In der Schweiz sind seit dem Start von Netflix immer mehr neue Video-Streaming-Anbieter auf den Markt gedrängt. Wir bieten eine aktuelle Übersicht zu den wichtigsten Plattformen, die Sie hierzulande nutzen können.
(Quelle: Shutterstock/Gorodenkoff)
Disclaimer: Dieser Artikel stammt aus der PCtipp-Printausgabe. Es kann also mittlerweile Änderungen gegeben haben. Seit dieser Woche ist mit HBO Max auch ein neuer Anbieter direkt in der Schweiz aktiv. Siehe auch hier: HBO Max startet in der Schweiz
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Streaming ist in der Schweiz längst Alltag, doch der Markt ist unübersichtlicher denn je – mit Preisstufen, Werbemodellen, Bündelangeboten, 4K-Aufpreisen und sehr unterschiedlichen Katalogen. Dazu kommen Schweizer Spezialangebote mit Kulturfokus, die sich bewusst vom Massenprogramm absetzen. Dieser Artikel vergleicht die wichtigsten Abo-Dienste, die aktuell in der Schweiz verfügbar sind. Nicht berücksichtigt wurden sogenannte Video-on-Demand-Angebote: Das sind Plattformen, bei denen Filme ausschliesslich gemietet werden können. Ebenfalls nicht in der Liste vertreten ist Blue+ von Swisscom, da der Dienst kein klassisches Streaming-Angebot ist.
Netflix
Netflix (netflix.ch) ist in der Schweiz der bekannteste Allrounder: Er bietet enorm viele Serien und Filme, starke Eigenproduktionen und eine sehr gute App-Verfügbarkeit auf allen wichtigen Endgeräten, Bild 1. Die klare Staffelung nach Bildqualität (HD/FHD/4K) und gleichzeitigen Streams macht die Abo-Wahl transparent, aber auch teuer, wenn es 4K und mehrere Geräte sein sollen. Familien mögen die Profile und stabilen Apps. In den vergangenen Jahren hat Netflix aber viele bekannte Film- und Serientitel verloren. Grund ist, dass Disney und Paramount ihre Filme nicht mehr an Netflix lizenzieren, um sie für die eigenen Streaming-Dienste zu nutzen.
Bild 1: Netflix ist noch immer der Streaming-Platzhirsch
Quelle: PCtipp.ch
Auffällig bleibt die Preisentwicklung: Netflix hat die Schweizer Tarife wiederholt angezogen – zuletzt Mitte Oktober. Begründung: Investitionen in Inhalte und Technik. Leider ist es auch so, dass die Titelauswahl in der Schweiz – gemessen am Preis – nicht gleich stark ist wie in anderen Ländern. Generell müssen Schweizer Nutzer tief in die Tasche greifen – vor allem, wer die beste Bild- und Tonqualität möchte. Für das Premium-Abo werden nach der letzten Preiserhöhung rund 30 Franken pro Monat fällig.
Preise: Basic: Fr. 14.90/Monat, Standard: Fr. 22.90/Monat, Premium: Fr. 29.90/Monat, Unterschiede: ein, zwei oder vier Streams, 4K gibt es nur mit Premium. Keine kostenlose Testphase in der Schweiz.
Verfügbarkeit: Apps für alle bekannten Plattformen oder via Webbrowser. Netflix bietet als einer der wenigen Anbieter eine Desktop-App an, allerdings nur für Windows.
Disney+
Disney+ (disneyplus.com) punktet mit starken Marken: Marvel, Star Wars, Pixar, National Geographic und Disney-Klassiker, Bild 2. Ebenfalls gehört der gesamte Katalog von 20th Century Fox zu Disney. Zu diesem Studio gehören etwa Serien wie «Die Simpsons», «Scrubs» oder die «Alien»-Filmreihe.
Bild 2: Disney+ bietet vor allem viele familienfreundliche Inhalte
Quelle: PCtipp.ch
Die Bibliothek eignet sich gut für Familien. Filme und Serien, die eher nicht für Kinder geeignet sind, wurden bis anhin unter der Kachel «Star» zusammengefasst. Seit Oktober heisst diese nun «Hulu».
