Kunden als Verlierer beim Kampf ums Schweizer Replay-TV?

Zeitversetztes Fernsehen stösst in der Schweiz auf immer grössere Beliebtheit. Ein Kampf zwischen den TV-Sendern und den Anbietern von Replay-TV wie Swisscom, UPC, Sunrise und Ähnlichen um die Entschädigungen dafür könnte negative Folgen für die Konsumenten haben.

von Patrick Hediger 02.11.2018

In Zeiten von Netflix und Co. kommt auch Replay-TV bei den Kunden immer besser an. Sie können über ihren TV-Anbieter gegen eine monatliche Gebühr bei sehr vielen Sendern zeitversetztes Fernsehen geniessen. Die Nutzung von Replay-TV in der Schweiz ist von 9 Prozent 2013 auf 24 Prozent 2017 gestiegen. 

Der TV-Nutzer zahlt in der Schweiz also seine obligatorische Empfangsgebühr (Billag) sowie die Kosten des TV-Anbieters und bekommt dafür eine modernes zeitgemässes Fernseherlebnis. Er schaut, wann er will und kann bei Bedarf auch bei Werbung vorspulen. Gemäss der Interessengemeinschaft Radio und Fernsehen IRF machen das beim zeitversetzten Fernsehen 60 bis 80 Prozent der Nutzer, was den TV-Sendern gar nicht passt. Denn sie fürchten, dass sie so auf dem TV-Werbemarkt Einnahmen verlieren und ihre Existenz gefährdet sein könnte. 

Es gibt zwar eine ausgehandelte Abgabe der TV-Anbieter an die Sender von Fr. 1.60 pro Abonnent und Monat, doch das ist den Sendern mittlerweile zu wenig. Es stört sie auch, dass die Kontakte zwischen Sendern und TV-Anbietern nur zwischen den Verwertungsgesellschaften und den Verbänden der TV-Verbreiter ausgehandelt werden und es keine direkten Verhandlungen und Kontakte gibt. Um dies zu ändern, sind die Sender vor Gericht gegangen und auch im Parlament tätig geworden. Der Kampf vor Gericht war bis jetzt erfolglos, doch in der Politik konnte ein Erfolg erzielt werden. So entschied die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats letzte Woche wie folgt:

«Die Kommission betont, dass Replay-TV möglich bleiben soll. Sie ist aber der Meinung, dass die Finanzierung der Sendeunternehmen über die Werbung sowohl ein medienrechtliches wie auch ein urheberrechtliches Problem darstellt. Sie spricht sich deshalb mit 12 zu 9 Stimmen bei 3 Enthaltungen für einen neuen Artikel im Urheberrechtsgesetz aus, wonach die Sendeunternehmen direkt mit den Kabelunternehmen über die Möglichkeit zum Überspringen von Werbung verhandeln können. Eine Minderheit will auf diesen Zusatz verzichten, da die Finanzierung der Sendeunternehmen über die Werbung eine gesamtheitliche Betrachtung und vertiefte Untersuchungen der Faktenlage voraussetze.»

Für die Konsumenten ändert sich im Moment noch nichts. Doch in der Zukunft könnte es zu eher unerfreulichen Entwicklungen kommen. Dazu gehören möglicherweise:

  • Kein Replay-TV mehr bei verschiedenen Sendern
  • Keine Möglichkeit mehr, die Werbung beim Replay-TV zu überspringen
  • Zusatzgebühren für die Nutzung von Replay-TV

Es bleibt zu hoffen, dass nicht die Konsumenten die Leidtragenden des Kampfs zwischen Sendern und TV-Verbreitern um das Replay-TV sein werden. Mehr Hintergrundinformationen gibt es bei den Kollegen der Computerworld: Mögliches Replay-TV-Verbot sorgt für grosse Diskussionen.


    Kommentare

    • Rogerovi 02.11.2018, 14.31 Uhr

      Meiner Meinung nach ein letztes Aufbäumen der TV-Stationen! Früher oder später wird das lineare TV-Schauen der Vergangenheit angehören. Und mal Hand auf Herz - es kommen eh nur Wiederholungen, Soap-Geschichten und Fake-Reality-Shows. Solche Sendungen würde ich mir auch mit Replay nie im Leben antun... Ob allerdings Anbieter wie Netflix und Co. in (naher) Zukunft Werbefrei bleiben, das steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Und es würde mich nicht wundern, wen in 10 Jahren einer der gross[...]

    • techdealer 02.11.2018, 14.57 Uhr

      Offenbar ist mit dem Verstand bei den Werbern nicht weit her. Wer einen inhaltlich wichtigen Beitrag durch Unterbrecher stört zieht die Unmut des Zuschauers auf sich. Und wer dann trotz in der EU bereits fixem Verbot dennoch die Werbeunterbrechungen des Programms auf 170% der Zimmerlautstärke hochdreht in der CH ist komplett unsensibel in Bezug auf die Wirlkung die dies auf die Marke hat. Die Mehrheit meiner Freunde und Kollegen haben bei Unterbrecher-Werbung nur ein Ziel ... möglichst schnell w[...]

    • othbuc 02.11.2018, 14.58 Uhr

      Ich denke, eine gewisse Menge an Werbung goutieren Zuschauer schon. Aber heute ist sie teilweise einfach masslos. Man versuche mal an einem Samstag spät abends auf SF die Sportschau zu sehen!!! Oder auch rund um die Spätausgabe der Tagesschau. Schlicht und einfach Horror. Und bei den Privaten ist es sogar noch schlimmer.f Und dann das tiefe Niveau der Werbung!

    weitere Kommentare

    Sie müssen eingeloggt sein, um Kommentare zu verfassen.