Huawei enthüllt Fotoprofi P20

Der chinesische Mobile-Hersteller Huawei hat heute in Paris die P20-Familie vorgestellt. Der Fokus liegt auf Kamera und KI.

von Florian Bodoky 29.03.2018

Vor mehr als doppelt so vielen Gästen wie erwartet, darunter natürlich PCtipp, stellte Huawei im Grand Palais in Paris seine neue Smartphone-Kreation vor: das P20. Richard Yu, CEO der Huawei Consumer Business-Group, erklärte diese Aufgabe kurzerhand zur Chefsache und griff selber zum Mikrophon. Nach einer enthusiastischen Präsentation mit zahllosen Beispielen für Kamera- und KI-Performance griff PCtipp selber zum Gerät, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.

Kamera sagt Konkurrenz den Kampf an

Im Zentrum des neuen Smartphones steht zweifelsohne die Kamera. Huawei liess sich nicht lumpen und baute auf der Rückseite gleich drei Linsen ein. Eine Auflösung von 40 Megapixeln soll das Trio produzieren. Wer nun die Augen verdreht und an gigantistische Specs-Prahlerei denkt, wird, in der Theorie, erstmal eines Besseren belehrt.

Die Lite-Version hat den Fingerprint-Reader hinten Die Lite-Version hat den Fingerprint-Reader hinten Zoom© Huawei

Der Aufbau der Triplette hört sich durchaus durchdacht an: Ein 40-Mpx-RGB-Sensor wird durch einen 20-Mpx-Monochrom-Sensor für den Kontrast sowie einen 8-Mpx-Sensor mit 80-Millimeter-Teleobjektiv und dreifach optischem Zoom ergänzt. In der Top-Class-Version, dem P20 Pro, wurde eine NPU (Neural Processing Unit) für die KI verbaut. Die Objekterkennung der KI, die bereits im vergangenen Herbst beim Mate 10 Pro eingesetzt wurde, wurde auf 19 verschiedene Motivkategorien ausgebaut. So soll das Gerät in Sekundenbruchteilen Porträts, Natur, Indoor, Blumen und sonstige Fotoobjekte erkennen und kategorisieren können. Die entsprechenden Adaptierungen der Kameraeinstellungen sollen auf dem Fusse folgen. 

Für Selfie-Maniacs wurde an der Front eine 24-Mpx-Cam mit 3D-Porträt und verschiedenen Beauty-Modes verbaut. Auch hier soll die KI unterstützend wirken und dem User vorschlagen, welche Art von Modus sich für das vor der Linse befindliche Gesicht eignet. 

Für On-the-go-Fotos hat der Hersteller mit AIS einen eigenen Sechs-Achsen-Bildstabilisator entwickelt, der ebenfalls für Videos funktionieren soll. 

Adieu Klinke, aber Huawei versucht, es wieder gutzumachen

Das P20 ist trotz Pro-Version ein High-End-Gerät für vergleichsweise wenig Geld Das P20 ist trotz Pro-Version ein High-End-Gerät für vergleichsweise wenig Geld Zoom© Huawei

Des einen Freud, des andern Leid: Der Klinken-Port feiert langsam, aber stetig seinen Abgang. Allerdings legt Huawei seinen drei P20 (Lite, P20 und Pro) einerseits ein Paar USB-C-Kopfhörer bei – und andererseits gehen die Chinesen einen technologischen Weg: Die Audio-Wiedergabe über Bluetooth unterstützt nun einen Durchsatz von bis zu 990 Kbit/s. Besonders für den gemeinen Durchschnitts-Streamer dürften damit Unterbrüche der Vergangenheit angehören (wobei sie das sowieso schon tun, zumindest bei Headphones mit AptX-Unterstützung). 

Lernfähig zeigte sich Huawei auch bei den Speakern: Nachdem das beim P10 definitiv zu den Schwächen gehörte (siehe Test bei PCtipp), hat man beim P20 und dem P20 Pro für Dolby Atmos und AC-4-Decoding-Unterstützung gesorgt. 

Die Geräte in der Übersicht

Das P20 Pro gibts in Twilight. Je nach Lichteinfall ändert es die Farbe Das P20 Pro gibts in Twilight. Je nach Lichteinfall ändert es die Farbe Zoom© Huawei

Kommen wir vom Speziellen zum Allgemeinen: Die P20-Serie besteht aus dem regulären P20, der abgespeckten Lite- und der vollbepackten Pro-Version. Das 6,1 Zoll grosse Pro verfügt über 6 GB RAM, 128 GB Speicher und einen 4000-mAh-Akku. Das P20 kommt mit 4 GB RAM, einer 20-Mpx- Kamera, 128 GB Speicher und einem 3400-mAh-Akku hinter dem 5,8-Zoll-Display. Das Lite unterscheidet sich auch optisch: Zwar hat es auch den Notch, jedoch keinen Front-Fingerprint-Reader. Dieser ist, wie schon beim P10 Lite, auf der Rückseite zu finden. 

Die Geräte sind in verschiedenen und je nach Version unterschiedlichen Farben zu haben. Verkaufsstart in der Schweiz ist für das Lite heute, fürs P20 und P20 Pro muss man sich noch bis zum 6. April gedulden. Die Preise belaufen sich auf 399 (Lite), 699 und 899 Franken (Pro).

Erster Eindruck

Die Pro-Version, die wir austesten durften, ist eine harte Kampfansage an das iPhone X und das Galaxy S9. In Sachen Kamera hat es Potenzial zum Marktleader, auch haptisch vermag das Gerät zu überzeugen. Der Notch, ein klarer Abklatsch des iPhone X, stört nicht so sehr. Einzige Frage, die wir uns stellten: Glasrückseite und kein Wireless-Charging. Wieso? Ein ausführlicher Test des P20 folgt kommende Woche beim PCtipp.


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