Disney+ bietet in der Schweiz bereits ein Abo ab Fr. 9.90 an. Der günstige Preis hat aber einen Haken: Dieses Abo beinhaltet Werbung. Wer keine Werbung möchte, wählt «Standard» (FHD) oder «Premium» (4K/HDR). Der Schritt von «Standard» zu «Premium» lohnt sich für grosse Bildschirme und Heimkino-Set-ups, bleibt aber immer noch preislich unter manchen Konkurrenz-4K-Paketen. Allerdings hat Disney in den USA erst kürzlich die Preise angehoben. Es wäre daher wenig verwunderlich, wenn auch für Europa bald eine neue Preiserhöhung kommt.
Preise: Mit Werbung: Fr. 9.90/Monat, Standard: Fr. 16.90/Monat, Premium: Fr. 23.40/Monat. Jahres-Abos gibt es mit Rabatt.
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
Amazon Prime Video
Prime Video (primevideo.com) ist in der Schweiz als reines Streaming-Abo buchbar – separat vom Versand-Prime, Bild 3. Inhaltlich mischt der Dienst Eigenproduktionen wie «The Boys» mit Lizenztiteln; die Katalogtiefe schwankt je nach Region. Technisch sind App-Verfügbarkeit und 4K-Support solide, die Benutzerführung wirkt teils weniger stringent als bei Netflix oder Disney+.
Bild 3: Amazon ist mit seinem Streaming-Dienst Prime Video auch in der Schweiz aktiv
Quelle: PCtipp.ch
Spannend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis: Für unter zehn Franken gibt es 4K-Titel und bis zu drei gleichzeitige Streams. Positiv ist die kurze Gratis-Testphase, negativ dafür die Inkonsistenz bei der Sprachauswahl der Titel: Es kommt regelmässig vor, dass Filme und Serien zwar verfügbar sind, aber nur in einer unserer drei grossen Landessprachen oder lediglich auf Englisch. Teilweise kann es sogar innerhalb einer Serienstaffel vorkommen, dass sich einzelne Episoden auf Englisch und Deutsch abwechseln.
Preise: Fr. 9.99/Monat, 7 Tage gratis; bis drei gleichzeitige Streams (gleicher Titel maximal zwei gleichzeitige Streams).
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
Apple TV+
Apple TV+ (neu nur noch Apple TV genannt; tv.apple.com/de) fokussiert radikal auf Eigenproduktionen und setzt hier die gleiche Strategie um, wie es Apple bei seiner Hardware-Sparte macht: Weniger ist mehr. Deshalb hat Apple einen weit kleineren Produktkatalog als etwa Netflix oder Disney+, dafür aber sehr viele hochkarätige Titel, Bild 4. Serien wie «Ted Lasso», «For all Mankind» oder «Severance» zeigen den Fokus auf Prestige-TV. Wenig verwunderlich, dass Apple bei den renommierten Emmy Awards mittlerweile jedes Jahr kräftig vorn mitmischt. Die technische Qualität ist top: breites 4K/HDR-Angebot, sehr gute Bitrate und saubere App-Implementierungen.
Bild 4: Apple TV+ steht mittlerweile für sehr hochkarätige, von Kritikern gelobte Serien
Quelle: PCtipp.ch
Besonders familienfreundlich: Es sind bis zu sechs gleichzeitige Streams via Familienfreigabe möglich – zum vergleichsweise tiefen Monatspreis. Wer mehrere Apple-Dienste nutzt, bündelt Apple TV+ in Apple One. Für Vielschauer mit Qualitätsfokus ist Apple TV+ damit eine sehr effiziente Ergänzung zu einem der «Grossen».
Preise: Fr. 10.90/Monat (7 Tage gratis), in Apple One ab Fr. 23.90/Monat bündelbar.
