Im Test: LG Watch W7

Traditionelle Mechanik verschmilzt mit moderner Smartwatch-Technologie: Ob das funktioniert?

von Claudia Maag 16.04.2019
LG Watch W7 LG Watch W7 Zoom© LG

Bei der LG Watch W7 trifft moderne Smartwatch-Technologie auf traditionelle Uhr. LG hat die Smartwatch mit der Schweizer Firma Soprod entwickelt. Die Watch bietet ein Quarzuhrwerk, mechanische Zeiger und ein Edelstahlgehäuse. Augenfällig ist die Dicke dieses Gehäuses. Die Hybridwatch ist robust und fühlt sich wertig an.

Grundsätzlich bietet die Watch W7 viele Smartwatch-Standards wie Benachrichtigung (inkl. Antworten), das Verwalten von Anrufen, Stoppuhr und Timer. LG punktet mit Outdoor-Features wie Beschleunigungssensor, Kompass, Gyroskop, Barometer oder Magnetometer.

Die Hybridwatch, die uns von LG zur Verfügung gestellt wurde, kommt mit Ladeschale, Edelstahlgehäuse (Silber), Gummiband und Reinigungstuch. Letzteres braucht man auch, denn das 1,2-Zoll-Display mit Touch-Bedienung ist leider sehr anfällig für Fingerabdrücke. Für einen Preis von rund 400 Franken (Stand: 16.4.19) hätten wir uns ein etwas höherwertiges Armband gewünscht, beispielsweise aus Leder. Immerhin ist es leicht und ohne Hilfsmittel austauschbar.

Die Zifferblätter (Watch Faces) sind austauschbar und auf die mechanischen Zeiger ausgerichtet Die Zifferblätter (Watch Faces) sind austauschbar und auf die mechanischen Zeiger ausgerichtet Zoom© LG

Die Hybridwatch ist gross und schwer. Das Display misst 4,45 × 4,54 × 1,29 Zentimeter und die W7 wiegt 79,6 Gramm. Sie liegt damit etwa im Bereich der Garmin Fenix 5S Plus. Jene Multisport-Smartwach (4,7-Zoll-Modell) hat ebenfalls ein 1,2-Zoll-Display, wiegt aber 86 Gramm (Edelstahl). Das 4,2-Zoll-Modell wiegt lediglich 65 Gramm. Diverse Smartwatches sind jedoch leichter.

Die Hybriduhr ist nur in einer Grösse verfügbar: für die Testerin viel zu gross, doch vermutlich auch für einige Männer. Als Betriebssystem hat sie die Google-Plattform Wear OS an Bord. Ist man unterwegs und hat die Ladeschale nicht dabei, kann man die Zeit mit dem Just-Watch-Modus ablesen.

Inbetriebnahme

Wir konnten die Watch W7 mit einem älteren Android-Gerät (Android 8.0) problemlos koppeln, was etwa 15 bis 20 Minuten dauert, wenn Sie die Google-Konten auf die Smartwatch kopieren. Als wir dies später mit dem LG V40 ThinQ versuchten, hatten wir zuerst Probleme. Doch bei einem zweiten Versuch klappte es fix und problemlos.

Bedienung

Die Hybriduhr hat rechts drei Tasten. Da diese etwas erhöht sind, stören sie trotz ihrer Grösse nicht. Den mittleren (grössten) Drücker betätigt man, um die Smartwatch einzuschalten sowie auf das App-Menü zuzugreifen. Durch Drehen navigiert man zwischen den Apps oder den Benachrichtigungen.

Mit der oberen Taste kann man die mechanischen Zeiger kurz auf eine horizontale Linie setzen. Dies ist ein Feature, das uns erst erfreute; doch es ist leider unbedingt nötig. So schön wir die Zeiger finden, oft sind sie uns beim Blick auf das Display im Weg. Dann die Taste zu drücken und mit den anderen Fingern das Display zu verschieben, ist etwas lästig. Letztlich sind wir von dieser Hybridlösung nicht ganz überzeugt.

Mit der unteren Taste kommt man direkt zu den Master Tools. Es ist möglich, die Tasten zu personalisieren. Alternativ wischt man auf dem Display nach oben für die Einstellungen, nach unten für Benachrichtigungen oder nach rechts für Basisinfos zu Google Fit.

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Akkulaufzeit

Im Inneren hat die LG Watch W7 4 Gigabyte Nutzungsspeicher und 768 Megabyte RAM sowie einen 240-mAh-Lithium-Polymer-Akku im Gepäck. Mit dem grosszügig bemessenen Arbeitsspeicher punktet LG, was deutlich mehr ist als bei den meisten Smartwatches. Zum Vergleich: Die Fossil Q Venture HR der 4. Generation (Test) hat 512 MB Arbeitsspeicher. Angetrieben wird LGs Hybridwatch von einem Qualcomm-APQ8009w-Prozessor. Sie reagiert schnell, ungefähr gleich wie andere von uns getestete Smartwatches.

Die vom Hersteller genannte Akkulaufzeit von 2 Tagen (Smartwach) kommt in unserem Test nicht ganz hin. In der Regel musste die Watch W7 nach 1,5 Tagen auf die Ladeschale. Das ist besser als bei der Fossil Q Venture HR (1 Tag). Die Samsung Galaxy Watch (Test) hält allerdings 2,5 Tage durch. Die Huawei Watch GT (Test) sogar sagenhafte 2 Wochen.

In der Regel musste die Watch W7 nach 1,5 Tagen auf die Ladeschale In der Regel musste die Watch W7 nach 1,5 Tagen auf die Ladeschale Zoom© LG

Die Ausdauer im Just-Watch-Modus konnten wir nicht testen; sie wird vom Hersteller mit bis zu 100 Tagen ohne Nachladen angegeben. Doch wer möchte diese Hybridwatch schon nur als Uhr nutzen?

Hybridwatch oder Smartwach?

Nebst dem mechanischen Uhrwerk ist der einzige wirkliche USP der LG Watch W7 eine Tool-Sammlung – die sogenannten Master Tools–, in der Kompass, Stoppuhr, Timer, Kalibration, Barometer und Altimeter zusammengefasst sind.

Im Vergleich zu einer Samsung Galaxy Watch – mit der man auch telefonieren kann –, einer Huawei Watch GT oder auch einer Fossil Q Venture HR hat die LG Watch W7 teilweise weniger zu bieten. Mit der W7 kann man beispielsweise nicht telefonieren, wenn man auf dem Bike sitzt (nur Anruf annehmen, aber auf dem Handy telefonieren). Zwar hat es ein Mikrofon, aber frei sprechen ist nicht möglich. Ausserdem muss man das Smartphone ständig dabeihaben. Hinzu kommt, dass der mechanische Zeiger – auch wenn man ihn mit Tastendruck kurz auf eine horizontale Linie bringen kann –, letztlich manchmal unglücklich den Blick auf das Display versperrt. Für Einsteiger ist eine Smartwatch besser geeignet und Sportler werden wohl eher zu einer Garmin-Uhr tendieren, die deutlich mehr Outdoor-Features zu bieten hat.

Fazit

Die LG Watch W7 ist eine High-End-Smartwatch für Aktive, die eine gelungene Verschmelzung mit Tradition schätzen. Sie ist eher für Sportler geeignet, die nicht sämtliche Features einer Garmin-Uhr erwarten, dafür etwas günstiger diverse Smartwatch-Features plus Features wie Kompass, Gyroskop und Magnetometer suchen. Allerdings finden wir sie nicht die beste Uhr für den Alltag.

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