Kommentar 16.05.2003, 13:00 Uhr

Das Freitagsbit: Der geklaute Pinguin

Die WWKolumne
Windows-Anhänger bemerken es mit Schadenfreude: Linux wird zum Zankapfel der grossen Firmen. Die ehemalige Caldera, heute SCO, versucht mit Copyright-Klagen Geld zu kassieren [1], indem sie behauptet, grosse Teile des Linux-Kernels seien nur geklaut. Wenn der Vorwurf stimmen sollte, müsste man wenigstens den (roten) Hut ziehen und anerkennend mit der Zunge schnalzen: Gut geklaut ist in diesen Zeiten, da die Hitparade voll geklauter Sounds ist, halb gewonnen. Ausserdem heisst sowas heute Marketing.
Vielleicht haben auch jene Marktbeobachter Recht, die behaupten, SCO schlage wild um sich, um weil sie von IBM aufgekauft werden möchte. Ganz sicher aber belegt der Streit um des Kernels Code, dass sich vor Unix, der Ur-Domäne von SCO, niemand zu ängstigen braucht, aber Linux, im Guten wie im Bösen, eine Marktmacht geworden ist, mit dem sich sogar Geld verdienen lässt, wenn auch auf eine umstrittene Art und Weise.
Sogar Microsoft sieht sich genötigt, eine eigene "Kriegskasse" für den Kampf gegen das freie Betriebssystem zu führen, das so frei gar nicht ist, wie der Fall SCO beweist. Der Anwender kann überhaupt nicht entscheiden, welche Teile urheberrechtlich geschützt sind und welche nicht. Möglich dass sich der Linux-Pinguin deshalb bald mausert und vollends kommerziell wird. Und Anwender bald ganze Eiswüsten durchwandern müssen, auf der Suche nach dem wirklich wilden Tux.


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