Alles im Griff? 25.06.2022, 11:00 Uhr

Mac-Tipp: Readdle Calendars

Der Unterschied zwischen einem Kalender und einer GTD-Software verschwimmt zusehends.
Im Vordergrund ist das Programmsymbol von «Calendars» zu sehen, im Hintergrund ein unscharfer, antiker Kalender aus Papier
(Quelle: PCtipp.ch)
Readdle hat sich in der Mac-Welt eine hervorragende Reputation aufgebaut: etwa mit Programmen wie PDF Expert als Acrobat-Alternative, mit Spark als besseres Apple Mail oder mit der iOS-Anwendung Dokumente, die für viele ernsthafte Mobil-Arbeiter als nahezu unverzichtbar gilt. Und nun ist mit Calendars eine weitere neue Mac-Anwendung am Start, nachdem die iPad- und die iPhone-Apps von Calendars schon seit einigen Jahren erhältlich sind.
Bei der ersten Verwendung führt ein Assistent durch die Einrichtung und fragt nach so elementaren Dingen wie den Arbeitszeiten oder wann der Tag geplant werden soll. Zum Erstkontakt gehört aber auch, dass schon jetzt Kalender von «fremden Diensten» eingebaut werden können: Google, Exchange, Outlook, iCloud und der lokale Kalender.
Tipp: Wenn Sie bis jetzt den Apple-Kalender verwenden, ist «Lokaler Kalender» die richtige Wahl. So greift Calendars direkt auf die Kalender-Datenbank von macOS zurück. Dazu braucht es auch kein anwendungsspezifisches Kennwort. Die Option «iCloud» wird nur dann verwendet, wenn ein anderes iCloud-Konto angezapft werden soll.

Kostenlos oder Pro

Bei der Einrichtung schlägt Calendars direkt ein kostenloses Probe-Abo für sieben Tage vor. Interessanter ist vorerst der Klick auf Später, um zu sehen, was die Anwendung ohne Abo bietet. Doch damit sind wir schnell durch: Es ist herzlich wenig. Vom Funktionsumfang reicht Calendars nicht einmal ganz an Apples Kalender-Anwendung heran. Die Oberfläche ist zudem gespickt mit orangen Punkten, die darauf hinweisen, dass diese oder jene Funktion nur Abonnenten offensteht.
Definitiv ein Kalender – aber auch nicht viel mehr
Quelle: PCtipp.ch
Allerdings: Readdle-typisch ist die Oberfläche bis zum letzten Pixel auf Hochglanz poliert. Das ist auch der Grund, warum ich seit Jahren auf Spark schwöre, den kostenlosen E-Mail-Client aus dem gleichen Haus. Dabei kann ich nicht einmal mit dem Finger auf irgendwelche Highlights der Oberfläche zeigen. Stattdessen stimmt einfach der Gesamteindruck auf eine Weise, die ihn selbst Apple mit Mail oder Kalender nicht hinbekommt.
Vor die Wahl gestellt, würde ich wohl eher die kostenlose Version von Calendars nutzen als den Kalender von Apple. Allerdings unterstützt Calendars in diesem Zustand nur ein E-Mail-Konto aus der Cloud, was für viele Interessenten bereits das Aus für diese Anwendung bedeuten kann.

