Oft gelesen und geteilt 07.07.2011, 06:00 Uhr

Spontacts-Gründer Christoph Seitz im Interview

Die Schweizer iPhone-App Spontacts soll Menschen dabei helfen, miteinander in Kontakt zu kommen und Freizeitaktivitäten zu planen. Eine Erfolgsstory? Wir haben bei Mitbegründer Christoph Seitz nachgefragt.
Vor Kurzem haben wir die iPhone-App Spontacts vorgestellt. Das Konzept hinter der Anwendung ist so einfach wie genial: Mitglieder sollen darüber einfach mit anderen Leuten in Kontakt kommen, welche die gleichen Interessen teilen und so spontan ihre Freizeitaktivitäten organisieren. Spontacts nutzt dabei das soziale Netzwerk Facebook, geht aber über den eigenen Freundeskreis hinaus.
Wir konnten einem der drei jungen Schweizer Mitbegründer, dem St. Galler Christoph Seitz, einige Fragen zu Entstehung und Vision hinter Spontacts stellen. Zusammen mit Daniel Kästli und Florian Specker arbeitet er seit 2008 an der App. Aktuell umfasst das Team rund 10 Mitarbeiter.
PCtipp.ch: Kürzlich haben Sie verkündet, bis Ende Jahr 40'000 Spontacts-Mitglieder in der Schweiz erreichen zu wollen. Wie viele Mitglieder zählt Ihre App zurzeit?
Christoph Seitz: Die Zahl der Mitglieder wächst sehr schnell. 2500 sind alleine in den letzten Tagen durch das grosse Medienecho hinzugekommen. Ich bin optimistisch, dass wir bis Ende Monat auf 10‘000 Mitglieder in der Schweiz kommen. Das Beste dabei: Wir merken, dass sich die App viral verbreitet.
Ihr Konzept ist zweifellos gut, es funktioniert aber nur, wenn genug Leute mitmachen. Ist dies Ihrer Meinung nach bereits der Fall?
Seit letzter Woche wurden schweizweit 350 Freizeitaktivitäten auf Spontacts ausgeschrieben. Wir haben die App sehr bewusst so konzipiert, dass die lokale kritische Masse nicht riesig sein muss. Durch Verbreitung der Aktivitäten via Facebook, Einbindung lokaler Freizeittipps, 1:1-Chat etc. wollen wir dem Benutzer so schnell wie möglich einen Nutzen bieten. So kann er von Spontacts auch dann profitieren, wenn die Zahl der User in seiner Nähe noch klein ist. Genereller ausgedrückt: Unser primäres Ziel war es nicht, eine neue Community zu gründen. Spontacts soll hauptsächlich ein Tool sein, wie es auch Doodle oder What’s App sind.
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Spontacts ist eine kostenlose App. Wie finanziert ...

Spontacts ist eine kostenlose App. Wie finanziert sich das Projekt? Und soll die App auch in Zukunft kostenfrei bleiben?
Ja, die App wird auch in Zukunft kostenlos bleiben. Wir haben sehr genaue Ideen, wie Spontacts Umsatz generieren wird. Exklusivsponsoring von Freizeitkategorien ist davon die offensichtlichste. Viel spannender sind aber Kommissionen auf Freizeitangeboten, welche die Nutzer über die App buchen werden. Da haben wir einige Pfeile im Köcher, die wir im Moment nicht offenlegen wollen.
Es ist anzunehmen, dass Sie mit Ihrem Projekt einmal schwarze Zahlen schreiben wollen. Bis wann soll Spontacts profitabel werden?
Unser Ziel ist es, uns so schnell wie möglich aus den laufenden Einnahmen zu finanzieren. Bei entsprechenden Sponsoringdeals kann das bereits nächstes Jahr der Fall sein.
Die drei Gründer von Spontacts
Die drei Gründer - Daniel Kästli, Florian Specker und Sie - konnten sich damals noch nicht auf Spontacts finden. Wie haben Sie sich kennengelernt und wie ist die Idee entstanden?
Spontacts ist aus glücklichen Umständen entstanden. Daniel und ich waren beide Pfadileiter in Goldach und sind über die Jahre Freunde geblieben. Mit Florian ist es fast die gleiche Geschichte: Wir sind zusammen an die Kantonsschule St. Gallen gegangen. Florian und Daniel arbeiteten beide an Webseiten für Freizeitangebote. Da dachte ich mir, wir sollten vielleicht zusammen mal ein Bier trinken.
Die Idee selbst hat lange gegärt. Noch bevor es das iPhone gab, wussten wir, dass wir aufs Mobiltelefon setzen werden. Wir hatten damals alle noch einen Vollzeitjob. In abendlichen Sitzungen und an Wochenenden haben wir Ideen gewälzt, bis uns die Köpfe rauchten. Dabei kamen wir auch auf ganz andere Konzepte. Trotzdem hielt sich die Vision, Leute für Freizeitideen zusammenzubringen, sehr hartnäckig. Irgendwann hat Florian einfach seinen Job gekündigt und gründete eine GmbH. Das war der entscheidende Auslöser.
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Die Idee für Spontacts entstand im Jahr 2008. ...

