News 17.12.2015, 10:44 Uhr

Brasilianischer Staat blockiert WhatsApp

Wegen mangelnder Kooperation in einem Strafverfahren wurde der beliebte Nachrichtendienst WhatsApp in Brasilien blockiert.
Der in Brasilien von Millionen Menschen genutzte Nachrichtendienst WhatsApp ist wegen mangelnder Kooperation in einem Strafverfahren landesweit blockiert worden. Seit 23.30 Uhr in der Nacht zu Donnerstag war der Dienst abgeschaltet, wie Nutzer berichteten. Die Blockade war von einem Gericht in Sao Bernardo do Campo im Bundesstaat Sao Paulo kurzfristig für 48 Stunden bis Freitagabend angeordnet worden. Das Gericht hatte die Telefongesellschaften am Mittwochabend dazu aufgefordert.
Hintergrund ist ein Strafverfahren, in dem der Anbieter nicht kooperiert haben soll. Worum es in dem strittigen Strafverfahren geht, war zunächst unklar. Im Februar war eine landesweite Blockade noch von einer Berufungsinstanz zurückgewiesen worden. Damals ging es laut Medienberichten um die Herausgabe von Daten an die Polizei im Zusammenhang mit einem Pädophilie-Fall.
Im aktuellen Fall soll WhatsApp auf einen Gerichtsbeschluss vom 23. Juli nicht reagiert haben. Am 7. August sei die Blockade angedroht worden. Da wieder keine Reaktion erfolgt sei, habe die Staatsanwaltschaft die bisher beispiellose Sperrung im fünftgrössten Land der Welt verfügt. Brasilien gilt als eines der Länder mit den meisten Nutzern des Dienstes. Schätzungen gehen von über 35 Millionen aus. 
In ersten Reaktionen reagierten die Brasilianer mit Humor auf den Ausfall der Kommunikationsplattform. «R.I.P WhatsApp - Ich habe dich sehr geliebt», «Betet für WhatsApp» und: «Lasst uns küssen, bis WhatsApp wiederkommt», lauteten Kommentare bei Twitter.
Aber nicht überall sorgt der brasilianische WhatsApp-Block für Frust: das russische Unternehmen Telegram gehört zu den grossen Gewinnern der Affäre. Telegram ist ebenfalls eine Messaging-App und Konkurrent von WhatsApp. Seit der Sperre hat Telegram eine Million neue Nutzer dazugewonnen, wie der Blog PhonesGSM vermeldet.


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