News 01.07.2015, 10:54 Uhr

EU will Roaming-Gebühren 2017 beerdigen

Wieder ein Jahr Verzögerung: Die EU will Roaming-Gebühren bis 2017 weitgehend abschaffen. Darauf haben sich Vertreter der EU-Staaten am frühen Dienstagmorgen in Brüssel geeinigt.
Ab dem 15. Juni 2017 soll es innerhalb der Europäischen Union (EU) kein Roaming mehr geben. Darauf einigten sich Vertreter der EU-Staaten und des Europaparlaments am frühen Dienstagmorgen nach einer zwölfstündigen Sitzung in Brüssel, wie Lettland als derzeitiger Vorsitz der EU-Staaten mitteilte. Dieses Begehren von EU-Parlament und Kommission verzögert sich somit einmal mehr um ein Jahr: Dieses wurde vom EU-Parlament schon vor einem Jahr auf Ende 2015 in Aussicht gestellt. Die EU-Kommission hatte zuletzt den Sommer 2016 für die Abschaffung anvisiert. 
Das völlige Aus der Extragebühren bedeutet dies für Verbraucher aber nicht: Anbieter dürfen Einschränkungen machen, wenn Nutzer häufiger im EU-Ausland mobil telefonieren, surfen oder SMS schicken und nicht nur bei gelegentlichen Reisen. Zudem sollen Anbieter entstandene höhere Kosten abrechnen können. 
In einem Zwischenschritt sollen die Roaming-Kosten am 30. April 2016 weiter sinken. Das geltende System der Preisobergrenzen soll dann durch Aufschläge auf den Heimtarif ersetzt werden. Dann dürfen laut Mitteilung Telefonate im EU-Ausland nur noch 5 Cent pro Minute zusätzlich kosten, bei SMS sind es 2 Cent und beim Surfen darf jedes Megabyte an Daten mit höchstens 5 Cent extra zu Buche schlagen. Hinzu kommt noch die Mehrwertsteuer. Damit liegt der maximale Gesamtpreis nach Angaben der EU-Kommission immer noch deutlich unter den derzeit geltenden Preisobergrenzen von höchstens 19 Cent für abgehende Anrufe, 6 Cent pro SMS und 20 Cent pro Megabyte Daten plus Mehrwertsteuer.
Trotz der Grundsatzeinigung müssen einige Details noch ausgehandelt werden. Wenn dies geschehen ist, müssen die EU-Staaten und das Parlament den informellen Kompromiss offiziell bestätigen.

Autor(in) Simon Gröflin




Kommentare

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Midori
01.07.2015
Habe ohnehin das Gefühl, dass die Komission/Parlament/whatever selbst noch nicht so recht weiss, wie sie das umsetzen wollen. Man will ja schliesslich verhindern, dass jemand in, sagen wir, Österreich einfach das günstigste Abo im EU-Raum wählt (welches vielleicht von einem rumänischen Anbieter kommt) und dann in Österreicht quasi zum Nulltarif surfen, telefonieren und smsen kann. Entweder man sagt, man öffnet den Markt und hebt den Protektionismus auf - mit der Konsequenz, dass zahlreiche Provider Konkurs gehen oder aufgekauft werden - oder man lässt eine politische Lösung beiseite. Bin daher gespannt, wie die endgültige Lösung aussieht. Auch mit Bezug auf die Schweiz, die vermutlich wieder eine Cassis-de-Dijon-Lösung eingeht...

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Simon Gröflin
02.07.2015
Alles schön und gut - was das aber für Schweizer Mobile-Abo's bei Aufenthalt im EU-Raum bedeutet, bzw. Für EU-Bürger bei Aufenthalt in der Schweiz - das fehlt leider im Bericht vollkommen....und genau DAS wird wohl die Schweizer PCtipp Leser am meisten interressieren... Gruess, POGO 1104 Im Moment noch nichts;) Ist eine reine Kurzmeldung von der Nachrichtenagentur, die ich dahingehend angepasst habe, dass diese Bestrebungen – eben – schon länger zur Debatte stehen und immer wieder hinausgezögert werden. Die CH-Provider senken zwar gegen Sommer immer wieder ihre Roaming-Pakete, sind aber noch weit von den gegenwärtigen EU-Roaming-Tarifen entfernt. Local Breakout könnte eine alternative Option werden, aber da gibt es noch zu wenige Partner im EU-Raum: http://www.pctipp.ch/news/kommunikation/artikel/surfen-zu-auslandstarifen-swisscom-mit-local-breakout-80441/ Aber danke für den Input. Hätte man in diesem Fall noch ergänzen können. Wir berichten jedoch immer wieder über Roaming-Tendenzen unserer Provider. lg Simon

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Nebuk
02.07.2015
Habe ohnehin das Gefühl, dass die Komission/Parlament/whatever selbst noch nicht so recht weiss, wie sie das umsetzen wollen. Man will ja schliesslich verhindern, dass jemand in, sagen wir, Österreich einfach das günstigste Abo im EU-Raum wählt (welches vielleicht von einem rumänischen Anbieter kommt) und dann in Österreicht quasi zum Nulltarif surfen, telefonieren und smsen kann. Entweder man sagt, man öffnet den Markt und hebt den Protektionismus auf - mit der Konsequenz, dass zahlreiche Provider Konkurs gehen oder aufgekauft werden - oder man lässt eine politische Lösung beiseite. Bin daher gespannt, wie die endgültige Lösung aussieht. Auch mit Bezug auf die Schweiz, die vermutlich wieder eine Cassis-de-Dijon-Lösung eingeht... Normalerweise quote ich nicht komplette Beiträge, aber diesen hier find ich richtig gut! Kann das Problem umgangen werden, wenn die Provider dieses Angebot Teilweise aufheben? Also können die Provider das so einrichten, dass man vielleicht sagt, "ich bin aus Bulgarien, arbeite jetzt aber 10 Wochen in Deutschland" und die Richten dies nach einer (Arbeits/Auftragspapiere oder so) Prüfung ein? Anders kann man es vielleicht so einrichten, dass jeder EU Bürger (z.B.) 3 Wochen pro Quartal gratis Roaming zugut hat. Denn ich denke kaum, dass eine komplette Öffnung für den Markt machbar ist... Ich bin ehrlich und sage, wenn ich könnte, würd ich wohl auch zu einem anderen sehr viel günstigeren Anbieter wechseln. Denn für das, wofür ich mein Telefon brauche zahle ich eindeutig zuviel - und das bei PrePay.