News 19.07.2012, 13:27 Uhr

Nokia kommt nicht aus den roten Zahlen raus

1,7 Milliarden Franken Verlust, ein Umsatzrückgang von 20 Prozent: Nokia befindet sich im freien Fall und kämpft spätestens jetzt ums nackte Überleben.
Schlechte Nachrichten von Nokia kommen momentan in etwa so überraschend wie Regen im Juli. Stellenabbau, niederschmetterndes Rating, Übernahmegerüchte und im letzten Quartal ein Milliardenverlust.
Zuletzt floppte auch die Lumia-Reihe, Mobilfunkprovider halten sie für nicht konkurrenzfähig, in den USA besitzen von 110 Millionen Smartphone-Nutzern scheinbar nur 0,3 Prozent ein Handy der neuesten Nokia-Reihe, die mit Windows Phone ausgestattet ist. Dabei war die Allianz mit Microsoft eine der letzten Hoffnungen der Finnen, wieder zu einstiger Grösse anzuwachsen.
Smartphone-Verkauf bricht ein
Bei diesen Meldungen verwundert wenig, dass die neusten Quartalszahlen denjenigen von Q1 in nichts nachstehen: 1,69 Milliarden Franken Verlust sind viermal mehr als im zweiten Quartal 2011, auch der Umsatz brach gegenüber dem Vorjahreszeitraum um dramatisch anmutende 19 Prozent auf neun Milliarden Franken ein.
Besonders die Gerätesparte enttäuschte. Der Umsatz betrug noch 4,8 Milliarden Franken, das sind 26 Prozent weniger als im Vorjahr. Entsprechend auch die Absatzzahlen: 39 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum, total wurden noch 10,2 Millionen Geräte abgesetzt. Immerhin: Vier Millionen davon, doppelt so viele wie noch im ersten Quartal, sollen Geräte der Lumia-Reihe gewesen sein, scheinbar sind deren Probleme also auf die USA beschränkt. Trotzdem: Samsung und Apple verkaufen pro Vierteljahr um die 40 Millionen Smartphones, der einstige Marktführer in Sachen Handyverkäufen ist sehr schnell sehr tief gefallen.
Trotz all dieser Hiobsbotschaften scheint der Markt mit der Leistung Nokias zufrieden zu sein, die Aktie legte nach Veröffentlichung der Zahlen um elf Prozent zu, bei der Aktien-Volatilität allerdings nur ein schwacher Trost.
Wie geht es weiter mit Nokia?
Nokias Tage sind noch nicht gezählt, auch wenn dieser Bericht den Anschein machen könnte. Noch immer verkaufen sich die Einfachhandys ausserordentlich gut, deren Absatz konnte sogar von 71,8 Millionen auf 73,5 Millionen Stück gesteigert werden. Noch immer hat der Konzern mehrere Milliarden an Cash-Reserven und sitzt auf diversen Patenten, die Geld bringen. Doch nur damit wird man nie zur Konkurrenz aufschliessen können, letztendlich ist Nokias Zukunft darum wohl auf Gedeih und Verderb an den Erfolg von Windows Phone 8 gebunden.

Fabian Vogt
Autor(in) Fabian Vogt


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