Review 12.08.2020, 10:30 Uhr

Sony WH-1000XM4 – der viel erwartete Nachfolger im Test

Die Japaner haben ihr Meisterstück von 2018 noch einmal überarbeitet. Zwei Jahre später steht nun ein Nachfolger bereit. Fragt sich: Was gibt’s denn überhaupt noch zu verbessern? PCtipp prüft.
(Quelle: Sony )
Keine Änderung gabs auf jeden Fall im optischen und haptischen Bereich. In Sachen Form identisch, in Sachen Farbe nur leicht heller präsentiert sich der WH1000-XM4. Und mit einigen Kleinigkeiten, die nur dem aufmerksamen Beobachter wirklich auffallen, so zum Beispiel der kleine Namensschriftzug am Bügel oder die Umbenennung des Ambient-Buttons in «Custom». Dieser Name wurde aus gutem Grund so gewählt: weil sich der Noise-Cancelling-Mode «customizen» lässt. Entweder er ist an, aus oder aber im Ambient-Mode, der Teile der Umgebungsgeräusche durchlässt, vornehmlich Stimmen. Auch der Google Assistant lässt sich so starten.
Auf dem Kopf sitzt er, wie schon sein Vorgänger, äusserst bequem. Mit spürbarem, aber nicht unangenehmem Anpressdruck schmiegt er mit seinen Kunstleder-Applikationen sich um Kopf und Ohr. Und hier kommt halt das alte Problem: Im Sommer wird die Geschichte heiss und schwitzig. Leider würden die Kühlung bringenden Luftlöcher dem technischen Prinzip des Noise Cancelling widersprechen, insofern gilt: durchhalten, aushalten. Sony hat auch hier wieder an seine Touch-Steuerung gedacht, die unserem Eindruck nach noch etwas besser funktioniert als zuvor. Doppeltipper für Play/Pause, Wischgesten nach vorne und hinten für Skip/Search und nach oben oder unten, um die Lautstärke zu regeln. Hard-Buttons gibt’s für den besagten ANC-Modus und fürs Ein- und Ausschalten. Last but not least: Die Handfläche komplett auf den Hörer gepresst, wird die Musik pausiert und die Aussenmikrofone treten in Aktion für einen kurzen verbalen Austausch.
Zieht man den Kopfhörer mit Federstahl-gestärktem Bügel aus, lassen sich die Ohrmuscheln zusammenklappen, sodass man einen ziemlich kompakten Kopfhörer hat – ebenso bei seinem Vorgänger.

Wie ist der Sound?

Stark. Wie schon der Vorgänger haben wir satte Bässe, stark ausgebaute Tiefen und viel Dynamik festgestellt. Neu sind auch die beim Vorgänger vielleicht etwas verwaschenen Höhen definierter. Die Unterschiede zum bereits schönen Klangbild des Vorgängers sind aber minimal – was daran liegt, dass es nicht sehr viel zu verbessern gab. Unterstützt wird wie üblich der hauseigene Codec LDAC, nicht aber AptX. Beim ANC setzen die Japaner weiterhin auf den QN1, der aber ein Update in Sachen Geräuscherkennung erhalten habe. Der Abgleich zwischen Lärmfrequenz und Gegen-Signale erfolgen 700 mal pro Sekunde.
In unserem Test haben wir den Kopfhörer dem Pendlerlärm im Zürcher HB ausgesetzt, ebenso dem Lärm eines stark bevölkerten Cafés – problemlos. Gerne hätten wir – wie schon beim Vorgänger – die Fankurve im Stadion als «Lärm-Endboss» beigezogen, aber die Umstände sind ja auch Ihnen nicht fremd. Das NC überzeugt uns. Einzig von der Adaptive-Noise-Cancelling-Funktion waren wir nicht 100-prozentig überzeugt. Ist dieses aktiviert, passt der Kopfhörer die Intensität des ANC dem Umfeld an. Etwas, was mit kurzem Musikunterbruch und einem signalisierenden Klang vonstatten geht und uns mehr genervt hat als sonst was – zu häufig kam es im Test vor.

Was ist denn jetzt neu?

Speak-to-Chat! Dieses spannende Feature ist neben dem hervorragenden Klang und dem ANC überhaupt aus unserer Sicht der Höhepunkt. Kurz in der App aktiviert, wird der Sound automatisch abgedreht, wenn der Träger des Kopfhörers zu sprechen beginnt. Auch die Geräuschunterdrückung pausiert, sodass man hören kann, was das Gegenüber mitzuteilen hat. Wichtig hierbei: Die Sensibilität der Funktion kann in der App angepasst werden. Dies ist insofern wichtig, als dass die Hörer bei hoher Sensibilität die Speak-to-Chat-Funktion z.B. auch aktivieren, wenn man mal lacht – bei einem Podcast oder ähnlichem. Auch gefallen hat uns Bluetooth-Multipoint. Heisst, der Kopfhörer kann gleichzeitig mit mehreren Devices pairen. Hört man mit dem Handy Musik und kommt nach Hause, kann man ohne grosses Trara auf den Laptop oder den Fernseher umstellen.
Und zuletzt hat Sony auch noch den Akku verbessert. Zum einen hält der Akku je nach ANC-Einsatz bis zu 38 Stunden (30 bei pausenlosem ANC), zum andern gibt’s die Schnellladetechnik – nach 10 Minuten Ladezeit hat man Saft für 2 Stunden. Tipptop.

Fazit

Sony lässt sich nicht lumpen. Der XM4 ist trotz seiner optischen Ähnlichkeit in allen Bereichen verbessert worden – obwohl wir uns das kaum vorstellen konnten. Satte 5 Sterne vergeben wir dafür!

Testergebnis

Toller Sound, tolles ANC, guter Akku
Adaptive ANC noch etwas sensibel

Details:  Over-Ear-Kopfhörer mit ANC, LDAC, Bluetooth 5.0, Multipoint-Bluetooth, Speak-to-Chat

Preis:  Fr. 399.-

Infos: 
sony.ch
Anmerkung zur Note: 1: unbrauchbar • 1,5: sehr schlecht • 2: schlecht • 2,5: ungenügend • 3: genügend • 3,5: ordentlich • 4: gut • 4,5: sehr gut • 5: ausgezeichnet



Kommentare

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hattrick
12.08.2020
Sie schreiben in dem Artikel, dass das Produkt rundum gelungen ist und Sie 5 von 5 Sternen vergeben. Auch schrieben Sie, dass der Vorgänger schon "perfekt" war und der Nachfolger trotzdem noch etwas besser ist. Wenn ich mir die Preise vom alten und neuen Gerät anschaue, hat der neue einen stattlichen Aufschlag von über 50 %. Würden Sie bei dieser Preisdifferenz doch lieber zur alten Version greifen? Angenommen, Sie hätten den alten noch nicht gekauft.

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Florian Bodoky
12.08.2020
Hallo hattrick natürlich sinkt der preis mit der zeit. der xm3 ist ja auch zwei jahre alt. er hat auch mal bei 399 gestartet ;) wenn sie den xm3 noch nicht besitzen - ja dann würde ich zum vorgänger raten. viele grüsse