Huawei HarmonyOS: flink, universell und schlank

Hersteller Huawei hat an der hauseigenen Entwicklermesse HarmonyOS als neues All-in-One-Betriebssystem vorgestellt. Die Multi-Device-Software will smarte Geräte optimal verbinden. PCtipp berichtet live.

von Daniel Bader ,Florian Bodoky 09.08.2019

Auf der Huawei Developer Conference (HDC 2019, am 9.8.2019) in Dongguan, China hat der Lösungsanbieter und Smartphone-Hersteller Huawei offiziell die Einführung von HarmonyOS, seines neuen Betriebssystems auf Mikrokernel-Basis, bekannt gegeben. Was sich komplex anhört, hat einen simplen Ansatz: Das Betriebssystem verfolgt einzig das Ziel, ein einheitliches Benutzererlebnis für alle Geräte und Szenarien zu bieten, um Abläufe smarter IT-Geräte massiv zu vereinfachen und zu beschleunigen.

Auf der Keynote, die von Richard Yu, CEO der Consumer Business Group von Huawei, eröffnet wurde, gab es dazu schon recht konkrete Vorstellungen: «Ziel von HarmonyOS ist es, ein Betriebssystem mit plattformübergreifenden Funktionen zu entwickeln, um eine breite Palette von Geräten, Diensten und Plattformen optimal verflechten zu können.» Damit so Yu weiter, «unterscheide man sich grundlegend von den Android- und iOS-Varianten». Dreh- und Angelpunkt ist dabei das Mikrokernel-basierte, verteilte Betriebssystem. Fokussiert wird dabei auf alles, was «smart» ist. Konkret sind das Smartwatches, Smart-TVs, der Automotivsektor wie auch intelligente Lautsprecher und natürlich Smartphones als zentrales Element. Durch das Zusammenfügen dieser Komponenten will Huawei unterm Strich ein geräteübergreifendes Ökosystem verwirklichen.

Die Technik dahinter

Um dies auch in der Praxis umzusetzen, setzt der chinesische Hersteller in HarmonyOS auf eine verteilte Architektur mit einer Art virtuellem Datenbus-System. Vergleichbar ist die Technologie mit einer Highspeed-Verbindung, ähnlich wie sie bereits bei modernen Routern in der Anwendung ist. Sie nehmen eine Priorisierung der Daten vor. Will heissen: Die Netzwerkknoten senden und empfangen Daten immer parallel, wichtige Datenpakete werden dabei unverzüglich von A nach B transportiert, weniger bedeutsame wiederum sind hinten angestellt, um ein Stocken des Streams zu verhindern. Der Vorteil: Der gesamte Datenverkehr wird beschleunigt, da die Abarbeitung durch die verteilte Datenverwaltung/-steuerung unterm Strich schneller stattfindet. Weitere Pluspunkte sind kurze Reaktionszeiten, die effiziente Nutzung der zur Verfügung stehenden Bandbreite sowie der geringe Energieverbrauch des Ökosystems.

Zweiter grosser Pluspunkt, den Yu ankündigte: HarmonyOS wird (wie auch Android) als Open-Source-Plattform verfügbar sein, ist also für Entwickler frei zugänglich. Herz ist dabei der sogenannte ARK-Compiler, eine Art Black Box. Der Compiler unterstützt dabei mehrere Programmiersprachen (C/C++, JavaScript, Kotlin), um sich für Programmier möglichst attraktiv zu machen. Den Entwicklern gibt Huawei ein passendes App-Kit an die Hand, so versprach es Yu auf der Pressekonferenz. Sicherheitstechnisch trennt Huawei bei HarmonyOS den Mikrokern vom übrigen System, was nach Meinung von Yu die gesamte Sicherheit signifikant erhöht.

So geht es mit HarmonyOS weiter

Im ersten Schritt wird Huawei mit HarmonyOS 1.0 in seinen Smart-Screen-Produkten eingesetzt, die noch 2019 in erster Linie für den asiatischen Raum lanciert werden. Ein Jahr später, also 2020, werden, laut Absicht von Huawei, weitere smarte Geräte wie Wearables, Sicherheitskameras, IoT-Geräte («Internet of Things») und Head Units (Sensoren und Navigationselemente) in Autos unterstützt. Die terminliche Planung bewegt sich dabei insgesamt über einen Zeitraum von drei Jahren.

Nicht eigens aufgeführt sind Smartphones. Yu betonte, dass eine Weiterarbeit mit Android und Google angestrebt werde, dass HarmonyOS aber natürlich auch für Mobiltelefone eingesetzt werden könnte. Ein klares Zeichen an die an dem Handelsstreit beteiligten Parteien.


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