Oculus reduziert die PC-Anforderungen massiv

Nebst der kommenden 3D-Touch-Steuerung liess Oculus an seiner gestrigen Keynote Pläne zu einem kabellosen Headset verlauten. Eine neue Technik machts möglich.

von Simon Gröflin 07.10.2016

Mindestens ein schneller Vierkern-Core-i5-Prozessor und mindestens eine Nvidia GTX 970 waren bislang die Systemanforderungen für High-End-VR-Systeme wie Oculus Rift und HTC Vive. Also gut 1500 Franken oder mehr musste man schon mal in einen besseren Mittelklasse-PC investieren, wenn man für hochklassiges VR ein neues PC-System anschaffen musste. Jetzt hat Oculus an der gestrigen «Oculus Connect» ein paar spannende technische Tricksereien vorgestellt, die zusammen mit AMD und Nvidia ausgearbeitet wurden. Eine Software-Technik umschifft dabei hohe Berechnungsanforderungen. Sogar ein erstes kabelloses Headset plant die Facebook-Tochter im Zuge gesunkener Hardware-Ressourcen.

Oculus hat ein kabelloses Headset in der Mache (Bild: Prototyp vom Videoclip) Oculus hat ein kabelloses Headset in der Mache (Bild: Prototyp vom Videoclip) Zoom© Screenshot / Oculus Connect (Facebook-Livestream)

Synthetische Benchmarks

Ein Hauptproblem bei VR: Im Gegensatz zu PC- oder Konsolenspielen, die auch mit ca. 30 Bildern pro Sekunde noch als flüssig wahrgenommen werden, braucht es für eine VR-Brille die dreifache Bildwiederholfrequenz. Bewegt man den Kopf, und verlieren CPU oder GPU vielleicht genau zu diesem Zeitpunkt wegen anderer Prozesse wertvolle Ressourcen, fehlen auf einmal ein paar Frames. Und wenn es in der virtuellen Welt ruckelt, kann einem davon unter Umständen schnell schlecht werden. Um wertvolle Rechen-Power einzusparen, hat Brendan Iribe, CEO von Oculus, die neue Technik «Asynchronous Timewarp» vorgestellt. Um es mit einfachen Worten zu erklären, erzeugt die Software synthetische Bildwiederholraten, basierend auf der Kopfbewegung und der Position des Spielers. Die Technik sei angeblich schon so weit ausgereift, dass man nicht mehr auf native 90 Hz für die VR-Displays angewiesen sei. Stattdessen würden auch 45 Hz nun ausreichen. Genug Power, um die PC-Anforderungen an die Rift zu drosseln. Demnächst soll es schon möglich sein, das 800-Franken-Headset mit einem 500 Franken günstigen Mittelklasse-Rechner mit einem moderaten Dualcore-i3-Prozessor und einer GTX 960 zu betreiben. In Amerika partnert Oculus derweil mit mehreren Herstellern von Komplett-PCs und Notebooks für neue «Oculus ready»-Systeme.

Die 3D-Handsteuerung für Oculus Rift kommt im Dezember global auf den Markt Die 3D-Handsteuerung für Oculus Rift kommt im Dezember global auf den Markt Zoom© Oculus

Oculus arbeitet an kabellosem VR-Headset

Kurz gezeigt wurde in einem Videoclip ein Prototyp eines neuen VR-Headsets, das optisch der Oculus Rift gleicht, jedoch völlig ohne Kabel auskommen soll. Man kann darauf spekulieren, dass die ganze Recheneinheit des VR-Systems in einer rückseitigen, scheibenförmigen Kopfplatte steckt. Eine wichtige Ankündigung war auch die Möglichkeit, die Oculus-Hardware unter Einbezug von drei Oculus-Kamerasensoren im Raum zu nutzen (Roomscale VR). Ein zusätzlicher Kamerasensor wird bei den neuen Handbewegungs-Controllern «Oculus Touch» dabei sein. Einen dritten Kamerasensor wird man für ca. 80 US-Dollar nachbestellen können. Auch zur VR-Nutzung im Raum gab man sich mit den Details noch spärlich.

Die neue Touch-Steuerung wird ab dem 6. Dezember zu einem stolzen Preis von 200 Dollar erhältlich sein. Die Vorbestellung über den Oculus Store kann ab dem 10. Oktober getätigt werden. Mark Zuckerberg betonte bei der Keynote-Eröffnung, dass es nun nicht mehr so starke Lieferverknappungen beim Headset geben soll.


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