ZHAW-Studie 15.09.2021, 17:22 Uhr

Schweizer Gesundheitswesen bei der Digitalisierung im Rückstand

Das Schweizer Gesundheitswesen hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Die Pandemie deckte die Lücken schonungslos auf. So bewegt sich die Schweiz diesbezüglich nach wie vor nur im internationalen Mittelfeld, wie der Digital Health Report der ZHAW zeigt.
(Quelle: National Cancer Institute/Unsplash)
Bei der digitalen Transformation tritt das Schweizer Gesundheitssystem seit einigen Jahren auf der Stelle. In verschiedenen internationalen Rankings bewegt es sich nach wie vor nur im Mittelfeld, auch im nationalen Branchenvergleich fällt der Digitalisierungsgrad unterdurchschnittlich aus, wie der Digital Health Report des Winterthurer Instituts für Gesundheitsökonomie der ZHAW School of Management and Law zeigt. Dieser basiert laut den Angaben in einem Communiqué der Hochschule auf einer übergreifenden Auswertung vorhandener Studien sowie einer Befragung von rund 20 Expertinnen und Experten. Unterstützt worden sei die Untersuchung ausserdem von den Unternehmen Roche, Synpulse, Swica und der Post.
«Gerade die Corona-Krise hat die Digitalisierungslücken im Schweizer Gesundheitswesen mit aller Deutlichkeit offengelegt. Man denke etwa daran, wie Fallzahlen zum Teil per Fax übermittelt werden mussten», kommentiert der ZHAW-Gesundheitsökonom Alfred Angerer die Lage. Nebst Lücken in der elektronischen Kommunikation zwischen den Gesundheitsdienstleistern habe sich der Rückstand unter anderem auch in der verzögerten Implementierung des elektronischen Patientendossiers, der Telemedizin oder digitalen Rezepten gezeigt.

Hohe Priorität? Fehlanzeige!

Die Gründe für den langsamen Fortschritt verortet der Spezialist der ZHAW etwa im Mangel an Fachkräften oder auch in regulatorischen Hürden – vor allem aber auch in der eher geringen Priorität, die der Digitalisierung im Alltag vieler Gesundheitsinstitutionen bisher beigemessen wurde. Das rächt sich nun. Denn gemäss der Studie wird die Digitalisierung sowohl von Patientinnen und Patienten als auch von Leistungserbringern generell als wichtig angesehen. Auch die meisten Berufsgruppen im Gesundheitswesen wünschen sich offenbar ein schnelleres Tempo bei der Umsetzung.
So beurteilt eine Mehrheit der Bevölkerung und des Gesundheitspersonals das elektronische Patientendossier, ein zentraler Pfeiler der Digitalisierung im Gesundheitswesen, als positiv, wie es im Communiqué weiter heisst. Hierbei gehen die befragten Expertinnen und Experten davon aus, dass es sich zusammen mit elektronischen Rezepten in den kommenden Jahren durchsetzen wird. Durch die Telemedizin und das elektronische Patientendossier wird ebenfalls ein positiver Einfluss auf Qualität und Kosteneffizienz im Gesundheitswesen erwartet.

Digitalisierungsschub durch die Pandemie

Einen wichtigen Anstoss hat der digitalen Transformation im Gesundheitswesen nicht zuletzt die Pandemie gegeben. Das zeigte sich auch in der Studie der ZHAW: Die Anzahl der Arztkonsultationen via Internet und Telefon nahm beispielsweise deutlich zu, zudem verstärkten verschiedene Institutionen ihre Investitionen in Digitalisierungsmassnahmen, wie es seitens der Hochschule heisst. «Wie nachhaltig diese Beschleunigung ist, ist zurzeit noch unklar», gibt Angerer aber zu bedenken. Abgesehen davon habe es in den vergangenen Jahren insbesondere in der Spitex sowie in Alters- und Pflegeheimen eine stark wachsende Anzahl von Digitalisierungsinitiativen gegeben. Auch die Anzahl an Digital-Health-Start-ups wächst hierzulande kontinuierlich – 200 Stück sollen es laut der ZHAW derzeit sein.
Trotzdem: Die Studie macht deutlich, dass sich die Schweizer Bevölkerung digitale Angebote wünscht und Patientinnen und Patienten zunehmend höhere Erwartungen haben – etwa an den elektronischen Austausch mit Gesundheitsdienstleistern oder den Zugriff auf persönliche Daten. Besonders gelte das für junge Menschen. «Insgesamt wird dieses Bedürfnis heute aber noch ungenügend bedient», so das Fazit von Angerer.



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