News 08.01.2002, 09:45 Uhr

Apple und der digitale Lifestyle

Formschöne Geräte, konzentrierte Rechenpower und intuitive Bedienung: Apple verspricht eine sorgenfreie Zukunft mit seinen Produkten.
Was ist die Funktion eines Desktop-Computers der Zukunft? Für Apple-Boss Steve Jobs scheint die Antwort klar. Es ist ein digitaler Hub, eine Basisstation, auf dem Inhalte wie Bilder, Videos und Musik verwaltet werden können. Zulieferer für die Inhalte sind Digitalkameras, Videokameras, MP3-Player, Speichermedien und das Internet.
Mit der neusten Version seines Betriebssystems, Mac OS X 10.1, liefert Apple den Grundbaustein für den digitalen Lifestyle. Bereits enthalten ist die intuitive Software für die Verwaltung von Musik (iTunes), für das Bearbeiten und verwalten von Videos (iMovie) und DVDs (iDVD). Diese Programme sind bereits in der zweiten Version verfügbar. Was bisher noch fehlte, ein Produkt für die Bildbearbeitung und -Organisation, hat Jobs gestern anlässlich der Eröffnung MacWorld vorgestellt: iPhoto. Mit dem Programm können sogar direkt Webseiten erstellt, Aufträge für Fotodrucke an ein Fotolabor aufgegeben und sogar Fotoalben in Buchform bestellt werden.
Bezüglich Hardware hat Apple mit seinem neuen iMac [1] ebenfalls das ultimative Gerät für seine Zukunftsvision geschaffen. Mit fünf USB-Anschlüssen, zwei FireWire-Ports, integriertem Modem und Netzwerkkarte ist das Paradestück für die Kommunikation mit jeder Art von Peripheriegerät gerüstet. "Der komplette digitale Hub für den neuen digitalen Lifestyle", wie sich Jobs ausdrückte.
Apples MP3-Player iPod [2] machte schon Ende letzten Jahres vor, was digitaler Lifestyle ist: Ein Gerät dieser Art - formschön, praktisch und technisch auf dem neusten Stand - konnte bisher keiner der Konkurrenten vorstellen. Dieser Umstand dürfte Herstellern von Peripheriegeräten Sorgen bereiten, denn Apple könnte sich auch in anderen Bereichen in diesen Markt drängen.
Ebenfalls zum digitalen Lifestyle gehört das neue Verkaufskonzept. In den USA gibt es bereits 27 Apple Stores, in denen Hard- und Software nicht nur gekauft, sondern auch ausprobiert werden kann. Im Dezember wurden über 800 000 Besucher gezählt. Von den Käufern hatten 40 Prozent bisher keinen Mac zu Hause, wie von Jobs zu erfahren war.
Diese Konzentration (Hardware, Software, Vertrieb) macht es Kunden einfach, sich mit kompatiblen Produkten auszurüsten, schränkt aber auch die Auswahl und freie Entscheidung ein. Die Verbindung von Programmen mit Services von Drittanbietern (wie Kodak bei iPhoto) binden zudem auch noch weitere Unternehmen an Apple. Auch hier gilt: die einfache Handhabung geht auf Kosten der freien Wahl.
Mit keinem Wort erwähnt wurde an der MacWorld, wie man sich bei den Services, die online angeboten werden, registriert. Beim Konkurrenten Microsoft hat die Registrationslösung Passport auf heftige Bedenken bei den Hütern der Privatsphäre geführt. Wie Apple mit diesem Problem umgehen will ist (noch) nicht bekannt.
Ein weit grösserer Stolperstein auf dem Weg in die digitale Zukunft dürften aber Apples Preise sein. Sowohl im Desktop- wie auch im Notebookbereich ist der Computerhersteller nicht konkurrenzfähig. Da Mac-User ihre Produkte nur bei Apple kaufen können, ist auch keine deutliche Entspannung bei den Preisen zu erwarten. Digitaler Lifestyle hin oder her: nicht jeder potentielle Kunde kann sich diesen Luxus leisten. Wenn man bedenkt, wie viel noch für die entsprechenden Peripheriegeräte ausgegeben werden muss, steigt das Budget dafür schnell in fünfstellige Regionen. Und damit für viele Anwender in eine ferne (digitale) Zukunft.

Autor(in) Beat Rüdt



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