Tests 30.03.2007, 09:00 Uhr

Die schlechtesten PC-Produkte aller Zeiten, Teil 1

Mit viel Getöse eingeführt und auf leisen Sohlen wieder verschwunden: Die übelsten Machwerke der Branche seit der Gründung von Microsoft. Im ersten Teil stellen wir die Plätze 11 bis 15 vor.
Zu schlechten PC-Produkten haben wir vom PCtipp ein zwiespältiges Verhältnis. Einerseits müssen wir sie testen und im dümmsten Fall sogar tagtäglich damit arbeiten, so dass es Redaktoren geben soll, die noch Jahre später schweissgebadet aus einem Albtraum aufwachen und schreien: "Womit habe ich das bloss verdient?"
Andererseits sind wir den Herstellern von angeblich innovativem Schrott zutiefst dankbar. Zuerst dürfen wir im Kauftest über sie spotten, und dann versorgen sie uns jahrelang mit Stoff: immer wieder taucht ein neues Problem auf, das es zu lösen gibt, immer wieder sind neue Tipps gefragt. Wie überflüssig wären unsere Jobs, wenn alles selbsterklärend und einwandfrei funktionieren würde.
Um unserer Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen, möchten wir in einer dreiteiligen Serie die schlechtesten PC-Produkte aller Zeiten gebührend würdigen. Bei der Auswahl stützen wir uns auf die Forschungsergebnisse unserer amerikanischen Schwesterzeitschrift PC WORLD. Gemäss den Angaben der Amerikaner entsprach der Selektionsprozess allerdings eher einer Gruppentherapie als den Richtlinien exakter Wissenschaft.
Noch eine Vorbemerkung: Sicherlich gibt es Tausende von mindestens ebenso miesen Ideen und Machwerken wie die hier vorgestellten - aber die allermeisten schaffen es nie bis in die Ladenregale. Die Top 15 unserer Hitparade dagegen wurden mit mehr oder weniger grossen Budgets vorangetrieben und nicht selten noch mit einem gigantischen Werbetrara lanciert. Mit anderen Worten, die Erfinder dieser Flops hätten es definitiv besser machen können und müssen.
Platz 15:
IBM Deskstar 75GXP (2000)
Schnell, gross, und in hohem Grad unzuverlässig, erhielt diese Festplatte schnell den Übernamen "Deathstar", dank seiner exzellenten Fähigkeit, plötzlich und ohne Vorwarnung sich selber mit allen gespeicherten Daten in den Tod zu reissen.
Etwa ein Jahr nach der Markteinführung hatte IBM eine Sammelklage von Benutzern am Hals, die der Firma vorwarfen, irreführende Angaben über die Zuverlässigkeit der Festplatte gemacht zu haben. IBM stritt zuerst alles ab, zahlte aber im Juni 2005 doch 100 Dollar an ehemalige Deskstar-Benutzer, deren Festplatte frühzeitig verstorben war. Zuvor hatte sich der Konzern reingewaschen, indem er seine Festplatten-Produktion an Hitachi verkaufte.
Platz 14:
Apple Macintosh Portable (1989)
Manche Häuser sind portabel, wenn man einen Kran zur Hand hat. Stonehenge ist eine portable Sonnenuhr, wenn genügend Unspunnenwerfer das Zeug ins Rollen bringen. Mindestens ebenso portabel war der Apple Macintosh Portable aus dem Jahr 1989, der mit seinen Bleisäurebatterien über sieben Kilogramm wog. Und diese Batterien brauchte man, denn ans Stromnetz liess sich dieses "Notebook" nicht anschliessen.
Manche Computer sind nicht nur tragbar, sondern haben auch tragbare Kosten. Für diesen hier galt das nur, wenn man im Pokern gerade 14500 Franken gewonnen hatte.
Platz 13:
Comet Systems Comet Cursor (1997)
Lange bevor der Begriff "Spyware" in aller Munde war, ermöglichte Comet Cursor zahlreichen Surfern, selbst in der Praxis zu erlernen, wie diese Art von Software funktioniert. Doch die Zeit war noch nicht reif für das revolutionäre Konzept, die Welt zeigte sich undankbar.
Das simple Programm hatte nur eine offensichtliche Funktion, nämlich den Mauszeiger in Bart Simpson, Dilbert oder andere lustige Icons zu verwandeln, während man bestimmte Webseiten besuchte. Unter der Haube leistete die Software aber noch andere, etwas weniger lustige Dinge. Zum Beispiel legte sie für jeden Benutzer eine eindeutige ID an und telefonierte nach Hause, wenn dieser eine comet-freundliche Seite besuchte. Bei gewissen Seiten installierte sich das Programm sogar selbst im Internet Explorer, ohne den Benutzer mit einem lästigen Hinweis darüber zu nerven. Comet Cursor kam im Sammelpack mit RealPlayer 7 - eine Software, zu der wir später noch kommen.
Platz 12:
Iomega Zip Drive (1998)
OK, der grösste Teil der Zip Drives funktionierte tadellos und erwies sich als sehr nützlich. Dummerweise gab es auch einige Tausend Ausnahmen, bei denen ein merkwürdiges "Klick-klick-klick" das letzte Lebenszeichen war. Dabei liessen es sich diese Laufwerke nicht nehmen, bei ihrem Ableben auch die eingelegte Disk für alle Zeiten unlesbar zu machen.
Iomega sah grosszügig über das Problem hinweg - bis Kunden eine Sammelklage einreichten. Drei Jahre später konnte der Streit beigelegt werden, indem geschädigte Kunden einen Preisnachlass auf künftige Iomega-Produkte erhielten. Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren die Zip-Laufwerke bereits durch CD- und DVD-Brenner sowie günstige portable Festplatten verdrängt worden.
Platz 11:
IBM PCjr. (1984)
Ein völlig missratener Junge, dieser IBM PC Junior. Ein günstiger PC für Zuhause und für die Schule hätte er werden sollen, doch kostete er fast doppelt so viel wie vergleichbare Konkurrenzprodukte von Commodore und Atari - etwas viel für einen Computer, dessen Tastatur sich nicht zum Schreiben eignete und der die meisten Programme für den beliebten IBM PC gar nicht ausführen konnte. Zwei Jahre nach seinem pompösen Debut schickte IBM den Junior auf sein Zimmer und liess ihn nie wieder heraus.
Fortsetzung: Teil [2]

Autor(in) David Lee


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