Kopfhörer-Tipps 03.04.2024, 11:30 Uhr

Kopfhörer-Guide

Den richtigen Kopfhörer zu finden, ist alles andere als einfach. Nicht immer ist der Teuerste der Beste und der Billigste der Schlechteste. Dank unserem Ratgeber wissen Sie, worauf es beim Kopfhörerkauf ankommt. 
(Quelle: Shutterstock/Buravleva stock)
Kopfhörer gibt es in vier Formfaktoren: Earbuds, In-Ears, On-Ears und Over-Ears, Bild 1. Sie sollten sich unbedingt vorher Gedanken machen, was Ihnen wichtig ist. Kleine Kopfhörer sind vor allem praktisch, wenn Sie oft unterwegs sind. Sie sind leicht und lassen sich in jeder Hosentasche verstauen. Dafür ist ihr Klang nicht ganz so gut wie bei grossen Over-Ear-Kopfhörern.
Letztere haben dafür den Nachteil, dass sie schwerer sind, was sich vor allem bei längerem Tragen im Nacken bemerkbar machen kann. Sie sollten auch beachten, dass Over-Ears im Sommer ziemlich warm geben und so für schwitzige Ohren sorgen können, wenn Sie unterwegs sind.
Bild 1: Von links oben im Uhrzeigersinn: Earbuds, In-Ears, Over-Ears und On-Ears
Quelle: PCtipp.ch

Was sind Treiber und welche Grösse ist besser?

Treiber sorgen dafür, dass wir den Klang hören. Bei In-Ear-Kopfhörern sind Treiber meist zwischen 6 und 13 Millimeter gross, bei Over-Ears beginnen sie bei 30 Millimetern. Oft wollen uns die Kopfhörerhersteller weiss machen, dass grössere Treiber besseren Sound liefern. Das ist allerdings nicht ganz korrekt, da verschiedene Faktoren eine Rolle spielen.
Kopfhörer mit grösseren Treibern haben einen satteren, lauteren Bass, was vor allem bei moderner Musik als besserer Sound interpretiert wird. Allerdings haben grosse Treiber den Nachteil, dass sie Höhen schlechter wiedergeben und das Klangbild verzerren können.
Daher die Faustregel: Setzen Sie in der jeweiligen Kopfhörerkategorie nur auf die grössten Treiber, wenn Ihnen ein wummernder Bass wichtig ist.

Sorgt ein Klinkenanschluss für besseren Sound?

Bild 2: Falls Sie Kabel-Kopfhörer beim Smartphone nutzen, dann besser digitales USB statt analoge Klinke
Quelle: PCtipp.ch
Noch immer haben kabelgebundene Kopf­hörer mit 3,5-Millimeter-Klinkenstecker den Ruf, bessere Audioqualität zu liefern. Zumindest bei Smartphones oder Tablets ist das nicht der Fall. Auf diesen Geräten ist Musik in digitaler Form vorhanden. Um diese auf Kopfhörern mit Klinkenanschluss wiederzugeben, muss das digitale Signal in ein analoges umgewandelt werden – was einen Qualitätsverlust bedeutet. Bei einem kabelgebundenen Kopfhörer ist ein USB-C-Anschluss also die bessere Wahl, wenn Sie ihn mit Ihrem Smartphone verbinden möchten, Bild 2, – ausser Ihr Smartphone hat einen sehr guten Digital/Analog-Wandler (DAC).

Was ist Active Noise Cancellation?

Diese Bezeichnung finden Sie heutzutage auf fast allen Verpackungen, meist abgekürzt als «ANC». Dank ausgeklügelter Technologie werden mittels aktiver Geräuschunterdrückung unerwünschte Umgebungsgeräusche reduziert. Die aktive Geräuschunterdrückung sorgt also für ein ruhigeres Hörerlebnis, erhöht bei kabellosen Kopfhörern aber auch den Akkuverbrauch.

Kabellose Kopfhörer

Seit dem Smartphone-Boom hören immer mehr Menschen Musik über kabellose Kopfhörer. Bei diesen gibt es einiges zusätzlich zu beachten.

Welche Bluetooth-Version?

Ein kabelloser Kopfhörer verbindet sich via Bluetooth mit Ihrem Abspielgerät. Dabei kann die Bluetooth-Version unter anderem darüber entscheiden, wie stabil die Verbindung zwischen Kopfhörer und Abspielgerät ist. Und genau hier sparen Hersteller von billigen Kopfhörern gerne, indem sie einen älteren Blue­tooth-Standard verbauen. Die aktuelle Version ist 5.3. Achten Sie beim Kauf darauf, dass mindestens Blue­tooth 5.2 unterstützt wird.

Was ist ein Codec und wieso ist er so wichtig?