Das Abo

Es lässt sich nicht leugnen: Ohne Abo ist Calendars nur der Schatten einer Kalender-Anwendung. Das Abo deckt allerdings nicht nur die Mac-Anwendung ab, sondern auch die schon länger verfügbaren Apps für das iPhone, das iPad und die Apple Watch. Für sie alle zusammen werden 21 Franken pro Jahr fällig.
Das alles gibt es im Abo
Quelle: PCtipp.ch
Erinnerungen und Planer. Calendars ist nahtlos mit der Anwendung «Erinnerung» verzahnt. Das heisst, es greift auf dieselben Daten zu wie die Apple-Anwendung. Und das bedeutet auch, dass die Daten automatisch über iCloud abgeglichen werden. Diese Integration gefällt mir allein deshalb schon, weil ich mit der Oberfläche von «Erinnerungen» nie warm geworden bin und jetzt endlich etwas damit anfangen kann.
Die Aufgaben sind neben den Kalendern eingeblendet. Dort werden sie entweder abgehakt oder einfach in den Kalender gezogen, damit sie zu einem Termin werden, an dem sie abgearbeitet werden sollen.
Mustergültig: Eine Aufgabe wird einfach in den Kalender gezogen, damit sie in einen Termin umgewandelt wird
Quelle: PCtipp.ch
Aufgaben. Bei den Aufgaben wird es leicht unscharf. Sie sind in einem eigenen Bereich abgelegt; allerdings handelt es sich dabei ebenfalls um Erinnerungen, die einfach an einem anderen Ort angezeigt werden. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass hier die anstehenden Arbeiten einer Liste zugeteilt sind, die – Sie ahnen es schon – dieselben Listen sind wie in «Erinnerungen». Eine Liste könnte also für ein Projekt stehen, das in die einzelnen Aufgaben zerlegt wird. Damit kommt Calendars schon recht nah an eine einfache Getting-Things-Done-Software (GTD) heran. Allerdings fehlt es doch an der Raffinesse, die eine spezialisierte GTD-Software auszeichnen.
Auch dieser Bereich widerspiegelt die Daten in «Erinnerung»; die Listen wirken hier fast schon wie aus einer GTD-Anwendung
Quelle: PCtipp.ch
Natürliche Eingaben. Die natürliche Eingabe erlaubt es, schnell einen Eintrag in Umgangssprache anzulegen: «Sitzung mit Acme am Freitag um 9 Uhr» führt genau zu so einem Eintrag. Sehr angenehm!
Wetter. Auch die Anzeige des Wetters kann praktisch sein, wenn man für eine Aufgabe auf eine gute Witterung angewiesen ist. Ein kleines Symbol neben dem Wochentag zeigt eine rudimentäre Prognose – oder zumindest sollte es das. Im Test zeigte der Kalender durchs Band eine kleine Regenwolke, während draussen bei wolkenlosem Himmel eine Affenhitze herrschte. Der Klick auf das Symbol zeigte eine Wochenvorschau, die ebenfalls Anlass zu Zweifeln geben kann. Ich habe keine Ahnung, wo Calendars die Wetterdaten herholt. In den Einstellungen kann das Wetter jedenfalls deaktiviert werden – und das ist wohl auch besser so.
Ein Blick aus dem Fenster zeigt: Die Zuverlässigkeit der Prognosen ist grenzwertig
Quelle: PCtipp.ch

Viel Licht, aber auch Schatten

Calendars macht einen sehr gepflegten, durchdachten Eindruck. Allerdings gibt es einige Baustellen, die eher lästig sind als ein K.o.-Kriterium. So lassen sich Kalender nicht teilen; wer das will, muss dazu in den Apple-Kalender wechseln. Ausserdem vermisse ich die Möglichkeit, ein Ereignis einfach mit gedrückter Option-Taste zu verschieben, um es zu duplizieren. Und im Dock-Symbol fehlt das aktuelle Datum.
Doch was am meisten stört: Es gibt keine Widerrufen-Funktion, jeder Handgriff ist endgültig. Es ist diese Unterlassungssünde, die den Eindruck vermittelt, dass Calendars noch nicht ganz fertig ist.

Fazit

Calendars gefällt durch seine gekonnte Aufmachung. Die Anwendung greift zwar auf die Kalender und die Erinnerungen von macOS zu, doch die beiden Datenbestände werden so geschickt kombiniert, dass sie mehr sind als die Summe ihrer Teile. Durch den gemeinsamen Datenzugriff bleibt ausserdem die Unabhängigkeit gewährleistet: Wenn Sie irgendwann zum Schluss kommen, dass die Bordmittel von macOS gut genug sind und Sie sich von Calendars trennen, sind alle Daten nach wie vor dort, wo sie hingehören.
Kurzum: Calendars verträgt noch ein wenig Feinschliff. Doch wenn Sie einen Aufgabenplaner suchen, ohne gleich Schwergewichte wie Things oder Todoist in die Arena zu werfen, sollten Sie einen Testlauf ins Auge fassen. Es lohnt sich.
Calendars für macOS finden Sie im Mac App Store, die universelle Version für iOS und iPadOS im App Store. Ein Abo für 21 Franken pro Jahr deckt alle Plattformen ab.


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