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
Paramount+
Paramount+ (paramountplus.com) ist der jüngste der grossen Player in der Schweizer Streaming-Landschaft, Bild 5. Er bringt Franchises aus dem Paramount-Kosmos – etwa «Mission: Impossible», «Star Trek» oder Nickelodeon-Serien. In der Schweiz ist der Dienst inzwischen mit mehreren Stufen präsent, inklusive Premium mit 4K/HDR. Zwar kann Paramount+ mit einigen bekannten (Exklusiv)-Titeln aufwarten, bietet aber im Vergleich zu anderen Providern ein überschaubares Angebot. Hinzu kommt, dass Paramount+ in der Schweiz auch bei oneplus im Abo inkludiert ist. Einige Titel sind ausserdem auch auf Sky Show verfügbar. Wie bei Disney+ gibt es bei Paramount+ ebenfalls ein günstiges, werbeunterstütztes Basis-Abo.
Bild 5: Paramount+ ist in der Schweiz erst 2022 gestartet
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
Sky Show
Sky Show (show.sky.ch) ist die Schweizer Streaming-Schwester von Sky – mit Fokus auf exklusive HBO-Serien, Sky Originals und Sky Cinema-Blockbuster, Bild 6. Inhaltlich ist das für Serienfans spannend, da viele HBO-Titel exklusiv laufen. So gibt es etwa Serien wie «House of the Dragon», «Last of Us» oder «And Just Like That …» nur bei Sky Show. Da Sky zum gleichen Konzern wie das Filmstudio Universal gehört, gibt es ebenfalls Filme- und Serien von Universal exklusiv bei Sky Show. Neuestes Beispiel ist die Spin-Off-Serie von «The Office».
Bild 6: Sky Show bietet in der Schweiz Inhalte von HBO und Universal exklusiv an
Quelle: PCtipp.ch
Der grosse Nachteil von Sky Show ist die instabile App. Immer wieder kommt es zu Abstürzen, Inhalte laden nicht oder falsch und die Download-Funktion ist im Vergleich zu anderen Anbietern sehr langsam. Das zeigt sich auch in den App-Bewertungen: So hat die Android-TV-App von Sky Show beispielsweise gerade einmal 2 von 5 Sternen.
Das ist umso ärgerlicher, da Sky Show nicht nur einen spannenden Katalog hat, sondern auch ansprechende Preise bietet. So kostet die teuerste Variante zwar immer noch Fr. 24.90 im Monat, lässt sich aber durch Treuerabatt auf Fr. 20.90 drücken. Damit ist man preislich deutlich unter Netflix.
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
oneplus
oneplus (oneplus.ch) ist der Schweizer Anbieter mit Fokus auf lokale Reality- und Entertainment-Formate sowie einer attraktiven Beigabe: Paramount+-Inhalte sind integriert, Bild 7. Der Schweizer Streaming-Dienst setzt auf eine Mischung aus Mainstream-Filmen, Serien und meist trashigen CH-Originals. Wer Schweizer Reality-TV-Formate mag und den Dienst Paramount+ ohne separates Abo nutzen will, bekommt hier einiges an Gegenwert für sein Geld.
Bild 7: Wer Schweizer Reality-TV mag, kommt bei oneplus voll und ganz auf seine Kosten
Quelle: PCtipp.ch
Technisch zeigt sich oneplus angenehm unkompliziert: einfache Registrierung, Apps für mobile Geräte und Smart-TVs, zwei gleichzeitige Streams, bis zu fünf Geräte registrierbar. Im Abo kann Werbung enthalten sein – das schmälert den Premium-Charakter.
Preise: Fr. 9.90/Monat oder Fr. 99/Jahr; zwei Streams, bis zu fünf Geräte.
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
Play Suisse
Play Suisse (playsuisse.ch) ist der gebührenfinanzierte Streamingdienst der SRG – kostenlos, log-in-basiert und werbefrei, Bild 8. Der Katalog konzentriert sich auf Schweizer Filme, Serien und Dokus aus allen Sprachregionen, oft mit Untertiteln in mehreren Landessprachen. Für alle, die Schweizer Inhalte suchen oder eine kostenlose Ergänzung wünschen, ist Play Suisse die erste Adresse.
