Tipps & Tricks 12.05.2009, 11:00 Uhr

Eeegor und ich (Teil 5): Salü, Ubuntu!

Den Kauf meines EeePC (ich nenne ihn Eeegor) mit Xandros Linux bereue ich zwar nicht. Aber Ubuntu Linux gefällt mir besser - auch auf dem Netbook.
Xandros Linux ist für Einsteiger ganz in Ordnung; Asus hat eine angepasste, einfach zu bedienende Version auf dem Eee PC vorinstalliert.
Sie funktioniert bestens. Aber mich stören daran verschiedene Dinge. Über die mitgelieferte Paketverwaltung sind verhältnismässig wenige Anwendungen verfügbar. Unschön finde ich auch das Kindergartendesign mit den übergrossen Verknüpfungen (Bild links). Am meisten geht mir allerdings eines auf den Keks: Die teils überflüssigen Icons (z.B. für verschiedene Webmaildienste und Skype) auf der Favoritenseite lassen sich zwar über Konfigurationsdateien rauseditieren, sind aber beim nächsten Update wieder drin.
Zeit für einen Umstieg auf ein anderes Linux, zum Beispiel Ubuntu. Doch vorher will ich sicherstellen, dass ich notfalls das vorinstallierte Xandros wiederherstellen könnte. Darum gleich nachfolgend zuerst dieses Thema.
Xandros-Wiederherstellungs-Stick
Der EeePC hat kein CD-Laufwerk. Darum braucht es fürs Wiederherstellungsmedium einen genügend grossen USB-Stick. Der wird ab sofort die alleinige Aufgabe haben, als Wiederherstellungs-Stick zu dienen, mit dem ich den Eee PC in den Originalzustand zurückversetzen könnte. Ich empfehle jedem Eee-PC-Besitzer, einen solchen Stick zu erzeugen. Es könnte ja sein, dass man das Gerät irgendwann mal verschenkt oder verkauft oder dessen Harddisk auswechseln will.
Asus hat zwei CDs mitgeliefert. Eine Support-CD mit verschiedenen Hilfsmitteln und eine mit dem Image-File der ursprünglichen Installation. Leider hat Asus nicht an Anwender gedacht, die auch sonst lieber Linux verwenden. Darum funktioniert das Erzeugen des Wiederherstellungs-Sticks nur unter Windows. Legen Sie hierzu unter Windows erst die Asus Eee PC «Support-CD» ein. Starten Sie von der CD die Datei Setup.exe, dann erscheint das Hauptfenster. Bei Utilities finden Sie das ASUS Linux USB Flash Utility.
Das Wiederherstellungs-Utility fragt nach der CD/DVD mit dem Image
Stecken Sie den für Xandros gedachten USB-Stick ein und starten Sie das ASUS Linux USB Flash Utility. Das ASUS FreeOS Image-Kopier-Hilfsprogramm öffnet sich. Wählen Sie dort «Image-Datei Eee PC auf das Flash-Laufwerk kopieren und bootfähig machen» und klicken auf Programmstart. Jetzt fordert das Hilfsprogramm Sie auf, die Linux-CD oder -DVD einzulegen, siehe Bild links. Nehmen Sie die Support-CD aus dem Laufwerk und legen Sie die von Asus erhaltene «Linux Wiederherstellungs-DVD» ein. Klicken Sie im Hinweisfenster auf OK.
Klicken Sie noch einmal auf Programmstart, dann informiert Sie ein Hinweisfenster darüber, dass die vorhandenen Daten auf dem USB-Stick gelöscht werden. Klicken Sie auf Ja, dann wird der Xandros-Stick formatiert. Der Vorgang dauert eine bis zwei Minuten. Jetzt werden Sie aufgefordert, den Stick herauszuziehen und wieder einzustecken. Tun Sie das und klicken Sie auf Wiederholen. Danach werden die Daten von der CD auf den Stick kopiert. Zum Schluss schliessen Sie alle Programme, die auf den Stick zugreifen und entfernen den USB-Stick. Beschriften Sie ihn z.B. mit «Eee PC Xandros» und verstauen Sie ihn. In Zukunft könnten Sie den Eee PC damit aufstarten und das ursprüngliche System wiederherstellen.
Letzteres wäre im Ernstfall einfach: Bloss den oben angefertigten Stick in den Eee PC stecken, beim Aufstarten die Escape-Taste drücken, den Start ab Ihrem USB-Stick wählen und dann bei «Ready to image Eee PC using build 2008.07.25_19.25» die Zeichenfolge yes eintippen (eigentlich «zes» wegen der US-Tastatur). Der Rest geht dann automatisch und dauert höchstens 10 Minuten.
Jetzt ists aber endlich Zeit für Ubuntu: siehe nächste Seite.

