News 11.09.2013, 20:45 Uhr

Intel: 12 Stunden Akkulaufzeit für Tablets

Round 2: Die offizielle Ankündigung der neuen Bay-Trail-Prozessoren hats in sich. Die Überraschung: Intel hat schon diverse Tablet- bzw. Notebook-Hersteller an Bord geholt. PCtipp berichtet vom Intel Developer Forum (IDF13) aus San Francisco.
Nach einer kurzen Schweigeminute zum Gedenken an den 11. September in Amerika eröffnete Intel Vice President Douglas W. Fisher, General Manager Software and Services Group, den zweiten Tag am Intel Developer Forum (IDF13) in San Francisco. Einleitend forderte Doug Fisher uns Zuschauer auf, einen kurzen Moment über unsere erste PC-Erfahrung nachzudenken, als würden wir uns einer ersten Liebe besinnen. Gleichzeitig sollten wir uns in Erinnerung rufen, wie mit der Zeit alles mobiler wurde mit der Fragestellung, was es denn zuerst war: Waren es immer weniger Hardware-Elemente, waren es mehr Applikationen? Worauf Doug Fisher gleich die Antwort wusste: «Es ist eine Kombination all dieser Dinge», so der etwas emotional angehauchte Einstieg.

Ein bisschen viel Marketing zum Einstieg

Das 2-in-1 kann nach Intels Definition verschiedene Formen haben: Ob nun Slider oder Flipper oder drehbares Display
Nach fünf Minuten war bereits Hermann Eul, Vice President und General Manager Mobile and Communications Group, dran. Etwas abstrakt: Eul leitete mit der Aussage ein, dass eine Haupt-CPU wichtig sei, um alles Mögliche zu erledigen und man bei Intel bestrebt sei, den User vor Komplexität von dazwischenliegenden Algorithmen zu bewahren. Selbst eine kleine Allüre zum Gehirnvergleich war Eul nicht zuwider. Kein Wunder. Mit dem Niedergang der Netbooks, die vorwiegend auf Atom-Chips basieren, brach für Intel der Hauptabsatzmarkt der sparsamen Low-Cost-CPUs in kürzester Zeit nahezu vollständig ein. Eul liess aber bald die Katze aus dem Sack.
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Die Ankündigung

Intel versucht, die Besucher am IDF13 zu überzeugen:

Schneller, intelligenter, sparsamer

Hermann Eul und Asus-Chef Jerry Chen mit einem neuen 2-in-1: Chen freut sich jetzt schon auf die überlange Akkulaufzeit von mehr als 12 Stunden in ersten Prototypen
Der neue Z3000-Atom-Prozessor (Codename Bay Trail T) soll «All-Day Battery Life» bieten. Dank des schmaleren Footprints, jedoch auf 22 nm basierend, soll er drastisch weniger Energieverbrauch abverlangen. Künftige Tablets mit den neuartigen Atom-CPUs könnten nach Intel bis zu drei Wochen im Standby laufen und im regulären Betrieb über 12 Stunden Akkulaufzeit beweisen.
Intels Antwort auf Konkurrenten wie Qualcomms Snapdragon soll nun Bay Trail heissen.

System on a Chip

Bei den neuen Atoms handelt es sich um das sogenannte «System on Chip» (SoC): Neben der CPU und Grafik-Engine finden sich noch viele I/O-Schnittstellen integriert. Tablets mit Atom Z3000 sollen laut Intel mit nur 8 mm Dicke möglich sein, bei Displaygrössen denkt Intel an Diagonalen von 7 bis 11,6 Zoll. Das leistungsfähigere Out-of-Order-Design und die moderne 22-Nanometer-Fertigung mit Tri-Gate-Transistoren sollen bis zu dreimal schneller als bisherige Atom-Generationen sein. Mit einem als «Burst Technology» bezeichneten Turbo-Modus will der Chip dynamisch takten und Aufteilung der thermischen Abwärme zwischen CPU, GPU und anderen I/O-Einheiten selber managen, was anschaulich mit einer 3D-Grafik visualisiert wurde, bei der die verschiedenen I/O-Elelemente je nach Rechenanforderung wie 3D-Säulen hoch- und runterfuhren. Die Bay Trail Chips werden Displayauflösungen von bis zu 2560 x 1600 Pixeln unterstützen und hochauflösende Kameras mit bis zu 13-Megapixel-Sensoren betreiben können.
Wie gestern angekündigt, könnten nach Intel Ende Jahr schon über 60 neue 2-in-1-Geräte mit dem neuen Chip auf dem Markt sein für Preise unter 400 Franken.

Codename: Silvermont

Bay Trail und Intels kommender Smartphone-Chip Merrifield werden auf der nun neu genannten Silvermont-Architektur basieren. Sie wird möglicherweise sogar vereinzelt Low-End-Notebooks mit Celerons und Pentiums ablösen. Beeindruckend waren aber vor allem die Gaming-Leistungen und der integrierte Hardware-Encoder: So kann Bay Trail nicht nur mit einem besonders sparsamen Videodecoder für die gängigsten Codecs glänzen, sondern verfügt auch über einen spezialisierten Hardwareencoder. Das Bildsignal kann per HDMI 1.4 oder DisplayPort an bis zu zwei Displays ausgegeben werden. Von den Rendering- und Grafikleistungen konnte sich PCtipp schon am Vorabend überzeugen. Tatsächlich laufen z. B. Spiele mit der leistungshungrigen Grafikengine von Havok, aber selbst aktuelle Games wie Diablo und Dark Knight auf Tablets äusserst geschmeidig. Bereits verfügbare (und auf aktuelle Hardware schlecht abgestimmte Spiele) wie Hydro Thunder weisen im Direktvergleich zu Bay-Trail-Prototypen auf aktuellen Tablets tatsächlich markante Ruckler auf, während auf Bay-Trail-Tablets nun einige dieser Games deutlich flüssiger laufen.
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Virtuell Kleider anprobieren

Von den Renderingleistungen konnte uns eine Modedesignerin namens Victoria Moline, sie nennt sich selber scherzhaft eine etwas weniger technisch denkende Frau, mit einer neuartigen Tablet-App überzeugen, die als Projekt in Zusammenarbeit mit Intel entstanden sei.