Bild 8: Play Suisse wird über die Serafe-Gebühren finanziert und ist entsprechend kostenlos
Quelle: PCtipp.ch
Die Plattform eignet sich ideal als Zweit-Dienst neben einem globalen Anbieter – als Einstieg ins Schweizer Filmschaffen, als Ergänzung für Dokus und Serien aus den Regionen und als Tipp für Lernende, die Sprachen trainieren möchten.
Preise: Kostenlos (SRG-Log-in nötig), keine Werbung.
Verfügbarkeit: Apps für alle gängigen Plattformen oder via Webbrowser.
Filmingo
Filmingo (filmingo.ch) ist ein Schweizer Arthouse-Dienst: kuratiert, überschaubar, dafür mit cineastischem Fokus und Festivalperlen, Bild 9. Statt Binge-Masse gibt es eine bewusste Filmauswahl; ideal, wenn Sie gern ausserhalb des Mainstreams stöbern. Inhaltlich überschneidet sich Filmingo teils mit Programmkinos und Kulturfestivals. Die Abos sind in Film-Credits gestaffelt – wer nur zwei Filme pro Monat schaut, zahlt wenig; wer mehr will, wählt das grössere Paket oder die unlimitierte Jahresvariante. Alternativ lassen sich Titel «pay-per-view» mieten.
Bild 9: Filmingo ist die Anlaufstelle für alle, die gerne Arthouse-Filme haben
Quelle: PCtipp.ch
Preise: 9 Franken/Monat (2 Filme pro Monat), 15 Franken/Monat (5 Filme pro Monat), Jahres-Abo mit Rabatt, 240 Franken pro Jahr für unlimitierten Zugang.
Verfügbarkeit: Via Webbrowser und App in der Schweiz, Mehrsprachigkeit variiert je nach Titel, keine Downloads.
Artfilm
Artfilm (artfilm.ch) konzentriert sich auf Schweizer Filmkultur – von Klassikern bis zu Dokus und Kurzfilmen, Bild 10. Der Dienst wird von SSA (Société Suisse des Auteurs) und Swissperform unterstützt und öffnet einen breiten Backkatalog, der anderswo kaum zu finden ist. Die Website ist funktional, der technische Fokus liegt weniger auf bestmöglicher 4K-Qualität als auf Zugänglichkeit. Das Preismodell ist sehr fair, insbesondere im Jahres-Abo. Wer sich gezielt für Schweizer Produktionen interessiert, erhält hier das dichteste Archiv in Abo-Form – ideal als Kultur-Abo neben einem globalen Streaming-Dienst. Die Streaming-Auflösung liegt allerdings meistens nur bei 720p oder sogar lediglich bei 540p.
Bild 10: Artfilm macht Schweizer Filme sichtbar und bietet Inhalte an, die sonst nirgends verfügbar sind
Verfügbarkeit: Direkt im Webbrowser oder als App für Apple TV.
MUBI
Der britische Streaming-Dienst MUBI (mubi.com) ist der internationale Gegenentwurf zum «Alles-drin»-Prinzip: kuratiertes Weltkino, täglich rotierende Auswahl und redaktionelle Einordnung, Bild 11. Für Filmfans, die gern entdecken, ist MUBI inspirierend – mit Festival-Gewinnern, Klassikern und Neuentdeckungen. Auch das Magazin-Feeling mit Hintergrundtexten gehört zum Erlebnis.
Bild 11: Bei MUBI ist das Angebot kuratiert. Damit verändert sich dieses also laufend
Quelle: PCtipp.ch
Preislich liegt MUBI im moderaten Bereich; in der Schweiz erfolgt die Abrechnung oft in Euro oder US-Dollar. Studierende profitieren von deutlich vergünstigten Tarifen. Wer in Städten mit MUBI-GO-Partnerschaft lebt, erhält zusätzlich wöchentlich ein Kinoticket – in der Schweiz ist das Angebot allerdings nicht flächendeckend.
Preise: 14 Franken/Monat bzw. 108 Franken/Jahr; Studierende in der Schweiz 8 Franken/Monat.
Verfügbarkeit: Apps für die meisten Plattformen und auch via Webbrowser verfügbar.