Kommentar 27.06.2003, 12:00 Uhr

Das Freitagsbit: Ich bin ein Tauscher

Die WWKolumne
Neulich in Gnutella [1] bin ich einer Polizeistreife begegnet, die Heinos blauen Enzian hornte. Auf einem Bildschirm blühte ein Handschellen-Paar, brummte eine Stimme, ich solle meine hands uppen und mich nicht vom Fleck rühren. Ok. Der Wunsch der Staatsdiener ist mir Befehl. Schliesslich sinds ja arme Teufel, besonders seit sie von der RIAA [2] und ihren Mitglieder gesponsert werden. Jeden Tag diese schrecklichen Geräusche des Heinohorns! Ich würd ja durchdrehen.
Sie tuns offensichtlich. Einer der Cops packt mich und dreht mir die Hände auf den Rücken. Aua! Was soll das, frag ich, während der andere Cop mir meine Rechte vorliest. Ich dürfe downloaden, aber jeder Download könne vor Gericht gegen mich verwendet werden. Oder so. Ich habe längst Watte in meinen Ohren. Diese Verhaftung wurde gesponsert von Michael Jackson.
Ja, die Musikindustrie. Sind schon clevere Jungs und spannen den Staatsapparat für ihre Zwecke ein. So ein Downloader könnte ja vielleicht auf die Idee kommen, selbst eine Musikfirma zu gründen. Und so ein Gnutella-User ist ja nicht nur ein Dieb, sondern ein Mörder, der die Existenz von Musikern und Industrie gefährdet. Jawohl, ein Mörder!
Jetzt sitz ich in der Zelle und gehe in mich. Und plötzlich weiss ich: Jawohl, die Musikindustrie hat ein Recht darauf, sich zu verteidigen. Sie ist das stolze Rückgrat unserer Wirtschaft. Ohne sie geht die Sonne unter. Und jetzt nehmt mir endlich die Michael-Jackson-Musik aus dem Ohr!


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