News 06.09.2017, 09:14 Uhr

5G: «90 Prozent der Antennen werden nicht aufgerüstet»

Das Bundesamt für Kommunikation drängt Swisscom, Salt und Sunrise zu politischem Druck. Die Digitalisierung stehe auf den Spiel.
Der 5G-Rollout ist erst nach 2020 geplant. Gegenwärtig surfen bei Swisscom rund 40 Prozent der Kunden mit 4G-Geschwindigkeit mit bis zu 300 Mbit/s. Per Ende 2017 sollen es Swisscom zufolge schon 67 Prozent sein, sagte der Telko an einem Medien-Event. Eine Frage, die aber National- und Ständerat bis heute spaltet, ist die technologische Entwicklung betreffend Strahlenschutz. Denn je näher die Einführung der neuen Mobilfunktechnologie 5G rückt, desto mehr drängt die Frage nach einer Lockerung der geltenden Strahlenverordnung.
«Bei unveränderter Gesetzgebung könnten 90 Prozent der heute bestehenden Antennen auf Stadtgebiet nicht aufgerüstet werden», sagt Philippe Horisberger, stellvertretender Direktor des Bundesamts für Kommunikation, gegenüber der Aargauer Zeitung. Er moniert: Ausländische Mobilfunkunternehmen könnten jederzeit auf 5G aufrüsten. Hierzulande jedoch sei das unmöglich, weil der maximal zulässige Grenzwert pro Antenne im internationalen Vergleich zehnmal tiefer liegt. Gefordert seien vor allem die Netzbetreiber, die den Druck auf die Politik erhöhen, so Horisberger.

Stockende Digitalisierung

«Bewilligungsverfahren, die Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) und raumplanerische Instrumente verzögern und verteuern den kundengerechten Ausbau der Mobilfunkinfrastruktur», sagt Swisscom-Mediensprecher Armin Schädeli auf Anfrage von PCtipp. Aber der Ball liege bei der Politik, entgegnet Swisscom.
Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) teilt die Sorglosigkeit des Bakoms nicht. Man wisse nach wie vor wenig über die langfristigen gesundheitlichen Konsequenzen der Mobilfunkantennen, wird Jürg Baumann, Chef der Sektion Nichtionisierende Strahlung, bei der AZ zitiert. Ohne rechtzeitige Umstellung auf 5G aber, so warnte jüngst Bundesrätin Doris Leuthard, drohen Unternehmen in der Schweiz bei der Digitalisierung ins Hintertreffen zu geraten.

Autor(in) Simon Gröflin


Kommentare

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tester55
06.09.2017
Andere Leute Sie vergessen immer wieder, dass es Leute gibt die etwas ausserhalb wohnen. Diesen würde ein anständiger Empfang mit mehr Antennen-Power vielleicht helfen. In diesem Artikel geht es gar nicht um mehr Antennen sondern um Leistungserhöhung im Bereich aller EU und den meisten anderen Länder auf dieser Welt. Ob die Strahlung schädlich ist oder nicht wird wohl nie herausgefunden will sie unschädlich sein wird. Die Fernsehsender. Radio, Radar und so weiter senden mit viel grösserer Leistung. Setzen Sie sich dafür ein das diese abgeschaltet werden dann haben Sie etwas zu tun. mfg tester

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tester55
06.09.2017
Fortsetzung von oben Setzen Sie sich dafür ein das diese abgeschaltet werden dann haben Sie etwas zu tun. mfg tester

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Midori
07.09.2017
Ich war auch lange der Ansicht, dass die Vorschriften bzgl. nicht-ionisierender Strahlung in der Schweiz gelockert werden müssen. (V.a. als ich den Grund für die strengen Vorschriften hier erfuhr.) Ich bin zwar kein Gegner einer Lockerung, doch bedenkt folgendes: Wenn eine Antenne mit weniger Leistung senden darf, reicht das Signal weniger weit. Foglich braucht es mehr Antennen. Folglich teilen sich weniger Nutzer eine Antenne. Folglich steigt die Qualität des Netzes. Da 5G jedoch über 15 GHz angesiedelt sein wird, verstehe ich, dass eine Anpassung nötig ist. Denn solche hohe Frequenzen sind besonders von der Witterung abhängig. Und wie gesagt: Ich bin nicht ein Gegner einer Lockerung, aber ich denke, dass uns diese strenge Regulierung auch Vorteile gebracht hat. Die Antennen aber nicht auf meinem oder Nachbars Dach haben. Falls ein besorgter Brüger hier gerade liest: die Antenne auf dem eigenen Dach ist strahlentechnisch das Beste, das einem passieren kann. Weil die Antenne sendet nicht in den Boden, sondern grob gesagt waagrecht.

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tester55
07.09.2017
Danke für Ihren Standpunkt Ich gehöre zu denjenigen welche jeden Monat ca. Fr. 100 zahlen um dann Zuhause kaum Telefonieren zu können. Eine klein wenig mehr Power würde vermutlich reichen. Das mit mehr Antennen mag in den "Bankervierteln" stimmen aber nicht in den Randregionen. Ich kriege mit Swisscom seit langer zeit um Verbessrung aber das ist beinahe Chancenlos. Ein verärgerter Nutzer mfg tester

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Maxtech
07.09.2017
Das der Ausbau stockt, kann ich nachvollziehen. Bis heute sind 3 Dienste auf einer Antenne (GSM, 3G, 4G). Nach 2020 wird GSM eingestampft. Ohne Leistungserhöhung ist man im gleichen Dilema wie heute. Für 3 Dienste ist der Anlagegrenzwert zu tief angesetzt. Das zweite Problem dürften die Mobilfunkgegner sein die einen zügigen und günstigen Ausbau verhindern. Stellt sich auch die Frage, braucht es hohe Surfgeschwindigkeiten wie bei einem Glasfaseranschluss, oder reichen z.B. 30 Mbit/s?

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Midori
07.09.2017
Das mit mehr Antennen mag in den "Bankervierteln" stimmen aber nicht in den Randregionen. Da ist sicherlich was dran. Ich wohne selbst in einer Randregion und hier verstehe ich den ganzen Aufstand definitiv nicht, wenn eine neue Antenne in Betrieb genommen wird. Weil viel mehr als diese eine Antenne gibt es nicht. Wollte nur mal gesagt haben, dass es auch weitere Aspekte gibt und die Provider nicht unbedingt kundenfreundlich handeln, wenn sie sich für höhere Grenzwerte einsetzen. Stellt sich auch die Frage, braucht es hohe Surfgeschwindigkeiten wie bei einem Glasfaseranschluss, oder reichen z.B. 30 Mbit/s? Das primämre Problem aktueller kabelloser Verbindungen ist definitiv nicht die Bandbreite, sondern die Latenz. Dies ist übrigens auch ein Grund, weshalb beispielsweise Verkehrssignale nicht über Drahtlostechnologien angesteuert werden. Mit 5G könnte sich dies jedoch ändern. (Ich wage es aber zu bezweifeln, da es nichts zuverlässigeres gibt als ein physisches Kabel.) Wenn ich meinen Laptop an einem 100 Mbit Kabel anschliesse lädt eine Website spürbar zügiger als wenn ich im gleichen 150-Mbit-Netzwerk über WLAN verbunden bin. Und das obwohl die Bandbreite mit der WLAN-Verbindung mit 150 Mbps höher ist. Bei einem Download von mehreren GB spielt die Latenz dann natürlich eine untergeordnete Rolle.