04.11.2016, 13:26 Uhr

Pixel XL *** Langtest

Google Pixel XL im ersten Test
Das erste «made by Google»-Handy gibt es bei uns in der Schweiz noch nicht. Für einen Preis von 760 Franken ist das High-End-Phablet nicht gerade ein Schnäppchen – und es sieht wie ein iPhone aus. PCtipp hat trotzdem schon einen ersten Blick darauf geworfen.
Man nehme ein Nexus 6P und ein iPhone 7 Plus: So oder ähnlich fühlt sich das erste von Google gebaute Smartphone an. Anders als mit den günstigen Nexus-Smartphones, bei denen der Suchmaschinist jeweils eine Partnerschaft mit den Handy-Herstellern eingegangen ist, kontrolliert Google bei den Pixel-Smartphones Design und Hardware-Herstellung selber. Der Hersteller, hier HTC, fungierte nur als Auftragnehmer. Von HTC selber – keine Spur. Lediglich ein markantes «G» prangt an der unteren Gehäuseseite. Beim Preis legt sich aber Google direkt mit Apple an. Gut 760 Franken würde man, umgerechnet, ohne Vertrag für die XL-Variante hinblättern. Das lässt aufhorchen, kriegt man doch beispielsweise das sensationelle Nexus 6P von Huawei schon für rund 400 Franken. Noch gibt es die beiden Pixel-Handys nicht bei uns zu kaufen. Das könnte womöglich an Googles neuem intelligenten Assistenten liegen, den man hierzulande gleich auf drei Landessprachen mit lokalen Suchergebnissen anreichern müsste, so unsere Vermutung. Wie auch immer, hier ein erster Blick auf das brandneue High-End-Smartphone des Suchmaschinisten.
Bei der Erstbefühlung ist man sich wirklich nicht ganz sicher, ob man ein iPhone in den Händen hält. Aluminium-Unibody und frontseitige Verglasung fühlen sich genauso an, als wäre das Gerät aus Cupertino statt aus Mountain View gekommen. Da wäre höchstens noch der Unterschied mit dem Touch-Sensor, den man hier wie bei den vorherigen Nexus-Telefonen mit dem Zeigefinger an der Gehäuserückseite erreicht. Die Schutzklasse IP 67 erfüllt das Google-Gerät jedoch nicht. Gegen längeres Eintauchen im Wasser geschützt ist es daher im Gegensatz zum letzten iPhone nicht. Dafür zusätzlich vom selben Glaselement der Vorderseite geschützt ist der Laser-Autofokus der Rückkamera. Löblich: Die zweifarbigen LED-Linsen ragen nicht aus dem Gehäuse, allerdings auch, weil es hier keinen optischen Bildstabilisator gibt. Eine sehr gute Entscheidung, die Google hier den Taiwanesen diktiert hat. Hier schwingt aber meine persönliche Erfahrung mit HTC-Handys mit: Damals beim HTC One (M7) und auch beim HTC One (M8) hat sich bei mir das Kameraglas schnell abgenutzt. Fotos wurden nach anderthalb Jahren schon schwammig, weil der Sensor nicht mehr genug Licht aufnehmen konnte. Zudem berichteten mir Kollegen von ähnlichen Problemen. Fast schon Pflicht ist der USB-C-Anschluss, mit man auch rechnen konnte. Die Möglichkeit, den Speicher mit SD-Karte zu erweitern, fehlt. Die Standard-Ausführung mit 32 GB ist ein wenig knapp bemessen. Letzteres ist zwar abhängig davon, ob man viele Spiele installiert. Allerdings fragen wir uns auch, ob nicht auch die App-Angebote für Googles VR-Plattform schnell den Speicher füllen. Eine Ausführung mit 128 gibt es für einen Aufpreis von rund 120 Franken.
Die Qual der Wahl hat man bei der Displaygrösse. Das 5,5-Zoll-Modell (Pixel XL), das wir vor uns hatten, ist nur wenig kleiner als das iPhone 7 Plus (5,7) und vielleicht für manche Hände schon zu gross. Wer sich schon riesige Smartphones wie das Nexus 6P oder eben Letzteres gewohnt ist, wird es gerne in den Händen halten. Normalgrosse Hände erreichen mit dem Daumen die obere Benachrichtungsleiste gerade noch. Abstriche nimmt man aber beim 5-Zoll-Display des kleineren Bruders bei der Full-HD-Auflösung in Kauf. Das hinwieder werden aber wahrscheinlich nur jene Anwender merken, die sich später noch Googles eigene VR-Brille (Daydream View) zulegen wollen, die am 10. November in Deutschland bereits auf den Markt kommt, denn die hohe Auflösung des grossen Telefons mit 2560 x 1440 Pixeln (warum eigentlich nicht 4K?) bewirkt natürlich eine höhere Pixeldichte (von über 500 ppi). Im Test haben wir vor allem mit einem Galaxy S7 verglichen, das ebenfalls über einen Amoled-Display verfügt. Allgemein fiel uns hier kein gewaltiger Unterschied auf, den man mit blossem Auge bemerkt – einzig die Weisswerte sprechen beim Pixel-Gerät für die bessere Helligkeit. Im Direktvergleich hat man den Eindruck, als liesse der Helligkeitsregler gefühlt 10 bis 15 Prozent mehr Helligkeit zu. 
Leistung und Bedienung
