Test: Canon EOS R

von Luca Diggelmann 07.11.2018

Ausstattung

Hat man sich erst einmal an die Bedienung gewöhnt, sollte man noch wissen, was die Kamera so in sich hat. Der Sprung zu einem spiegellosen System bringt einige Vorteile mit sich. So sind DSLM-Systeme meistens schneller, kompakter und stärker digitalisiert als DSLR-Kameras. Bei der Canon EOS R ist das ein wenig anders.

Tempoexzesse wie die 30 Bilder pro Sekunde anderer Hersteller gibt es hier nicht. Maximal sind 8 Bilder pro Sekunde möglich, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Unter anderem nur mit Oneshot-Autofokus. Verwendet man den Servo-Autofokus, sinkt das Tempo auf rund 5 Bilder pro Sekunde. Nicht grundsätzlich ein Problem, aber für eine spiegellose Kamera dieser Preisklasse doch eher wenig.

Auch bei der Kompaktheit ist Canon nicht gerade ein Vorreiter mit der EOS R. Genau genommen ist die EOS R nicht einmal viel kleiner als die meisten DSLR-Modelle. Die Vorteile: Platz für den Vollformat-Sensor und ein sehr angenehmer Grip. Aber halt nicht allzu viel Platzersparnis gegenüber einer 5D. Leichter ist die Kamera dafür ein gutes Stück: 300 Gramm weniger im Vergleich zur 5D Mark IV. Da kann man gleich drei Tafeln Schoggi mehr in den Wanderrucksack packen. Daumen hoch.

Das Display lässt sich wie gewohnt drehen und ausklappen Das Display lässt sich wie gewohnt drehen und ausklappen Zoom© Canon

Die stärkere Digitalisierung kommt bei der EOS R teilweise durch. Der Touch-Balken ist ein Beispiel dafür. Andere Beispiele: der Touchscreen und der leisere Auslöser. Interessant ist dafür, dass sich der Sucher jeweils der Umgebung anpasst, nicht genau der gewählten Belichtung. Das fühlt sich deutlich mehr so an wie bei einer DSLR, kann einen aber auch in die Irre führen. Ist man sich gewohnt, dass der Sucher die aktuell gewählte Belichtung anzeigt, vergisst man schnell, auf den Belichtungsmesser zu schauen und greift daneben.

Der Sucher der EOS R ist so gut, dass man ihn schnell vergisst Der Sucher der EOS R ist so gut, dass man ihn schnell vergisst Zoom© Canon

Ansonsten gibt es über den Sucher aber ausschliesslich Gutes zu berichten. Er geht nämlich sehr schnell vergessen und das ist gut so. Ähnliches gilt für das Display. Es fällt nicht allzu sehr auf. Die üblichen 3,2 Zoll, dreh- und wendbar, wie man das von Canon kennt. Die Touch-Bedienung funktioniert bestens und kann ausgeschaltet werden, sollte beispielsweise eine grosse Nase in die Quere kommen.

Anschlüsse gibt es genug Anschlüsse gibt es genug Zoom© Canon

Bei den Anschlüssen setzt Canon auch grösstenteils auf Bekanntes. HDMI, Mikrofon-Input, Kopfhörer-Output und ein Anschluss für die Canon-Fernbedienung. Neu dafür ist USB-C (3.1 Standard). Dieser bringt vor allem zwei Dinge mit sich: schnellere Bildübertragung und Laden per USB. Letzteres ist allerdings nur mit spezifischen Adaptern möglich. Im Lieferumfang ist ein solcher Adapter nicht enthalten.

Was einigen Enthusiasten auf den Magen schlagen könnte, ist der einzelne SD-Kartenslot. Allerdings muss man sagen, dass einer der Hauptgründe für einen zweiten Slot bei der EOS R bereits woanders ausgeschlossen wird. Eine zweite Karte als Überlauf für Serienaufnahmen ist vor allem im Sport relevant. Für diesen Zweck macht sich die EOS R aber schon mit ihrer niedrigen Bildrate unbeliebt. Es fehlt also noch die zweite SD-Karte für Backups, was durchaus ein Verlust ist. Stört aber nicht jedermann.

Zum Schluss sollte noch ein spezifisches Feature der EOS R erwähnt werden: die flexible Belichtung. Dabei handelt es sich um einen Modus, der die bekannten TV/AV- und Auto-ISO-Modi kombiniert. Sie kontrollieren jeweils einen Faktor (Blende, Belichtungszeit, ISO und Belichtungskompensation) per Hauptrad, während die anderen Werte automatisch angepasst werden. Mit dem zweiten Rad wechseln Sie, welcher Faktor angewählt ist. So können Sie einfach und schnell verschiedene Werte anpassen, ohne die Automatik komplett hinter sich zu lassen.

Der flexible Modus ist eine willkommene Neuerung Der flexible Modus ist eine willkommene Neuerung Zoom© Canon

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