Stärkere Renderingleistung auf Tablets

Virtuell Kleider auf dem Tablet anprobieren dank leistungsstarker Rendering-Pipeline
Bei der App konnten virtuell in einem Kleiderladen 3D-Texturen diverser Kleiderstücke auf das eigene 3D-Modell des Körpers abgelegt werden. Das 3D-Gitter des eigenen Körpers wurde (wahrscheinlich) vorher mit einer Kinect-artigen 3D-Kamera eingescannt. Intel hat nämlich einen Prototypen einer 3D-Kamera gezeigt, die dank neuer Chiptechnologie so klein sein werde, dass sie nicht wie eine Kinect-Kamera eingesteckt wird, sondern direkt wie eine reguläre Webcam im nächsten Jahr in neuen Geräten kommen könnte. Die 3D-Kamera werde Gestensteuerung ermöglichen. Selbst an einem Kinderwerbespot mit Augmented-Reality-Schmetterlingen aus Kinderbüchern hat Intel nicht gespart. Auf jeden Fall beeindruckend an der virtuellen Kleidershow war, welche Renderingpower wohl erforderlich ist, damit man das grosse 3D-Modell virtuell spazieren lassen kann, um in allen Posen Passgenauigkeit der Kleiderstücke schon virtuell auszuprobieren.

Schon zahlreiche Hersteller an Bord geholt

Das filigran-kompakte Sony Touch gefiel besonders: ein Slider mit herausschiebbarer Magnettastatur
Um uns von der Leistung und Designmöglichkeiten der neuen Chips zu beeindrucken, zitierte Intel einige namhafte Notebook-Hersteller wie Asus, Acer und Dell auf die Bühne, deren Chefs uns durchaus mit einigen neuartigen Geräten den Mund wässerig machen wollten. Jerry Chen, CEO von Asus, tat vor allem seine Freude zu überlangen Batterielaufzeiten kund. Dass die neuen (von Intel nun so bezeichneten) «2-in-1-Notebooks» bzw. -Tablets verschiedene Verkörperungen aufweisen können, zeigten neben der Bühne einige Intel-Mitarbeiter mit bald erscheinenden Prototypen einiger namhafter Hersteller. Es fiel zumindest noch kein Wort darüber, dass Intel den Herstellern (wie bei der Spezifikation Ultrabook) besondere Bestimmungen an die Anforderung «2-1» auferlegt.

2-in-1 mit verschiedenen Facetten

Das edle Sony Touchable hatte eine ausfahrbare Bluetooth-Tastatur mit Haftmagneten, beim Dell XPS 11 lässt sich das Display wie bei Vorgängermodellen einfach aus dem Rahmem kippen und drehen. Speziell aber: Bei den gezeigten, auf Windows 8.1 basierenden, Prototypen wurde softwareseitig eine Modifikation vorgenommen, die beim Switchen zum Stand-alone-Tablet-Betrieb die Bedienelemente auf Tabletmodus änderte und vom Standard-Desktop-Betrieb der Anwendungen in den App-Betrieb umschaltete.
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Auch der Google Vice President war da

Wohl nicht umsonst war Sundar Pichai, Senior Vice President von Google, kurz auf der Bühne, der Doug Fisher, eine farbige Google-Mütze überreichte (welche Fisher zwar danach wieder witzelnd als Give-away verhökerte).

Umfassende Entwicklungsumgebungen

Freude hat demnach auch Google. Google gab ausserdem bekannt, dass noch eine neue Generation (sehr dünner) Chromebooks kommen werde, die aber noch auf Haswell basieren. Toshiba und Asus kommen als neue Player hinzu. Bestärkend sagte Doug Fisher zum Schluss, man animiere bei Intel gerne alle Entwickler, sich auf der Intel-Entwicklerseite zu melden und neue Ideen zu teilen. Grund dazu hat er wohl. Sogar für Google sind umfassend dokumentierte Entwicklungsumgebungen offenbar schon verfügar. Fisher stellte eine Reihe von Software-Tools, Technologien und Initiativen von Intel vor, die Entwickler beim Programmieren von Anwendungen für mehrere Plattformen unterstützen. Sogar ein innovatives IDE für HTML5-Apps wurde demonstriert. Die Entwickler müssen den Code für die Anwendungen nur einmal schreiben und können diesen dann für verschiedene Geräte und Betriebssystem-Umgebungen zum Testing in Emulationsansicht schalten.

Intel vPro 2.0

Am Schluss gab Kirk Shaugen, General Manager PC Client Group, noch sein Wort zu Sicherheitsaspekten. Ab sofort ist auch die neue vierte Generation der Intel-Core-vPro-Prozessoren für Business-Anwender verfügbar. (vPro ist vor allem für IT-Manager in Sachen Remote-Management mit effizienter Hardware-Verschlüsselung interessant, weil schnell viele Status-Informationen ausgelesen werden müssen.) Zudem soll eine neue von Intel entwickelte Enterprise-SSD im Ultraslim-Faktor (die SSD 1500 Pro) bei Hardware Encryption punkto Speed grosse Vorteile bieten gegenüber Enterprise-HDDs oder anderen SSDs.

Autor(in) Simon Gröflin



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