Ein Codec bestimmt, wie die Bluetooth-Übertragung vom Quellgerät zu Ihrem Kopfhörer erfolgt. Er kodiert und dekodiert digitale Audiodaten in ein bestimmtes Format. Je nach Codec kann die Qualität dabei besser oder schlechter sein. Vor allem kabellose Kopfhörer hatten es anfangs schwer, an die Audioqualität einer CD heranzukommen. Inzwischen können erste Kopfhörer dank des modernen Codecs LDAC die Musik beinahe in CD-Qualität wiedergeben. Ein weiterer sehr guter Codec ist aptX HD, der allerdings nicht ganz an LDAC herankommt.
Wichtig: Wenn Sie Musik mit LDAC oder aptX HD hören möchten, müssen Ihr Kopf­hörer sowie Ihr Abspielgerät diesen Codec unterstützen. Bei Android-Smartphones haben viele Flaggschiff-Geräte beide Codecs ab Android 8.0 integriert, während Apples iPhones beide Codecs aktuell nicht unterstützen.

Wireless vs. True Wireless – was ist der Unterschied?

Moderne, kabellose Kopfhörer werden oft als «True Wireless» (abgekürzt TWS) vermarktet. Dies bedeutet, dass sie komplett ohne Kabel auskommen. Der Unterschied zu kabellosen Kopfhörern mit der Bezeichnung «Wireless» steckt im Detail: Auch diese werden kabellos mit dem Smartphone verbunden, haben allerdings ein Kabel, das den linken und rechten Kopfhörer verbindet.
On-Ear- und Over-Ear-Kopfhörer sind also keine True-Wireless-Kopfhörer. Bei In-Ears kommt der Formfaktor mit einer Kabelverbindung zwischen den Ohrhörern fast nur noch bei Sportkopfhörern vor, Bild 3.
Bild 3: Wireless, aber nicht True Wireless, da ein Kabel an den Ohrhörern vorhanden ist
Quelle: PCtipp.ch

Was bedeuten IPX1, IPX4 oder IPX8?

Diese Bezeichnungen sind in der Regel bei In-Ear-Kopfhörern zu finden, die für sportliche Aktivitäten gedacht sind. Die IPX-Zertifizierung sagt Ihnen, wie resistent der Kopfhörer gegenüber Wasser ist. Je höher die Nummer, desto besser: Während IPX1 nur gegen Tropfwasser schützt, bietet der höchste Standard IPX8 einen Schutz gegen Untertauchen in bis zu 2 Metern Tiefe.

Was bedeuten IP1X, IP4X oder IP6X?

Bild 4: IP68 – besser gehts momentan nicht
Quelle: PCtipp.ch
Die erste Zahl bei den IP-Zertifizierungen zeigt Ihnen, wie gut Ihr Kopfhörer gegen Staub geschützt ist. IP6X ist die höchste Kategorie. Sie bedeutet, dass ihr Kopfhörer komplett staubdicht ist. Die Staubzertifizierung lässt sich mit der Wasserzertifizierung kombinieren: Ist Ihr Kopfhörer mit IP68 zertifiziert, ist er also komplett staubgeschützt und bis zu 2 Metern Tiefe wasserdicht, Bild 4.

Was ist eine gute Akkulaufzeit?

Geht es um die Akkulaufzeit, machen die Marketing-Abteilungen der Hersteller gerne grosszügige Angaben. Die Werte auf der Verpackung werden in der Realität kaum erreicht, da es unter anderem davon abhängt, welche Musik und wie laut man diese hört.
Bei In-Ear-Kopfhörern werden gerne Angaben von weit über 20 Stunden gemacht. Bei dieser Laufzeit ist allerdings der Akku der Ladeschale von True-Wireless-Kopfhörern eingerechnet, sprich: Wenn ein In-Ear-Kopfhörer eine Akkulaufzeit von 7 Stunden hat und mit dem Akku der Ladeschale noch dreimal aufgetankt werden kann, ergibt sich eine Akkulaufzeit von 28 Stunden.
Grundsätzlich dürfen Sie von einem guten In-Ear-Kopfhörer pro Ladung eine Akkulaufzeit von mindestens 5 Stunden mit aktivierter Noise Cancellation erwarten. Ein guter Over-Ear-Kopfhörer sollte mit eingeschalteter ANC nicht unter 30 Stunden Laufzeit haben.
Ebenfalls sollten Sie darauf achten, dass Ihr Kopfhörer mit einer Schnellladetechnologie ausgestattet ist.



Kommentare
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mnozil
12.04.2024
Und wo wird beim USB C Kabelanschluss das Signal von Digital zu Analog gewandelt?

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gucky62
12.04.2024
Und wo wird beim USB C Kabelanschluss das Signal von Digital zu Analog gewandelt? Genau am gleichen Ort wie bei allen anderen USB Anschlüssen. Am Ende im Kopfhörer selbst mit dem entsprechenden D/A Wandler Elektronik und entsprechendem Verstärkerschaltung. In der Regel sind dies spezialisierte Chips, welche auch die Frequenzaufbereitung übernehmen. Daher ist deren Qualität ziemlich relevant. Gruss Daniel