News 28.02.2019, 12:59 Uhr

Sunrise übernimmt UPC: Was heisst das für die Kunden?

Gestern Abend wurde die Elefantenhochzeit bekannt: Sunrise übernimmt den Kabelanbieter UPC. Was heisst das generell? Und worauf müssen sich Kunden der beiden Firmen einstellen?
Die Gerüchte gabs schon lange, nun ist es tatsächlich fix – Sunrise schluckt UPC. Das Vordringen in den Kabelmarkt und die Übernahme von UPCs wesentlich grösserem «TV-Kuchenstück» ist Sunrise insgesamt 6,3 Milliarden Schweizer Franken wert. Vorbehaltlich eines unwahrscheinlichen Vetos der Wettbewerbskommission (WEKO) soll der Deal im zweiten Halbjahr 2019 effektiv durchgeführt werden. Die Nummer 2 am Schweizer Telekommarkt schluckt also die Schweizer Nummer 2 am TV-Markt – daraus entsteht ein Big Player, der die Swisscom herausfordern will, wie auch Sunrise-Chef Olaf Swantee meint und die Übernahme als grosse Chance bezeichnet. Im Mobilfunkbereich weitet sich der Anteil von Sunrise mit dem Deal auf 24 Prozent, im Breitbandinternet auf 30 Prozent und auf dem TV-Markt sogar auf 31 Prozent aus. Dabei stellen sich aus Kundensicht einige Fragen.

Werden sämtliche Inhalte beider Provider verfügbar bleiben?

Es ist anzunehmen, dass die Abos und Dienstleistungen im Grossen und Ganzen bestehen bleiben und wohl noch ausgebaut werden. Auch heutige UPC-Kunden werden wohl Zugriff auf Sunrise-Dienste haben – und umgekehrt. Allerdings ist das noch Zukunftsmusik. Die WEKO muss das Geschäft abnicken und dann wird es eine Übergangszeit geben. Es wird also noch Monate dauern, bis man das genau weiss.

Müssen Kunden aktiv werden?

Da Sunrise logischerweise keine Kunden verlieren will, werden bestehende Verträge mit UPC sicher nicht einfach aufgelöst, zumindest nicht stillschweigend. Anzunehmen ist eher, dass neue Zusatzdienste angeboten werden – wenn man diese in Anspruch nehmen will, muss man das melden. Sonst bleibt vermutlich alles beim Alten. Dies ist «comme il faut» in dieser Branche – siehe z.B. Netzwechsel von Coop Mobile.

Wird der Brand UPC bestehen bleiben?

Kaum. Fachleute sind sich einig, dass es für das Image des Unternehmens besser ist, alles unter der Flagge Sunrise anzubieten. UPC hat das Image in den letzten Jahren zwar aufpoliert – die Cablecom ist jedoch in den Köpfen der Schweizer Konsumenten nie ganz verschwunden – im negativen Sinne.

Was bedeutet es für die Hardware wie TV-Box oder Router?

Experten wie Jean-Claude Frick von Comparis vermuten, dass Sunrise die eigene Box aufgeben könnte. Die UPC-Box ist technisch überlegen und moderner. Sicher ist das aber noch keineswegs. Man darf jedoch davon ausgehen, dass Sunrise die Hardware vereinheitlichen möchte – schon wegen des Support- und Administrationsaufwands.

Auf wessen Netz wird Sunrise beim Internet setzen? 

Da Sunrise bis dato Mieterin war und für die sogenannte «letzte Meile» zahlen musste, ist es wahrscheinlich, dass man zukünftig die Infrastruktur von UPC nutzen wird.

Was bedeutet die Übernahme für das Sportangebot MySports?

MySports wird, genau wie der Rest des Unternehmens UPC, dann in den Besitz von Sunrise übergehen. Das dürfte spannend werden, denn: Einerseits hat UPC eine Kooperation mit Sky Sports. Diese sind Lizenzinhaber der deutschen Bundesliga und ab diesem Sommer auch der englischen Premier League. MySports hat die Ausstrahlungsrechte für die Schweizer Eishockeyliga National League. Sunrise bietet aktuell dazu auch das Teleclub-Sportpaket an, das die Schweizer Super League und die Champions League beinhaltet. Besonders brisant: MySports ist aktuell als plattformunabhängiger Streamingdienst erhältlich, die Voraussetzungen (und die Kosten), um Teleclub-Sportinhalte zu empfangen, sind aber eher hoch. Ob MySports dann ein proprietärer Sunrise-only-Service wird oder ob Teleclub (hoffentlich, endlich ...) einen eigenen Streamingdienst lanciert, bleibt abzuwarten.

Wie werden sich die Preise entwickeln?

Grundsätzlich bedeuten weniger Angebote auch höhere Preise – weil man sich gegen weniger Mitbewerber durchsetzen muss. Mit UPC fällt ein Player weg, der stets eine aggressive Preispolitik betrieben hat. Auch Konsumentenschützer sind nicht glücklich – Sunrise und Swisscom werden durch den Deal praktisch unangreifbar und könnten friedlich ein hochpreisiges Dasein fristen. Ähnlich wie etwa die Detaillisten Coop und Migros. Die Konkurrenz bestehe dort nur auf dem Papier, heisst es öfter. Der einzige grössere Player ausserhalb des Kosmos ist Salt –, dessen Vertrauensbonus sich mit Supportproblemen und unkommentierten Netzausfällen zuletzt nicht gerade gewachsen ist.



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