Netzwerk-Tipps 18.02.2026, 09:30 Uhr

LAN oder WLAN?

Eine wichtige Frage beim Einrichten eines jeden Heimnetzwerks ist: Verwende ich für ein bestimmtes Gerät lieber ein LAN-Kabel oder Wi-Fi-Funk? Erfahren Sie alles wichtige über die Vor- und Nachteile der beiden Technologien.
(Quelle: ChatGPT)
WLAN ist heutzutage der de facto Standard für Heimnetzwerke. Das liegt vorwiegend an der Einfachheit der Technologie und der Verbreitung von mobilen Geräten, die davon besonders profitieren. Es ergibt jedoch Sinn, gewisse Gerätetypen trotzdem per Ethernet-Kabel mit dem Router zu verbinden. Denn WLAN ist zwar praktisch, aber nicht für alle Anwendungszwecke ideal. Schauen wir uns die beiden Varianten etwas genauer an.

Zuverlässigkeit

Ein triftiger Grund für das klassische Kabel ist die Zuverlässigkeit. Kabelgebundene LAN-Verbindungen funktionieren praktisch fehlerfrei und sind sehr resistent gegenüber Ausfällen. Die Datenübertragung läuft einfach über einen physischen, klar definierten und abgeschirmten Pfad. Auch die Zusammenarbeit mit dem Router ist durch das physische Kabel klarer definiert. Damit eignet sich die Kabelverbindung besonders gut für Geräte, die möglichst keine Unterbrüche erleben sollten, beispielsweise Netzwerkspeicher (NAS), Server oder Gaming-PCs.
Modernes WLAN ist mittlerweile sehr zuverlässig. Mit einem guten Routerplatz erreicht man schon viel. Allerdings gibt es bei der kabellosen Übertragung technologiebedingt ein grösseres Spektrum an möglichen Problemquellen, Bild 1. Funkinterferenzen oder störende Hauswände gehören etwa dazu. Ebenfalls ist WLAN schlicht komplexer als eine Kabelverbindung, was die Chance auf ein Problem automatisch erhöht. Die Frage ist also: Welche Geräte können auch mit etwas weniger Zuverlässigkeit leben? Insbesondere Smartphones oder ähnliche Geräte mit Mobilnetz kommen einem in den Sinn. Diese haben mit dem Mobilnetz eine zweite Option für eine Internetverbindung und können so bei einem Ausfall weiter funktionieren.
Bild 1: Mit dem Kabel kann auch ein solcher Super-WLAN-Router nicht mithalten
Quelle: PCtipp.ch

Tempo

In Laborbedingungen und mit den neustmöglichen Geräten sind LAN und WLAN ziemlich gleich schnell. Die Praxis sieht wie so oft anders aus. Eine LAN-Verbindung ist normalerweise so schnell wie angepriesen respektive so schnell wie das langsamste Glied der Kette. Beherrschen Router, Kabel, Switch, und Endgerät alle 1 Gbit/s, bekommt man diese in der Regel auch, Bild 2. Netzwerke mit 10 Gbit/s werden zudem häufiger, benötigen aber entsprechende Hardware. Besonders wichtig ist die Leistung des Routers, damit dieser auch die Bedürfnisse von mehreren Geräten gleichzeitig abdecken kann. Dabei ist zu bedenken, dass die meisten Anwendungen heute mit Internetverbindungen arbeiten und entsprechend kaum die vollen 10 Gbit/s ausschöpfen können, denn eine so schnelle Internetverbindung ist selten. Relevant ist 10 Gbit/s derzeit überwiegend für lokale Datentransfers wie Grafik-Streaming von einem Desktop-PC auf ein Laptop oder für Serveranwendungen.
Bild 2: Volles Tempo gibt es in der Praxis nur mit Kabel
Quelle: PCtipp.ch
Bei WLAN wird es komplizierter. Die angegebene Geschwindigkeit bezieht sich üblicherweise auf ein erreichbares Maximum. Im selben Raum wie der Router ist das machbar. Sobald aber mehrere Geräte verbunden sind und sich noch die eine oder andere Wand zwischen Router und Endgerät gesellt, nimmt das Tempo schnell ab. Essenziell ist hier eine gute Platzierung des Routers sowie genügend Sendeleistung beiderseits. Bei grösseren Häusern oder besonders dicken Wänden kommen Sie kaum um zusätzliche Geräte wie Repeater, ein Mesh-Netzwerk oder sogar Powerline-Adapter herum, Bild 3.
Bild 3: Mesh-Systeme erhöhen zwar die Reichweite, machen ein System aber auch komplexer
Quelle: PCtipp.ch
Wie schon bei der Zuverlässigkeit sind die Vorteile der Kabelverbindung beim Tempo vor allem für NAS, Server und Gaming-Anwendungen relevant. Office-Dokumente und E-Mails synchronisieren auch bei einer langsameren Verbindung schnell genug.