Eeegor kriegt Ubuntu

Eeegor kriegt Ubuntu
Wie kriege ich jetzt Ubuntu auf meinen Eeegor? Natürlich muss hier wieder ein USB-Stick herhalten. Wer schon einen PC mit Ubuntu 9.04 hat, kann aufs Brennen der CD verzichten. Wer keinen hat, braucht folgendes: Das Image-File von Ubuntu Linux 9.04, einen leeren CD-Rohling, einen Windows-PC mit CD-Brenner und einen mindestens 1 GB grossen leeren USB-Stick.
Stick erstellen: Sie haben zwei Möglichkeiten. Wenn Sie sowieso eine bootfähige Ubuntu-CD brauchen, surfen Sie zu http://wiki.ubuntuusers.de/Downloads. Scrollen Sie etwa um ein Drittel herunter, dann finden Sie die aktuellen Ubuntu-Versionen. Laden Sie von «Ubuntu» die «Desktop»-CD für «i386» herunter. Die Datei ist fast 700 MB gross und heisst z.B. ubuntu-9.04-desktop-i386.iso.
Brennen Sie diese Image-Datei auf eine CD. Verwenden Sie in Ihrem Brennprogramm hierzu unbedingt eine Option wie Image brennen. Falls Sie diese Option nicht finden, installieren Sie noch kurz ImgBurn. Damit geht das ganz einfach. Fahren Sie jetzt Ihren Arbeits-PC herunter und starten Sie ihn ab dieser Ubuntu-CD auf. Vielleicht müssen Sie gleich nach dem Einschalten noch eine Taste wie z.B. Escape, F2 oder ähnlich drücken, damit der PC ab dieser CD aufstartet.
In Ubuntu 9.04 gibts einen USB-Startmedien-Ersteller. Ideal für Netbooks ohne CD-Laufwerk.
Die Ubuntu-CD meldet sich und gibt Ihnen kurz darauf die Möglichkeit, die Sprache «Deutsch» auszuwählen. Tun Sie das. Anschliessend wählen Sie die oberste Option «Ubuntu ausprobieren». Das sorgt dafür, dass die Ubuntu-CD auf Ihrem PC keine Änderungen vornimmt. Warten Sie, bis der PC fertig aufgestartet ist. Jetzt haben Sie die Benutzeroberfläche der Ubuntu Live-CD vor sich.
Stecken Sie den USB-Stick ein, den Sie später als bootfähiges Medium und als Installations-Stick für den Eee PC verwenden wollen. Der Stick wird nach wenigen Sekunden automatisch erkannt; schliessen Sie das Fenster des Dateimanagers einfach wieder. Öffnen Sie das Menü System/Systemverwaltung und gehen Sie darin zu USB-Startmedien-Ersteller. Darin (siehe Screenshot) ist bei der Quellabbilddatei schon die CD ausgewählt, von der Sie grad aufgestartet haben. Beim zu verwendenden USB-Speichermedium sollte automatisch der USB-Stick erscheinen.
Wer den Stick auch als Notfallbetriebssystem mit etwas Platz für persönliche Dateien verwenden will, wirft einen Blick auf «Wenn Sie von diesem Medium starten, ...». Wählen Sie hier «in einem reservierten Bereich gespeichert». Wenn es ein grosser USB-Stick von 2 oder mehr Gigabytes ist, können Sie den reservierten Bereich auch z.B. auf 1 GB vergrössern. Klicken Sie jetzt auf Startmedium erstellen.
Der Vorgang dauert eine Weile. Sobald er abgeschlossen ist, klicken Sie auf Beenden. Sie sollten den Stick noch ordnungsgemäss aushängen. Schliessen Sie alle Programme und Fenster, die ev. auf den Stick zugreifen. Klicken Sie mit Rechts auf sein Verknüpfungssymbol und gehen Sie zu Datenträger aushängen.
Wollen Sie keinen CD-Rohling verbraten? Laden Sie das Gratisprogramm UNetbootin herunter. Das gibt es auch für Windows und benötigt keine Installation. Stecken Sie den zukünftigen Ubuntu-Bootstick ein und achten Sie genau darauf, welchen Laufwerksbuchstaben er bekommt. Starten Sie das Programm, wählen Sie bei «Distribution» zum Beispiel «Ubuntu» und bei der Version am besten die «9.04_Live». Im unteren Teil des Fensters wählen Sie beim Typ das USB Laufwerk und stellen dahinter den richtigen Laufwerksbuchstaben ein. Klicken Sie auf OK, dann erledigt UNetbootin den Rest.
Der Rest ist Geschichte, denn es funktioniert wie bei jeder anderen Ubuntu-Installation: Stöpseln Sie den Stick in den Eee PC. Schalten Sie ihn ein oder führen Sie einen Neustart durch. Drücken Sie sofort ein paarmal F2 und Escape, damit das Bootmenü («Please select boot device») erscheint. Wählen Sie dort Ihren USB-Stick aus und drücken Sie Enter. Wählen Sie zuerst die Sprache (Deutsch) und danach «Ubuntu installieren». Es dauert rund zwei Minuten, dann wählen Sie «Deutsch» und klicken auf Weiter. Bei der Zeitzone ist Europe wohl schon einstellt, bei der Stadt wählen Sie «Zürich» und klicken auf Vor.
Beim Tastaturlayout aktivieren Sie «Wählen Sie selbst», scrollen zu bzw. klicken auf «Switzerland» und wählen im rechten Teil des Fensters ebenfalls «Switzerland». Achtung: Wählen Sie nicht «Switzerland - German», denn die Option «Switzerland» ohne Zusatzangabe enthält schon die übliche Tastenbelegung für «Deutsch - Schweiz». Klicken Sie auf Vor.
Partitionierung: Linux-Einsteiger wählen hier am besten «die gesamte Festplatte verwenden» und klicken wieder auf Vor. Ich selbst habe mir allerdings folgendes angewöhnt, was sich über eine manuelle Partitionierung erreichen lässt: Ich lösche alle Partitionen, gönne dem System bzw. der Root-Partition (/) nur 10 bis 15 Gigabytes (Dateisystem: ext3), erstelle eine Swap-Partition von einem Gigabyte und überlasse den Rest der /home-Partition (wieder ext3).
Ubuntu Linux 9.04 auf einem Eee PC 1000H
Nun gehts zum Benutzernamen. Geben Sie dort Ihren ganzen Namen, den Login-Namen und ein Kennwort ein. Ein Kennwort ist zwingend erforderlich und Sie dürfen dieses nicht vergessen; aber Sie haben in diesem Fenster die Möglichkeit, die automatische Anmeldung einzuschalten. Ein Rechnername wird automatisch vorgeschlagen; Sie können den aber auch ändern. Klicken Sie danach wieder auf Vor, danach auf Installieren. Jetzt können Sie sich mal eine Weile zurücklehnen. Zum Schluss Jetzt neu starten und den USB-Stick entfernen, sobald der Neustart beginnt. Voilà, Ubuntu ist installiert.