Die Idee für Spontacts entstand im Jahr 2008. Wann erschien die erste öffentliche Version der iPhone-App und was hat sich seither getan?
Die App sieht heute sehr simpel aus. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, warum das «finale Rezept» so lange gedauert hat. Im Sinn von Edison, der 100 Wege gefunden hat, wie die Glühbirne nicht funktioniert, haben auch wir viele schmerzhafte «Try and Error»-Runden absolviert. Das Faszinierende daran: Je tiefer wir uns ins Thema verstrickten, desto einfacher wurde die App.
Wir hatten schon letztes Jahr eine Version im App Store. Die basierte aber auf HTML und war dementsprechend langsam und unsexy. Wir mussten den Code spülen und fürs iPhone nochmals programmieren. Gleichzeitig hielten wir uns mit Marketing und PR zurück, weil wir wussten, dass die Zeit noch nicht reif war. Entsprechend freuen wir uns jetzt, dass die App insbesondere vom Tages-Anzeiger, vom PCtipp und auf Twitter so gut aufgenommen wurde.
Die Spontacts-App auf dem iPhone
Im iTunes-Store wird vor häufigen erotischen Anspielungen in Spontacts gewarnt. Das Konzept hinter der App bietet sich ja auch für derlei Aktivitäten an. Ist das derzeit ein Problem? Wenn ja, gehen Sie dagegen vor oder lassen Sie es zu?
Für den Jugendschutz haben wir die Alterslimite bei 16 Jahren festgelegt. Die Warnung im App Store dient einzig und alleine dazu, diese Alterslimite zusätzlich zu betonen. Wir sind sehr froh, dass die Plattform für genau das verwendet wird, wofür sie gedacht ist: In den letzten Tagen schrieben unsere Mitglieder rund 350 sportliche und kulturelle Aktivitäten aus. Erotische Angebote gab es bisher nicht. In den Nutzungsbedingungen sind sie klar untersagt. Ein bisschen Flirting liegt natürlich drin. Was darüber hinausgeht, führt aber zur Löschung des Profils. Wir setzen insbesondere auf Peer-to-Peer Mechanismen. Mitglieder melden Mitglieder, die gegen die Nutzungsbedingungen verstossen.
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Die Idee für Spontacts kam Ihnen ja aus ...

Die Idee für Spontacts kam Ihnen ja aus einem Bedürfnis heraus, einfacher mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Nutzen Sie selbst Spontacts auch rege?
Ja, selbstverständlich. Am Freitag war ich auf einer Vernissage, am Samstag ging ich Joggen, am Sonntag Zeitunglesen in der Badi, am Donnerstag gibts Drinks und am Freitag ein Konzert – es ist wirklich schön, immer wieder zu Aktivitäten eingeladen zu werden. Es ist jedem Einzelnen überlassen, ob er davon profitieren will oder nicht. Neben der Motivation, endlich wieder mal etwas Sportliches oder Kulturelles zu unternehmen und Bekanntschaften zu machen, bekommen wir so natürlich das beste User-Feedback.
Bald soll eine Spontacts-Version für Android folgen, auch international wollen Sie durchstarten. Wie sehen die weiteren Zukunftspläne aus, was darf man noch von Ihnen erwarten?
Wir sind selbst überrascht, wie sehr die Idee eingeschlagen hat. Im Moment geben wir Vollgas im Bereich PR und Finanzen. Gleichzeitig entwickeln wir die Applikation laufend weiter und haben zahlreiche Innovationen in der Pipeline. Die Android-App setzen wir mit externen Entwicklern um. Im Moment ist es unmöglich zu sagen, wohin die Reise geht. Die Richtung stimmt und die Begeisterung ist zu spüren – das sind gute Voraussetzungen.
Hat Mark Zuckerberg schon angeklopft, um Ihr Team aufzukaufen?
Wer weiss, vielleicht nach diesem Interview?



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