Einrichtung

Beide Optionen sind einfach einzurichten. Bei der Kabelverbindung ist die Arbeit vor allem physisch, beim WLAN fast ausschliesslich digital. Grundsätzlich ist die Kabelverbindung heutzutage fast komplett Plug and Play. Solange Sie keine komplexeren Anwendungsfälle eingerichtet haben, heisst es: Ein Kabelende am Router anschliessen, anderes Kabelende am Gerät einstöpseln, läuft. Kompliziert kann lediglich das dazwischen werden. Das kommt darauf an, wie lang das Kabel ist und wo es durch soll. Die Playstation gleich neben dem Router ist einfach zu verbinden. Der Desktop-PC drei Räume weiter wird komplizierter. Immerhin: LAN-Kabel sind auch bis zu 30 Metern Länge noch ziemlich bezahlbar.
WLAN muss vor allem Software-mässig eingerichtet werden. Moderne Router kommen mit einem voreingestellten Netzwerk, mit dem man sich verbinden kann. Dazu benötigen Sie den Namen des Netzwerks (SSID) und das Passwort. Diese Daten erhalten Sie normalerweise auf einer Karte im Lieferumfang des Routers oder von Ihrem Internetanbieter. Grundsätzlich ergibt es Sinn, diese Daten zu ändern, um die Sicherheit Ihres drahtlosen Netzwerks zu erhöhen.
Ohnehin sollte die Einrichtungsschwierigkeit nicht direkt ein Entscheidungsfaktor sein. Die anderen Kriterien sind wichtiger und die Installation ist in beiden Fällen nicht allzu kompliziert. Bei einer Kabelverbindung können Sie sich überlegen, ob sich der Aufwand für das Verlegen lohnt, denn das kann je nach Wohnung und ästhetischem Anspruch ziemlich mühsam werden.

Mobilität

Stellen Sie sich vor, Sie müssten Ihr Smartphone an ein Netzwerkkabel anhängen und dann damit zu Hause herumlaufen. Unvorstellbar. Hier ist der Fall ziemlich klar: Bleibt das Gerät meistens am gleichen Ort, kommt eine Kabelverbindung infrage, sonst nicht. Desktop-PCs, Spielekonsolen, Server, NAS, Fernseher etc. sind gute Kandidaten für das Kabel. Smartphones, Notebooks und Tablets eher weniger.

Sicherheit

Die Sicherheit ist ein grosses Thema bei Heimnetzwerken und hier hat das Kabel einen entscheidenden Vorteil. Ohne physischen Zugang kann hier nicht viel passieren. Und steht jemand Fremdes mit bösartigen Absichten in Ihrer Stube, haben Sie andere Probleme als den Zugang zu Ihrem Netzwerk.
WLAN strahlt in alle Richtungen, auch aus Ihrer Wohnung hinaus in die Welt. Gerade wenn Sie urban wohnen, kann das ein Risiko sein. Ein Router kann gut und gerne aus dem ersten Stock einer Stadtwohnung in die Bar im Erdgeschoss strahlen. Oder in den Park auf der anderen Strassenseite. In einem solchen Fall braucht es nur noch ein paar neugierige Techie-Nachbarn oder gelangweilte Teenager und man hat den Salat. Beim WLAN sollte man also gewisse Sicherheitsgrundlagen im Griff haben. An vorderster Stelle stehen ein besonders sicheres Passwort und eine starke Verschlüsselung, Bild 4.
Bild 4: Wer seinen Router gut konfiguriert, erhöht die Sicherheit markant
Quelle: PCtipp.ch
Für maximale Sicherheit wäre also ein reines Kabelnetzwerk besser. Allerdings hat das auch gewisse Nachteile – wie bereits angesprochen bei mobilen Geräten und bei weit entfernten Räumen. Auch verlassen sich einige moderne Gadgets stark auf WLAN und die da­runterliegende Wi-Fi-Technik für die Verbindung von Geräten. Wer schon mal ein MacBook am Kabel hatte, merkt schnell, dass WLAN bei Apple der Kern der Zusammenarbeit zwischen Apple-Geräten bildet. Heisst: Man hängt zwar am Kabel, muss WLAN aber trotzdem aktiv haben, um alle Funktionen des Geräts verwenden zu können.
WLAN ≠ Internet
Eine häufige Verwechslung in der Umgangssprache ist es, WLAN als Synonym für Internetzugang zu verwenden. Denn in der Praxis ist es so: Man benötigt Zugang zum WLAN, um Zugang zum Internet zu erhalten. Der Internetzugang ist jedoch nur ein Teil des Deals, den man beim Beitritt in ein WLAN abschliesst. Verbindet man sich zu einem WLAN, ist man Teil des Netzwerks und daher darin sichtbar. Das macht gerade öffentliche, ungeschützte Netzwerke so riskant. Als Nutzer weiss man kaum, wie dieses Netzwerk konfiguriert ist und wer sich noch so darin tummelt. Deshalb gilt die Faustregel: In öffentlichen Netzwerken niemals auf sensible Daten zugreifen. Besser noch wäre es, komplett auf solche Netzwerke zu verzichten, aber das ist in der Praxis nicht immer möglich.



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