Listenform die 16 wichtigsten Funktionen auf einem Raster. Aufgerufen wird es über eine eigene Taste, bedient wird es mit dem Wippschalter.

Das Q-Menü erlaubt den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen Das Q-Menü erlaubt den schnellen Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen Zoom

Bereits nach kurzer Zeit geht die Bedienung erstaunlich schnell von der Hand, weil man sich ganz einfach die Position einer Einstellung merkt. Filmsimulationen? Immer ganz rechts bleiben, dann die zweite Reihe von oben. Kein Vergleich zu ellenlangen Menüs, die man bei jeder Änderung durchblättern muss.

Der am häufigsten verwendete Befehl wird ausserdem auf die Fn-Taste gelegt und steht ab sofort auf Knopfdruck bereit. Die Zuteilung dieser Taste lässt sich schnell ändern, indem sie einfach ein wenig länger gedrückt und anschliessend neu belegt wird.

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    Kommentare

    • Schorschl 25.03.2013, 21.12 Uhr

      huiiiiiii.... endlich mal ein echter test. okay, vielleicht keiner mit labormessungen aber so viel test wie in diesem test war hier glaube ich noch nie in einem test. ich bin begeistert...

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