Test: Nikon Z6

von Luca Diggelmann 11.12.2018

Objektive

Mit dem FTZ-Adapter können Sie Nikon-F-Objektive an der Z6 verwenden Mit dem FTZ-Adapter können Sie Nikon-F-Objektive an der Z6 verwenden Zoom© Nikon

Wie bei allen neuen Systemen ist eine grosse Anfangsschwäche das Objektivangebot. Die Nikon-Z-Serie startet mit nur gerade drei Z-Objektiven. Entsprechend verwundert es kaum, dass Nikon wie Canon einen Adapter für F-Objektive mitliefert. Allerdings mit einem kleinen Haken: Der Nikon-Adapter unterstützt nur FX-Objektive über den gesamten Sensor. Bei den günstigeren DX-Objektiven wird automatisch zugeschnitten. Für bestehende Vollformat-Nutzer ist das kein Problem. Wer aber gerne von einer APS-C-Nikon aufsteigen möchte, sollte sich seine Objektivsammlung genauer anschauen. Aber schauen wir uns erst einmal die neuen Z-Objektive ein wenig genauer an.

Nikkor Z 24–70mm f/4

Das erste Standardzoom-Objektiv für die Nikon-Z-Serie ist noch nicht auf Profi-Niveau Das erste Standardzoom-Objektiv für die Nikon-Z-Serie ist noch nicht auf Profi-Niveau Zoom© Nikon

Das Launch-Angebot von Nikon ist okay. Keines der drei verfügbaren Objektive ist schlecht, aber auch keines davon wirklich beeindruckend. Das Standard-Zoom und designierte Kit-Objektiv ist das Nikkor Z 24–70mm f/4 S. Brennweite und Blendenöffnung sind soweit ziemlich Standard für ein Mittelklasse-Objektiv. Die durchgehende Blende von maximal f/4 ist besser als die üblichen Billigmodelle (meist f/3,5–5,6) und mit 24–70mm werden die wichtigsten Brennweiten abgedeckt.

Im Vergleich zu den grösseren Konkurrenten fehlt aber noch das gewisse Etwas. Canons Mittelklasse-Standardobjektiv bietet eine Brennweite von 24–105mm bei f/4 und Fujifilm bietet ein Objektiv mit f/2,8–4 an. Profis sollten sich sowieso noch eine Weile gedulden. Die Roadmap für kommende Nikkor-Z-Objektive sieht für ihre Zwecke deutlich besser aus, als das aktuelle Angebot.

Nikkor Z 35mm f/1,8 & Nikkor Z 50mm f/1,8

Neben dem Standard-Zoom bietet Nikon zwei Festbrennweiten in den traditionellen Brennweiten von 35mm und 50mm an. Beide mit einer maximalen Brennweite von f/1,8. Anders als bei den bisherigen f/1,8er-Festbrennweiten sind diese Modelle nicht als günstige Einsteigerobjektive gedacht. Mit Preisen zwischen 700 und 900 Franken sind diese Festbrennweiten eher an ein anspruchsvolleres Publikum gerichtet.

Die neuen 1,8er-Festbrennweiten sind hochwertiger und teurer als die der DSLR-Vorgänger Die neuen 1,8er-Festbrennweiten sind hochwertiger und teurer als die der DSLR-Vorgänger Zoom© Nikon

Qualitativ sind die Objektive sicher besser als die F-Mount-Vorgänger. Bei einem dreimal so hohen Preis kann man das auch erwarten. Mehr Schärfe an den Rändern und weniger Verzerrungen sind ein klarer Vorteil. Es bleibt jedoch die Frage: Ist der höhere Preis den Qualitätssprung wert? Für mich persönlich nicht. Für andere Fotografen vielleicht schon.

Ob sich der Aufpreis lohnt, ist fraglich Ob sich der Aufpreis lohnt, ist fraglich Zoom© Nikon

Objektiv-Roadmap

Die richtig guten Objektive bringt Nikon erst nächstes Jahr oder noch später. Bis Ende 2020 sollten aber alle wichtigen Profi-Werkzeuge erhältlich sein, mit Ausnahme extremer Teles. Dazu kommen einige günstigere Varianten für Amateure.

Bis 2020 sollten die wichtigsten Objektive im Z-System verfügbar sein Bis 2020 sollten die wichtigsten Objektive im Z-System verfügbar sein Zoom© Nikon

Profis werden vor allem an den drei Zoom-Objektiven mit Blende f/2,8 interessiert sein, sowie am 50mm f/1,2. Das 20mm f/1,8, das 14–30mm f/4 und das 24mm f/1,8 dürften eher preiswerter werden. Aus der Reihe tanzen das 85mm f/1,8, das wahrscheinlich als Mittelklasse-Porträt-Objektiv gedacht ist, und natürlich das 58mm f/0,95 Noct. Eines ist schonmal sicher: Das Ding wird nicht günstig.

Video

Video war noch nie einer Stärke von Nikon. Umso angenehmer die Überraschung, was die Videoqualität der Z6 angeht. Kräftige Farben und überzeugende Details bringen die Z6 problemlos auf das Niveau von Sony und Co. 4K30 gibt es über den kompletten Sensor und mit einer Bitrate von rund 128 Mbit/s in den Standardeinstellungen. Wenn 1080p ausreichen, sind sogar bis 120 FPS möglich, was vor allem für Zeitlupen-Aufnahmen nützlich ist. Ein Problem ist auch bei der Nikon Z6 der Rolling-Shutter-Effekt. Wie auch bei der Konkurrenz ist dieser recht stark vertreten. Aber wie gesagt: Bei der direkten Konkurrenz ist das nicht anders. Für weniger Rolling Shutter muss man also sowieso in einer anderen Kameraklasse Ausschau halten.

Funktional klappt auch ziemlich alles. Der Videomodus wird mit einem speziell dafür vorgesehenen Schalter aktiviert, die Aufnahme startet über einen separaten Videoknopf. Autofokus mit Tracking und alle üblichen Einstellungen sind durchgehend verfügbar. Wer einen externen Rekorder verwendet, darf sich über N-Log und 4:2:2-Farben freuen.

Fazit

Nikon ist der Einstieg in die professionelle DSLM-Welt klar gelungen. Sogar noch eine Spur besser als Canon. Die Z6 mag sich zudem problemlos gegen die teurere Z7 behaupten und ist mit ihrer besseren Bildrate und dem günstigeren Preis sogar das flexiblere Modell der beiden. Das Anfangsangebot an Objektiven haut noch keinen aus den Socken, aber dank des mitgelieferten Adapters ist das für viele bestehende Nutzer kein Problem.

  • Nikon Z6

    Positiv:
    Bildqualität, Ergonomie, Preis
    Negativ:
    Speicheroptionen, Objektivauswahl, Akkulaufzeit
    Details:
    Vollformat-CMOS-Sensor, 24,5 Mpx, Z-Mount, 12 FPS, Digitaler Sucher, Touch-Display (neigbar), Phasenerkennungs-Autofokus, 100-51'200 ISO, 4K30p, 1080p 120 FPS, ~ 310 Bilder pro Batterieladung, 585 g
    Strassenpreis:
    Fr. 2299.-
    Info:
    nikon.ch
    PCtipp-Bewertung:
    4.5 Sterne

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