Kommentare
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Gaby Salvisberg
12.05.2009
Oh, das gibts ja auch für Windows :). Wusste ich nicht. Merci, ich werd's ergänzen. Gruss Gaby

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BlackIceDefender
12.05.2009
wb Eeegor! UNetbootin ist nicht fuer alle Ubuntu-Distributionen getestet. Gaby's hinweis wegen dem brennen gilt auch fuer leuete ohne Ubuntu. den Bootfaehigen Stick von einem laufenden Ubuntu aus zu machen scheint mir logisch, um probleme mit inkompatiblen tools zum erstellen eines bootbaren sticks zu umgehen.

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losalamos
13.05.2009
Leicht peinlich? Leicht peinlich ist es schon, wenn man als Redaktorin einer PC Fachzeitschrift nicht weiss, dass UNetbootin für Windows existiert, aber dafür einen ellenlange Anleitung für die wohl umständlichste Installation aller Zeiten veröffentlicht. Besonders in anbetracht dessen, dass die Netbooks ja gar kein CD ROM haben. Ein blick bei Google hätte genügt und hunderte von Anleitungen mit UNetbootin wären gefunden gewesen. Und noch zur Info für meinen Vorredner ich habe auf meinem EEE PC mit UNetbootin folgende Distris installiert: Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu, Mythbuntu, Fedora, RedHat, Slitaz, Puppy, Debian, Mandriva, Slackware, PCLinuxOS, Knopix, Damn Small und Tiny Me. Bei Mandriva ist noch etwas Vorarbeit nötig damit es vom Stick installiert werden kann. (Ist nur eine Info und kein "böser" Angriff, also kein Streitgespräch erwünscht ;-) Inzwischen bin ich übrigens wieder bei Ubuntu gelandet (müsste meine Signatur mal wieder anpassen ;-).

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BlackIceDefender
13.05.2009
dass mit google-recherche stimmt wohl schon, los alamos. ich habe das unetbootin nur schnell durchgelesen und da stand 'ist getestet fuer...'. ich glaube, es waere fuer die anderen leser hier interessant, weshalb du wieder zurueck bei ubuntu bist, nach dem ausflug in die anderen distributionen.