Bei der Leistung mit Werten jenseits von 130000 Punkten im Antutu-Benchmark müssen wir nicht lange um den Brei reden. Dafürt sorgt der neuste Qualcomm-Snapdragon-Prozessor 821 mit einem Vierkerner von maximal 2,15 Ghz Taktung. Etwa so schneidet aber nach wie vor das Galaxy S7 ab. (Im Geekbench-4-Lauftest messen wir 1537 und 4085 Punkte in der Single- bzw. Multicore-Leistung gegenüber den 1841/5491 Punkten beim Galaxy S7.) Obwohl es das Galaxy S7 mit seinem eigenen Exynos-Prozessor in den Benchmarks bereits minim übertrumpft, ist es ohnehin schneller wegen der aufgeräumten Oberfläche ohne zusätzliche Software-Dreingaben. Das gefiel auch beim Spielen und Betrachten von Videos, bei denen auch die Soundausgabe sehr überzeugen konnte. Eingaben gehen blitzschnell von den Fingern. Wir hatten es hier mit Android 7.1 zu tun, das man auch schon auf den Nexus-Handys über das Beta-Programm haben kann. Der 3450 mAh starke Akku ist in 15 Minuten schon für einige Stunden geladen. Im Alltag liegt die Akkulaufzeit im oberen Mittelfeld. Nach einem intensiven Smartphone-Alltag mit vielen Surf- und Hotspot-Aktivitäten bleiben gegen Abend noch ca. 30 bis 40 Prozent. Spürbar besser ist das Galaxy S7, das manchmal gegen Abend noch über 40 Prozent Saft übriglässt. Das Nexus 6P, das ich besitze, schneidet ähnlich ab wie Googles Neuling. Mir persönlich ist das  als vielreisender Journi fast zu wenig und hätte mehr erwartet, aber ich bin hier sozusagen auch ein Hardcore-Smartphone-Surfer mit immensem Akkubedarf, da ich pro Tag gut zwei Stunden mit dem Zug unterwegs bin und in dieser Zeit beispielsweise schon an diesem Artikel schreibe.
Noch etwas gewöhnungsbedürftig ist der App-Drawer aus dem unteren Bereich, den man nun über ein kleines Pfeilchen oberhalb des mittleren App-Symbols (unten) öffnet. Gut aber, dass Google die «App-Schublade» für die Hauptansicht aller Apps nun doch nicht wegrationalisiert hat. Die ständig eingeblendete Google-Suchleiste auf dem Home Screen, die auch vergangene Suchergebnisse einbledet, braucht es nicht unbedingt. Wir haben auf Anhieb noch keine Option gefunden, wie man diese ausschaltet. Womöglich ist sie fix integriert. Zu einer weiteren Neuerung zählen auch die App-Shortcuts, wie man das ansatzweise von Apple seit dem iPhone 6S kennt. Nur wirkt hier kein Drucksensor unter dem Display. Schon einige System-Apps bringen bei längerem Druck Abkürzungen zu Hauptfunktionen der Anwendungen hervor. So ruft man auf diese Weise bei der Telefon-App die kürzlich gewählten Kontakte. Kurz: Hauptneuerung ist eigentlich nur der neue Pixel-Launcher und andere Ordner-Symbole und die nervige Suchleiste. 
Zu Befehl 
Wirklich eine Besonderheit ist der über die über den Home Button aufrufbare neue Siri-Konkurrentin namens Google Assistant. Diese basiert auf Google Now, wude aber um einiges weiterentwickelt, sodass sie nun mehr kontextbezogene Informationen versteht. Ausserdem, so glauben wir, will Google vor allem diese Technik zusammen mit anderen Geräten wie dem kommenden smarten Lautsprecher vermarkten und sich mit einer geräteübergreifenden, sprachbasierten Home-Steuerung eine Marktstellung erwirtschaften. Englische und deutsche Spracherkennung funktionierte sehr zuverlässig. Bei Ersteinrichtung fragt die Assistentin zunächst nach ein paar «OK Google»-Sprachmustern, um den User zuverlässiger an der Stimme zu erkennen. Die künstliche Intelligenz ist Siri wirklich schon teilweise überlegen: Befehligt man beispielsweise eine Weckerabschaltung, fragt die Assistentin, welchen Wecker, wenn man mehrere Alarme gesetzt hat. Darauf kann man gleich mit der Uhrzeit antworten und die gewünschte Weckzeit ist deaktiviert. Auch witzige Unterhaltungen sind möglich, die auf vorherigen Aussagen basieren. Zum Beispiel, wenn man über einen schlechten Computerwitz nicht lachen konnte, das gleich sagt, und die digitale Intelligenz darauf mit einem anderen Witz vertrösten will.
Die 12,3-Megapixel-Kamera ist schnell und schiesst hervorragende Fotos. Wir haben ein wenig mit dem Galaxy S7 verglichen. Uns fällt nur auf, dass die Fotos vom Samsung-Handy etwas knalliger ausfallen. Allgemein wirken die Fotos vom Pixel-Smartphone einen Hauch kühler, dafür ist die Schärfe minim besser. Man muss aber das Haar fast in der Suppe suchen.  Auch in Dunkelheit ist die Aufnahmequalität für Smartphone-Verhältnisse hervorragend. 

Autor(in) Simon Gröflin


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