News 12.09.2013, 12:53 Uhr

Die NSA soll in Diessenhofen spionieren

Gemäss Snowden-Dokumenten hat die NSA Daten der Swift ausgespäht. Eines ihrer 3 Rechenzentren befindet sich in der Nähe von Schaffhausen.
Diessenhofen ist ein beschauliches 3000-Seelen-Dorf im Kanton Thurgau, knapp 10km von Schaffhausen entfernt. Nur eines stört das ländliche Bild: ein Komplex von roten Flachbauten, der von Zäunen umgeben und mit Kameras überwacht an einen Hochsicherheitstrakt erinnert. In den Gebäuden befinden sich aber keine Häftlinge, hier hat Swift, hier «Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunication», im Januar 2013 aufgrund von europäischer Datenschutzbedenken ein Rechenzentrum in Betrieb genommen. Und wie der «Blick» mit Verweis auf den brasilianischen TV-Sender Rede Globo berichtet, ist auch die NSA hier manchmal zu Gast. 
Dem TV-Sender wurden scheinbar Snowden-Dokumente zugespielt, die belegen, dass die NSA das Swift-Netz ausspäht oder ausgespäht hat. Swift ist eine Genossenschaft  der Geldinstitute und leitet Daten zwischen Banken, Brokerhäusen, Börsen und anderen Finanzinstituten weiter. Jeden Tag finden hier 20 Millionen Transaktionen zwischen über 10 000 Finanzinstuten statt, mit einem Volumen von 6 Billionen Dollar, schätzt Wikipedia.
Dafür reicht ein Rechenzentrum natürlich nicht aus, Swift hat darum nebst Diessenhofen noch eines in Holland und eines in den USA in Betrieb. Zwischen den Standorten soll es einen ständigen Datenaustausch geben, schreibt der «Blick». Durch die dadurch vorgenommene Spiegelung soll sichergestellt werden, dass es zu keinem Datenverlust kommt. Bloss konnte die NSA dies offenbar ausnutzen, in dem Moment wo die Daten das Rechenzentrum verlassen nützen auch die besten Firewalls nichts mehr. Und vor Zäunen fürchtet sich die NSA ohnehin nicht.
Dass die Daten verschlüsselt versendet werden, wie der «Blick» schreibt, ist in dem Fall auch keine grosse Hilfe. Letzte Woche wurde bekannt, dass die NSA in der Lage ist, fast alle bekannten Verschlüsselungscodes zu knacken.
Gegenüber PCtipp wollte sich niemand bei Swift zu den Snowden-Dokumenten äussern.

Fabian Vogt
Autor(in) Fabian Vogt


Kommentare

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babywhale
12.09.2013
Die Daten werden sowieso nicht an die NSA übermittelt. Es ist nun halt einfach Gesetz, dass Transaktionen, die über Swift laufen, mehr als 10'000 USD betreffen und von und nach den USA gehen, gemeldet werden müssen, um die Rechtmässigkeit der Quelle zu gewährleisten. dient eigentlich dazu, uns redliche von den unredlichen (Schwarzgeld!) zu unterscheiden. Dass die Schweizer Presse solche Sachverhalte immer noch erstens falsch darstellt und zudem nicht einmal die korrekte Behörde in den USA zu erwähnen im Stande ist, belegt ja nur, dass diese Leute offensichtlich von der nun bald schon ewigen Gehirnwäsche von Ex-Chaoten a la Strehle (Chef bei Tamedia) irreversibel weichgeklopft wurden. Und wenn solche Gesetze den Schweizer Banken nicht passen, können sie ja ihre Filialen in den USA schliessen. Machen sie ja nicht. Stattdessen zwingen sie die lokale Schweizer Regierung zu rechtlich fast unmöglichen Abkommen. [Mod-Edit: Nazi-Vergleiche entfernt] Und nun, kommt der Altpolitiker Blocher und macht Referenzen zur Zeit des WW2 und redet von Innerem Feind. Und die SP jubelt dem noch zu. Wer das ganze Spiel nicht durchschaut hat, ist echt meschugge. Aber genau so erscheint, was in diesem Land abgeht, draussen vor der Tür der Schweiz.