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Gaby Salvisberg
13.05.2009
Wer nur Ubuntu will, für den ist das Ubuntu-eigene Tool besser geeignet. Es ist etwas einfacher zu bedienen und lässt aber auf Wunsch auch einen Bereich für persönliche Daten. Und ich gehe davon aus, dass wohl jeder User Zugang zu irgend einem PC mit CD-Brenner hat. Und sonst: Naja, hab ich das mit UNetbootin for Windows halt zuerst übersehen. Das habe ich ja zugegeben und im Text umgehend ergänzt. Muss ich mich jetzt von der nächsten Klippe stürzen? :rolleyes: Gruss Gaby

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Aendu
13.05.2009
Lesenswerter Artikel. Ubuntu kommt auf allen Maschinen gut, somit auch auf Eeegor (cooler Name). Ich möchte etwas ergänzen: es gibt spezielle Varianten für Netbooks, die eine von Ubuntu selber, gennant Ubuntu Netbook Remix (http://www.ubuntu.com/getubuntu/download-netbook). Der Download ist etwas über 900 MB gross, muss also direkt über einen Stick installiert werden. Netbook Remix hat spezielle Tools dabei, um z.B. die Lautstärke-Tasten verwenden zu können und bietet eine Oberfläche, dem ursprünglichen LX-Launcher in Xandros nicht unähnlich, aber wesentlich besser. Eine weitere Variante ist Easy Peasy (http://www.geteasypeasy.com). Dies basiert ebenfalls auf Ubuntu Netbook Remix, allerdings das etwas ältere 8.10 (marginaler Nachteil), bringt aber einen optimierten Kernel für EeePC mit, der sich bei meinem Eee 900 schon bemerkbar macht, zudem ist z.B. Skype von Anfang an dabei. Zur Installation: ich habe irgendwo gelesen, dass bei einem SSD eine Swap Partition keinen Sinn macht. Fragt mich nicht warum, ist einfach so, mit Swap geht auch. Das Partitionieren habe ich dann manuell vorgenommen und auf der kleinen 4GB-Disk eine /boot von 128MB und eine /var für den Rest gemacht (/var, weil ich es so gelesen habe, fragt micht nicht, warum). Die grosse 16GB Disk wurde vollständig als Root partioniert (/). Man kann natürlich auch den Installer machen lassen und nach Vorschlag installieren, dann liegen aber die 4GB der kleinen SSD brach.

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Juerg Schwarz
13.05.2009
Schöner Artikel. Toll Gaby. Nur ein kleiiner Hinweis noch. Du schreibst: Wer keinen hat, braucht folgendes: Das ImageLexikon Image-File von Ubuntu LinuxLexikon Ubuntu Linux 9.04, einen leeren CD-Rohling, einen Windows-PC mit CD-Brenner und einen mindestens 1 GB grossen leeren USB-Stick Natürtlich kann man die CD auch mit einem Linux PC erstellen. Rechte Maus auf die .iso Datei und "Auf CD/DVD schreiben". Voilà

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Gaby Salvisberg
13.05.2009
Ähm... Wenn aber jemand noch keinen Linux-PC hat? Dann wird er doch Windows nehmen müssen *g*. Und da gibts kein "Image auf CD schreiben", es sei denn, man hat eine Brennsuite oder nimmt ImgBurn. Habe jetzt ich was falsch verstanden oder du? :confused: Gruss Gaby

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Juerg Schwarz
13.05.2009
Ähm... Wenn aber jemand noch keinen Linux-PC hat? Dann wird er doch Windows nehmen müssen *g*. Und da gibts kein "Image auf CD schreiben", es sei denn, man hat eine Brennsuite oder nimmt ImgBurn. Habe jetzt ich was falsch verstanden oder du? :confused: Gruss Gaby Keine Sorge Gaby. Keiner von uns hat was falsch verstanden. Wenn jemand (wie ich) mehr Linux PC's als Windows PC's hat, dann steht vielleicht der Linux Rechner gerade daneben udn ich benutze diesen dann um die CD zu erstellen.. Wollte ja nur darauf hinweisen, dass es nicht NUR mit Windows geht. Aber Du hast es schon richtig geschrieben. Sorry

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BlackIceDefender
13.05.2009
... Muss ich mich jetzt von der nächsten Klippe stürzen? :rolleyes: Gruss GabyAch das wird sicher gut gehen. Wir alle spendieren etwas Red Bull. dann wachsen die Fluegel im nu!